Outperformance durch Passivität

In den vergangenen zwei Jahren durfte ich eine große Lektion lernen. Ich nenne es „sich auf seine Hände setzen zu können“. Andere würden sagen: Passivität. Ein wesentlicher Bestandteil für den Börsenerfolg. Mit Sicherheit aber auch nicht unbedingt der Leichteste..

Ich habe keine Ahnung wie häufig ich mich in den frühen Jahren aufgeregt habe, Gewinne viel zu früh mitgenommen zu haben weil ich irgendwelchen „Überkauft-Signalen“ Glauben schenkte, auf tiefere Kurse zum Wiedereinstieg hoffte, weil ich Gewinne schlicht verbuchen wollte. Und wahrscheinlich auch, weil ich es vom intraday-trading gewohnt war. Für das mittelfristig orientiere Swing-Trading – oder Anlage-Trading oder wie auch immer man das Trading, das auf Zeitrahmen 2-20 Wochen Haltedauer orientiert ist, nennen möchte, ist das Gewinne-Mitnehmen wahrscheinlich der Performancekiller Nr.1.

Mittlerweile weiß ich, dass es genau drei Gründe gibt aus bullishen Märkte oder Aktien auszusteigen. 1. Sie sind nicht mehr bullish und reißen den Stopp, 2. Sie sind nicht mehr bullish und die Saison ist zu ende oder 3. Es gibt überraschende Nachrichten/Quartalsergebnisse, die negativ vom Markt bewertet werden.

Oder einfacher ausgedrückt. Alles, was ein mittelfristig orientierter Anleger tun muss in im Beginn der saisonal günstigen Phase ist auf einen starken Rücksetzer zu warten bzw. in der Phase des maixmalen Pessimismus nach Stärkesignalen zu schauen um zu akkumulieren. Da baut man seine Positionen auf mit dem Ziel sie mehrere Monate lang zu halten. Die Schwierigkeit besteht im Folgenden dann nur noch darin den Stopp diszipliniert nachzuziehen und noch wichtiger: Niemals per Limit aus der Position auszusteigen sondern immer nur per StoppLoss. Einzige Ausnahme ist hier wie schon gesagt der überraschende Quartalsbericht – bei mir war das vor einigen Wochen bei NEXUS der Fall, die schlechter als erwartet berichten.

Was ich sagen will, ist, dass die Fokussierung auf ein passives Verhalten und eine hohe „time in market“- Zeit extrem wertvoll und wichtig ist und letztlich das Trading sehr einfach macht. Im wesentlichen besteht es im ersten Schritt auf ein Warten auf einen Rückgang um einzusteigen, auf den Einstieg selbst und auf die Technik des Stoppverschiebens. Fertig. Nein, nicht ganz fertig – es müssen noch die Termine der Quartalsberichte bekannt sein, wenn man Aktien handelt. Aber dann hört’s auch auf.

Wenn man diese Lektion einmal begriffen hat, tut man sich auch leicht sein Handeln zu optimieren, denn man kann den Fokus auf die oben genannten 3 Teilschritte richten und jeden für sich optimieren. Ich habe 6-8 Jahre intensiven Handel, Selbstreflexion und Studium anderer Trader benötigt, bis mir das mal klar wurde. Vor 2 oder 3 Jahren las ich dann ein Interview mit einem bekannten Trader, dessen Name mir partout nicht mehr einfallen will, der gefragt wurde wie er gutes Market-Timing interpretiert. Seine Antwort war einfach: Gutes Market-Timing zeichnet sich vor allem durch eine hohe Time-In-Market Zeit aus. Und das unterschreibe ich.

Besten Gruß!

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