Outperformance durch Passivität

In den vergangenen zwei Jahren durfte ich eine große Lektion lernen. Ich nenne es „sich auf seine Hände setzen zu können“. Andere würden sagen: Passivität. Ein wesentlicher Bestandteil für den Börsenerfolg. Mit Sicherheit aber auch nicht unbedingt der Leichteste..

Ich habe keine Ahnung wie häufig ich mich in den frühen Jahren aufgeregt habe, Gewinne viel zu früh mitgenommen zu haben weil ich irgendwelchen „Überkauft-Signalen“ Glauben schenkte, auf tiefere Kurse zum Wiedereinstieg hoffte, weil ich Gewinne schlicht verbuchen wollte. Und wahrscheinlich auch, weil ich es vom intraday-trading gewohnt war. Für das mittelfristig orientiere Swing-Trading – oder Anlage-Trading oder wie auch immer man das Trading, das auf Zeitrahmen 2-20 Wochen Haltedauer orientiert ist, nennen möchte, ist das Gewinne-Mitnehmen wahrscheinlich der Performancekiller Nr.1.

Mittlerweile weiß ich, dass es genau drei Gründe gibt aus bullishen Märkte oder Aktien auszusteigen. 1. Sie sind nicht mehr bullish und reißen den Stopp, 2. Sie sind nicht mehr bullish und die Saison ist zu ende oder 3. Es gibt überraschende Nachrichten/Quartalsergebnisse, die negativ vom Markt bewertet werden.

Oder einfacher ausgedrückt. Alles, was ein mittelfristig orientierter Anleger tun muss in im Beginn der saisonal günstigen Phase ist auf einen starken Rücksetzer zu warten bzw. in der Phase des maixmalen Pessimismus nach Stärkesignalen zu schauen um zu akkumulieren. Da baut man seine Positionen auf mit dem Ziel sie mehrere Monate lang zu halten. Die Schwierigkeit besteht im Folgenden dann nur noch darin den Stopp diszipliniert nachzuziehen und noch wichtiger: Niemals per Limit aus der Position auszusteigen sondern immer nur per StoppLoss. Einzige Ausnahme ist hier wie schon gesagt der überraschende Quartalsbericht – bei mir war das vor einigen Wochen bei NEXUS der Fall, die schlechter als erwartet berichten.

Was ich sagen will, ist, dass die Fokussierung auf ein passives Verhalten und eine hohe „time in market“- Zeit extrem wertvoll und wichtig ist und letztlich das Trading sehr einfach macht. Im wesentlichen besteht es im ersten Schritt auf ein Warten auf einen Rückgang um einzusteigen, auf den Einstieg selbst und auf die Technik des Stoppverschiebens. Fertig. Nein, nicht ganz fertig – es müssen noch die Termine der Quartalsberichte bekannt sein, wenn man Aktien handelt. Aber dann hört’s auch auf.

Wenn man diese Lektion einmal begriffen hat, tut man sich auch leicht sein Handeln zu optimieren, denn man kann den Fokus auf die oben genannten 3 Teilschritte richten und jeden für sich optimieren. Ich habe 6-8 Jahre intensiven Handel, Selbstreflexion und Studium anderer Trader benötigt, bis mir das mal klar wurde. Vor 2 oder 3 Jahren las ich dann ein Interview mit einem bekannten Trader, dessen Name mir partout nicht mehr einfallen will, der gefragt wurde wie er gutes Market-Timing interpretiert. Seine Antwort war einfach: Gutes Market-Timing zeichnet sich vor allem durch eine hohe Time-In-Market Zeit aus. Und das unterschreibe ich.

Besten Gruß!

Börse im Aufzugsmodus

Es gibt einen alten und guten Spruch über die Wall-Street, der die Schnelligkeit von steigenden und fallenden Börsenkursen verdeutlicht: „Sie nehmen die Treppe rauf und den Aufzug wieder runter.“ Gemeint ist die Tatsache, dass normalerweise die Anstiegesphasen lange brauchen während die Rückgänge schnell (aber heftig) von statten gehen. Nicht selten brauchen große Anstiegsphasen 1-2 Jahre, um dann in nur 1-2 Monaten ihre Gewinne wieder komplett abgegeben.

