Die letzte Rallye vor einer größeren Korrektur

Habt ihr Euch vielleicht gefragt, weshalb ausgerechnet im Bereich 2025 Punkten im S&P Unterstützung aufkam Mitte des letzten Monats? Schaut selbst, dort verläuft der MA 50 weekly. Ich nehme hier mal bewusst ein Chartausdruck, der damals entstand – konkret am 20.5., als meine Entscheidung kam die Sommerrallye aktiver anzugreifen:

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Man kann von den Moving Averages halten was man will, aber ich finde Sie sind unverzichtbar in der Vorbereitung einer Handelswoche. Sie spielen sehr häufig eine große Rolle und sorgen für Widerstand oder Unterstützung. Oder eben manchmal auch nicht, aber genau das ist es ja bei der Chartanalyse. Die Suche nach den „tells“ – den Punkten, die signifikante Aussagen über Stärke und Schwäche generieren können oder könnten. Wenn eine Abwärtsbewegung an einem wichtigen Punkt wie dem Standard-MA im Weekly (oder daily usw.) aufhört und zu drehen scheint, dann wäre man schlecht beraten dort in der Nähe kurzfristig weitere neue prozyklische Einstiege zu suchen.

Diese Bereiche können für die Zukunft wichtige Pivots werden. Hier im Beispiel ist ein neuer wichtiger Bereich entstanden, der für die Zukunft bei Unterschreitung des Kurses von 2025 die mittelfristige Marktrichtung sich hin zu „bärisch“ ändert.

Der Durchbruch nach unten kann theoretisch auch schon nächste Woche passieren. Oder auch erst im kommenden Jahr oder wann auch immer so geschehen. Gut möglich auch, dass jetzt eine fulminante Rallye gestartet ist. Das weiß man eben nicht – schon gar nicht als Trader.

Es geht bei der Marktanalyse nicht um Prognosen, sondern um die Identifikation dieser „tells“. An einem solchen Punkt ist der S&P vor gut zwei Wochen angekommen und abgeprallt und so denke ich, dass jetzt wieder die Bullen am Zug sind und ihre Stärke weiter beweisen müssen. Immerhin haben sie es schon da unten und jetzt müssen sie weiter liefern. Und falls nicht, d.h. sollte es einen Tagesschluss unter 2025 geben, schalten bei mir alle Ampeln auf „rot“ und ich stecke von Kopf bis Fuß im Bärenkostüm.

Börsenindikator schaltet auf „Verkauf“.

Thomas Gebert ist den meisten deutschen Anlegern ein Begriff. Ich bin das erste Mal vor knapp 10 Jahren auf seinem „Börsenindikator“ aufmerksam geworden. Schon damals hat er meine Neugierde geweckt, aber leider habe ich ihn als „zu langfristig“ und daher als nicht relevant für meinen eher kurzfristig orientierten Handel eingestuft. Welch‘ Dummheit! Heute – mit einer ordentlichen Portion zusätzlicher Erfahrung weiß ich, dass er extrem bewährte und treffsichere Aussagen über die Marktrahmenbedingungen generiert und nicht in erster Linie perfekt „getimte“ (mein alter Deutschlehrer würde mich umbringen für dieses Wort ;-) Signale.

Es handelt sich um langfristige Signale, diese aber – und das habe ich damals nicht sehen können oder wollen, sehr wohl Relevanz für den kurzfristigen Handel haben. Heute weiß ich beispielsweise wie ernst ich mit einem aktiven „roten“ Börsenindikator Short-Signalen zu nehmen habe und wie unverzüglich und konsequent ich longs zu schließen muss. Ich kann mein Risiko völlig anders gewichten. Ein unschätzbarer Vorteil.

Ich werde in den Sommermonaten jedes Short-Signal agressiv handeln. Ich werde aber auch Long-Signale beachten – wie aktuell praktiziert. Diese allerdings vorsichtiger als bislang, was man an meiner vergleichsweise geringen Invest-Quote und dem hohen Aktienanteil im Vergleich zu gehebelten ETFs sehen kann. Das tue ich so lange bis sich die Rahmenbedingungen wieder entspannen, sprich vor allem bis der Börsenindikator wieder auf grün schaltet.

Schaut man sich die Rahmenbedingungen an den Aktienmärkten selbst einmal an, stellt man schnell fest, dass in den vergangenen 5 Quartalen die Gewinne der S&P Unternehmen rückläufig waren; -12% sind es insg. schon im Vergleich. Insbesondere der Energiesektor ist schwach. Zudem ist der Dollar stark und schwächt natürlich die Exporte der USA, wo die Musik spielt. Hier in Europa ist es noch recht ruhig, allerdings rückt langsam aber sicher Griechenland in den Fokus und auch der Brexit ist wieder am Horizont zu erkennen. Ich bin gespannt welches das Hauptthema sein wird diesen Sommer.

Aktuell ist es aber wie gesagt sehr ruhig, so dass es meiner Ansicht nach völlig fahrlässig wäre bereits shorts einzusammeln. Wir wissen ja wie lang Rallyes laufen können …

Mein Wiki ist übrigens Mitte des Monats am alten Top komplett aus meinen Aktienpositionen ausgestoppt worden. Die meisten waren knapp 20% im Plus. Ich bin sehr zufrieden. Die aktuell scheinbar gestartete Sommerrallye werde ich aber weiter noch vorsichtig long handeln. Der Juni ist hier ein bewährter bullisher Monat. Bislang bin ich wirklich zufrieden mit dem Verlauf, seht selbst ein Vergleich zum DAX.

dax_wiki

 

So bin ich guter Hoffnung, dass ich den Vorsprung weiter ausbauen kann, vor allem wenn die Märkte im Hochsommer drehen sollten. Aufgrund des roten Börsenindikators, gehe ich aktuell fest von einer größeren Korrektur aus. Es ist eine Frage der Zeit. Ich werde diesen Sommer weiter sehr genau hinsehen und konsequent sein bei aufziehenden Gewitterwolken am Aktienmarkt und halte Euch hier selbstverständlich auch aktuell.

Viele Grüße & gutes Gelingen!

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One Response to “Die letzte Rallye vor einer größeren Korrektur

  • oh man.. heute muss ich mich richtig zusammenreißen um hier nicht auf das Markttop zu spekulieren. Sieht alles danach aus aktuell. Aber ich warte noch auf short-Signale. Diese stehen noch auf long.
    Ein Durchbruch zu neuen highs führt bislang nich zu Anschlusskäufen sondern eher zur Distribution. Das könnte ein wichtiger Marktpunkt im Jahreskontext werden hier.