Was wir in den vergangenen 6-8 Monaten erlebt haben, war allerdings – wenn man so will – der komplette Verzicht auf die Treppe. Sowohl in Aufwärts- als auch in Abwärtsrichtung ging es rasant und heftig zur Sache:

spx_fastmode

Quelle: freestockcharts.com

Wenn man den Zeithorizont aber erweitert, relativiert sich das Ganze etwas. Hierzu habe ich einen 5Jahres Chart in der Wochendarstellung gewählt und einen ATR(2) hinzugenommen. Warum? Dazu gleich mehr. Man sieht nun, dass da durchaus etwas dran ist wenn es heißt dass Anstiege lange brauchen. Für jeden erfahrenen Börsianer ist das nichts neues. Es auch stimmt, dass Korrekturen schnell und heftig ablaufen. Auch das haben wir sicherlich alle schmerzlich lernen müssen an der Börse.

Es gibt aber einen entscheidenden Unterschieder und der wird durch die Wahl des Zeithorizonts deutlich: Auf lange Sicht bleiben trotz heftiger Korrekturen höhere Kurse. Das heißt, dass die Korrekturen nur kurzfristig sind, eben Korrekturen. Oder um in der eingangs erwähnten Metapher zu bleiben: Die Fahrt im Aufzug nach unten macht nicht alle eklommenen Treppen wieder wett solange man den Zeithorizont lang genug wählt:

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Der Chart oben  ist unter mehreren Gesichtspunkten interessant, finde ich. Man kann schön sehen, dass in ruhigen, bullishen Phasen die ATR-Range von 2 Wochen sich im Bereich von 50 Punkten abspielt (für den S&P500). Seit Mitte 2015 allerdings, gibt es weit extremere Ausschläge. Diese gingen bis hin zu 120 Punkten beim Mini-Crash im Sommer letzten Jahres. Der Chart gibt aber noch mehr her:

Wir befinden uns nach wie vor in einer außergwöhnlich volatilen Phase. Unter volatil verstehe ich einen ATR(2)_weekly Wert, der über dem Durchschnitt von 200 Tagen liegt. Oder kurz: Über 50. Rein visuell ist es vielleicht einfacher zu interpretieren. Offensichtlich gibt es große Ausschläge bei der Wochnrange seit Ende 2015 – und genau das meine ich mit der eingangs erwähnten Börsenweisheit. Die Börse ist seit gut einem Jahr im Aufzugsmodus und mag die Treppe nicht mehr.

Im Chart oben lassen sich einige interessante Hinweise ziehen. Zum Einen, dass wie schon gesagt die Vola hoch ist, zum anderen aber auch, dass sie zurück geht, was positiv ist. Es könnte sein, dass demnächst wieder die Treppe gewählt wird.

Interessant ist auch der Blick auf den Preischart des S&P auf Wochenbasis mit den Bollinger-Bändern. Mit dem Kurs von 2022 ist man wieder im oberen Bereich. Der MA20(weekly) verläuft bei etwa 1995 Punkten und so lange sich der Kurs im oberen Bollinger-Bereich, also über MA20(weekly) befindet, ist die Situation bullish.

Das gilt es fest zu halten. Die Situation ist bullish. Der Markt ist bereit für höhere Kurse. Untermauert wird das von der EZB Entscheidung vergangene Woche und so zeigt sich auch der DAX:

 

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Ich habe im Chart oben eine grobe Zielrichtung eingezeichnet, die sich rein aus chart- bzw. markttechnischen Gesichtspunkten heraus ergibt. Der Bereich von 10.250 – 11.000 ist aus meiner Sicht bis Mitte bzw. Ende April erreichbar. Bei etwa 10.300 Punkten verläuft der MA200, der bis dahin mit sehr großer Wahrscheinlichkeit erreicht wird.

Sollte der MA200 und damit in etwa auch die große Diagonale (gelb im Chart), die sich aus den Hochs seit April 2015 ergibt, überwunden werden, wird es richtig bullish. Neue ATHs sind dann eine Frage der Zeit.

Ihr seht, ich bin derzeit alles andere als bärisch. Wir befinden uns in einer saisonal günstigen Phase, haben einen eben ein Drawdown von knapp 20% hinter uns gebracht – ein Wert, der in den vergangenen 20 Jahren das Maximum eines Jahres markierte. Daher ist es gut möglich, dass der Markt völlig bereinigt wurde und bereit ist für weitere große Anstiege. Daher ist die Wahl der Mittel für mich: entweder long sein oder flat aber keinesfalls short.

Der US-Markt scheint mit einem fulminanten Start in den März kurzfristig vielleicht etwas überhitzt und könnte – zumal nächste Woche der große Optionsverfall vor der Tür steht – etwas korrigieren. Der DAX aber hat noch einiges nachzuholen. Daher bin ich am Freitag auch wieder 100% long gegangen und hatte zuvor aufgrund der Unsicherheiten bzgl. des EZB-Meetings vorher auf 50% reduziert, was auch im Nachhinein sich als richtig erwieden hat.

Insgesamt bin ich zufrieden mit der Wikifolio-Performance der jüngeren Zeit. Zum ATH fehlen nur noch 4 Punkte bzw. 2%. Was mich natürlich am meisten freut, ist die Outperformance, die ich seit der Anpassung meines Handeln generiere:

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Quelle: Boerse.de

In der Wikifolio Rangliste, befindet sich mein Zertifikat aktuell auf einem äußerst unbefriedigenden Rang 111, den ich mir vor allem mit vielen gemachten Fehler in ersten zwei Jahren zuzuschreiben habe. Da gibt es noch einiges aufzuholen. Der Weg stimmt und das wiederum stimmt mich zuversichtlich.

beste Grüße und ein glückliches Händchen!

Lukas

 

Über Jahresdrawdowns

Es gibt genau zwei Auswertungen, die mich in den letzten Jahren als Börsianer nachhaltig beeinflusst haben –  eigentlich muss ich sagen – völlig verändert haben. Die erste Auswertung habe ich im Beitrag hier vorgestellt. Es beschreibt die Wahrscheinlichkeiten von Verlusten bei Long-Positionen auf den S&P500 abhängig der Haltedauer und beinhaltet im Wesentlichen zwei Kernaussagen: 1. Die Wahrscheinlichkeit für positive Erträge ist höher als für negative wenn man Long-Positionen handelt und 2. Notfalls brauchst du hierfür nur einen langen Atem und etwas Sitzfleisch.

Die zweite Auswertung, die mich in den letzten Jahren so nachhaltig veränderte, ist diese hier unten. Nicht auf aktuellsten Stand bzgl. der Drawdowns diesen Jahres (Erhebung 15.1.), aber trotzdem:

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Quelle: J.P.Morgan Asset Management letter

Sie beschreibt die intra-year Drawdowns von den Peaks zu den lows innerhalb eines Jahrs und gibt auf der anderen Seite die jährlichen Erträge wider. Was sehen wir? Seit Messbeginn ab 1980 kommt es im Schnitt zu einem Drawdown von ca. 8-9%. Es gibt einige wenige Jahre, da korrigiert es bis -20% und in den bekannten Jahren mit Bärenmärkten – 5 an der Zahl in den vergangenen 35 Jahren – korrigiert es stärker als -20%. Im Peak bei -49% in 2008. Dieses Jahr beträgt das Dawdown übrigens ca. 12%…

Jetzt kann man schlussfolgern wie man will. Ich möchte mal folgende Rechnung machen:

Die Wahrscheinlichkeit einer >20% Korrektur beträgt 5/35 oder 14,28%. Das menschliche Gehirn kann diese Werte aber schwer fassen, daher anders formuliert – passend zur Börse – mit einer Wette:

Würdest du die Wette eingehen, bei der du 15% Erfolgswahrscheinlichkeiten hast? Kommt vielleicht auf den Einsatz an und die Erträge, richtig? Daher muss ich die Frage präzisieren: Wieviel Geld würde ich auf eine solche Wette mit knapp 15% Erfolgswahrscheinlichkeit setzen bei der die Erträge auch noch kleiner sind als die bei Verlust?? Diese Frage sollte man sich als Börsianer stellen.

Du hast 1000 € zum Zocken an der Börse. In 15% der Fälle gewinnst du 130€ durch setzen auf Shorts, in 75% der Fälle verlierst du damit 182€. Wie komme ich auf 130 und 182? Das sind die Durschnittswerte der Jahreserträge bei negativem Jahresausgang (130) und positiven Jahresausgang (182).

Wer würde denn von Euch eine solche Wette eingehen? Wenn ich die gleiche Wette umdrehe und longs agiere, klingt das Ganze schon viel besser, oder? Der Erwartungswert dieser Wette beträgt 117€ pro Jahr. (=0,75*182€ – 0,15*130€). Auch rein optisch wird deutlich, dass die Long-Seite wesentlich attraktiver ist. Aber es fühlt sich doch anders an alles an der Börse, nicht wahr?

Die Antwort darauf ist: Wir sind nicht rational. Wir fühlen den Schmerz der Verluste stärker als die Freude der Gewinne. Wir geraten ohne diesen Kontext da oben im Chart normalerweise in Panik wenn wir gerade in einem 10% Drawdown stecken – so wie jetzt.

Warum nicht stumpf einsteigen wenn die Märkte gerade eine 10% Korrektur hingelegt haben? Das wäre rational. Darüber darf ruhig nachgedacht werden. Ich halte das aufgrund der Fakten oben für ein höchst lukratives Unterfangen und rechne das in einem späteren Beitrag gerne mal mit einem Backtest aus.

Die Geschichte oben ist übrigens auch die Antwort auf die Frage weshalb ich schon wieder 100% long bin – und übrigens auch weshalb mich das herzlich wenig juckt, dass ich wieder etwas früh dran war damit.

Gute Woche und gute Zeit. Ich melde mich wieder wenn wir am MA 200 (daily) angekommen sind.

 

Markt taucht nochmal durch

Eigentlich – rein technisch, bzw. aufgrund der zahlreichen bullishen Intermarketsignale, stehen die Zeichen seit Anfang letzter Woche auf Rallye. Und dennoch. Der Markt tauchte vergangenen Freitag nochmal stark ab mit Minus 1,9% einschließlich eines „major distribution day“ mit über 90% der Aktien die negativ tendierten. Das wirft nun Fragezeichen auf.

Zunächst einmal muss festgehalten werden, dass dieses Durchtauchen sehr selten und außergewöhnlich ist. Die Intermarket-Lage ist wie gesagt durchaus positiv:

  1. NYMO & NYSI zeigen Stärke

1_nysi

  • TRIN letzten Dienstag mit > 2, was häufig in zu mittelfristigen Lows führte i.d. Vergangenheit

2_trin

  • NYAD (AD-Linie) ist postiv

3_nyad

  • VIX ist im unteren Bollinger-Bereich

4_vix

All das sind eigenlich Anzeichen für positive Marktverhältnisse und somit für steiende Kurse.

Aber eben kein Muss – sondern nur eine Indikation. Dennoch blicke ich weiter bullish auf die komende Woche. Grund dafür ist die Unterstützunglinie bei 1865:

 

spx_1865

Dass diese Linie erneut angegriffen wird, halte ich für ausgemachte Sache. Vor allem nach einem so starken Abverkauf wie am Freitag, kann man zum Start der Woche von einem tieferen Tief als das von Freitag aus gehen.

Eine Marktwende direkt am Montag wäre untypisch, daher visiere ich hier auch wieder den Dienstag an. Wäre auch an der Zeit langsam, denn das bärische hin und her wird langsam nervig. Interessant wäre die Situation auch deshalb, weil im Bereich von 1865 Punkten auch das 38% Retracement der Aufwärtsbewegung liegt. Sollte dies gekauft werden, haben wir ein sattes, .d.h. mittelfristig stabiles Low. Ich schaue dann auf die gelbe Diagonale im Chart. Bei Überschreitung geht es dann endlich rund in long-Richtung.

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Es wird auf so oder so eine höchst interessante Woche. Gutes Gelingen!

Bullishes Marktverhalten

Unter technischen Gesichtspunkten kann man mit dem Marktverlauf heute und gestern als Bulle sehr zufrieden sein. Ich bin es jedenfalls. Es fand gestern – am Montag 25.6. nochmal ein deutlicher Angriff der Bären statt, der allerdings bei der alten Unterstützung von 1855 Punkten im S&P Future abgewehrt wurde. So entsteht nun eine nette SKS Formation und eine markttechnisch solide Basis im gesamten Bereich zwischen 1850 bis 1900:

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Die Situation ist nun relativ einfach. Kurse unterhalb von 1850 sind extrem bärisch und werden zu weitaus tieferen Lows führen als jenes vom 19. Januar. Jeder Kurs oberhalb von 1912 Punkten im Future wird allerdings ein Stopp-Loss Regen der Bären auslösen und dieses Szenario ist für mich das derzeit deutlich wahrscheinlichere. So gehe ich von weiter steigenden Kursen die nächsten Tage aus. Wichtig für einen echten, d.h. nachhaltigen Boden wird nun sein, dass es zu einer Serie von grünen Tagen kommt. Ich schaue jetzt auf die 5 von 7 Regel: Bedeutet. Ein großes Low mit mittelfristiger Relevanz liegt vor, wenn im Anschluss mindestens 5 der nächsten 7 Tage grün sind. Wir stehen aktuell bei 2:1 für Bullen, beide grünen Tage wurden bei hohen Up-Volume gehandelt. Das sieht soweit gut aus. Sollten aber in den kommenden Tagen noch zwei rote dazu kommen, kann man von einem demnächst folgenden, weiteren ernsten Angriff der Bären ausgehen.

Blanke Panik – Kaufkurse

Wir haben einen wirklich sehr spannenden Markt vor uns. Ich behaupte mal, dass nicht wenige mit einer Korrektur zum Jahresstart gerechnet haben, mit Sicherheit aber nur die Wenigsten mit einer derart deftigen… Wie auch? Es ist der „schlechteste“ Jahresstart der Geschichte der Märkte. Es herrscht wieder blanke Panik. Und das ist gut so. Sofern man eine Strategie hat und diese kontinuierlich verfolgt.

Gerade die Abwärtsbewegung letzte Woche Freitag mit im DAX (bzw. X-DAX) -4% tat vielen Anlegern besonders weh. Auch ich dufte vernehmen, dass ich ein 2-3 Tage zu früh dran bin – zumal es diesen Montag nochmal erheblich runter ging. Doch die Bewegung tut nicht weh, denn dank des Regelwerks bin ich im Moment sowohl mit keinen Positionen als auch mit kleinem Investitionsgrad unterwegs, so dass die Auswirkungen eines solchen shake-outs begrenzt bleiben. Das sind die üblichen Übertreibungen und die typischen Panik-Bewegungen, die man im Vorfeld nur selten auf dem Zettel hat.

Es war jedenfalls wieder eine von diesen besonders einprägsamen, grausamen Marktbewegungen, die uns Anleger demütig werden lässt und deutlich macht, das man „nur“ partitionieren und nie mitbestimmen darf… Nach 4-5 Jahren Friede, Freude, Eierkuchen, hat der Markt wieder Lektionen verteilt. Aber ist es wirklich so? Nein, nicht wirklich. Denn eigentlich wird jedes Jahr irgend eine Sau durch’s Dorf getrieben. Jüngst waren es die Griechen, die EZB und der Euro, der US-Bundeshaushalt, und und und. Dieses Jahr ist es dann eben China.

Wichtig ist der kühle Kopf und die Rückbesinnung auf die eigene Strategie, das Risikomanagement und nicht zu guter Letzt die Suche nach Einstiegsmöglichkeiten – trotz oder gerade wegen der Stimmung. Man muss schlicht und einfach diszipliniert weiter sein Ding durchzuziehen und sich nicht abschrecken lassen. Die Welt wird auch dieses Jahr nicht untergehen. Wir sollten aber wenigstens eine Sache hier mitnehmen. Und zwar wie wichtig es ist zu wissen wann die Reißleine zu ziehen ist. Aber eben auch wann man wieder kommen will.

Ich will das Thema China gar nicht klein reden, denn immerhin befinden sich jetzt sämtliche großen Aktienmärkte unterhalb der 200er Linie und damit nach meiner Definition nach im Bärenmodus. Was ich aber unbedingt hier im Beitrag los werden möchte, ist, dass es am Ende des Tages wichtig das Echo drum herum außen vorzulassen und einen Blick auf die Fakten und das eigene Regelwerk zu werfen. Und das sagt mir im Moment: Übertreibung nach unten! Das sind Kaufkurse für Swing-Trades hier. Warum

VIX mit Umkehrkerze am oberen Bollinger

vix

NYMO im Extrembereich

nymo

NYlow im Extrembereich

nylow

SPXa200R im Extrembereich

spxa200r

Nicht zu vergessen die Presse – als „weicher“ Marktstimmungsindikator

bild2

(Quelle: Screenshot von Bild.de)

Das offene Gap im DAX im Berich 10.700 Punkten beispielsweise dürfte noch in Q1 diesen Jahres geschlossen werden – ich gehe jede Wette ein. Es würde mich wirklich nicht wundern, vor allem weil viele an den nächsten Untergang glauben. Wenn ich mir den DAX heute im Jahreschart anschaue, sehe ich aktuell ein higher low im Vergleich zu den zweien aus dem Sommer 2015:

Im SPX sind wir genau im Bereich der Lows vom August’15, die gekauft wurden damals. Auch heute wie es aussieht.

Ich werde hier in der saisonal günstigen Phase jedenfalls weiter mutig agieren – natürlich ohne das Depot vor zu große Risiken zu stellen. Ich bin mit 50% investiert, habe den Großteil der gesamten Abwärtsbewegung an der Außenlinie bzw. mit deutlich reduzierten Positionen verbracht, aber ich denke, dass jetzt die Zeit für mich gekommen ist, wieder den Investitionsgrad rauf zu fahren. Die nächste Woche wird es zeigen müssen. Bei anziehenden Kursen werde ich noch drauflegen auf der Long seite. Bin gespannt!

Übrigens – falls sich jemand fragt, weshalb ich nicht in shorts gegangen bin. Es ist Januar. Die Saison ist günstig. Da lauten die Regeln: long oder flat. Erst im Sommer darf ich shorts handeln.

Gutes Gelingen Euch!

Es geht rund.

Nach so einem Abverkauf kann man auch mal zufrieden sein alles richtig gemacht zu haben. Ich habe mich gleich am Montag morgen bis auf S+T, die auch heute noch nicht am Stopp angelangt ist, von sämtlichen Positionen getrennt. Sofort getrennt. Die Frage in diesen Fällen ist nicht ob man sich bei Marktschwäche von seinen Positionen verabschiedet, sondern wie schnell man es umsetzen kann.

Hätte ich die wichtigste Regel – das Depot vor Risiken zu schützen – nicht beachtet, würde ich heute im wikifolio folgenden Kurse für meine Positionen gegenüberstehen:

  • 2x DAX Long (DE000A0X8994) = 205,955€ (46 Stück) —  Verkaufskurs: 228,9 € => 1.058€ Verlust vermieden
  • Dassault (FR0000130650) = 69,08 (12 Stück) — Verkaufskurs 72,08 € => 36 € Verlust vermieden
  • GFT (DE0005800601) = 26,50 (36 Stück) — Verkaufskurs 30,45€ => 144 € Verlust vermieden

vorher war schon Datagroup draußen. 55 Stück zu 14,35€. Heute kriegt man die Aktie zu 13,2 €. Alles in allem wäre mein Wikifolio anstatt bei 145 Punkten heute ca. 13 weitere Punkte niedriger als am Montag und würde im Bereich 133 notieren. Deshalb sind Stopps und Fokussierung auf Verlustminimierung wichtig.

Und das Schönste mit Cash an der Seitenlinie ist es, dass man den Kopf frei hat für neue Investments und Ideen. Und dass man auf einem immer attraktiver werdenden Niveau schon wieder langsam und vorsichtig akkumulieren kann. So wie vorhin von mir erledigt. Warum?

Ich glaube, der größte Teil der Bewegug liegt hinter uns, wenngleich diese erste Abwärtsbewegung vielleicht nur der Start für weitere, später folgende Bewegungen sein könnte. Jedenfalls zeigen die Indikatoren derzeitig kurzfristige Übertreibungen nach unten an. Das sind die Situationen, an denen ich da sein will, gerade in der saisonal günstigen Phase wie jetzt. Ich setzte aber mit Longs nicht auf einen neuen Trend, sondern auf eine 50-62% Retracement Erholung.

Jede Aufwärtsbewegung wird meiner Erfahrung nach aber im Bereich des 50% Reracements für weitere Verkaufswellen genutzt werden, denn nicht alle Institutionellen Anleger können aufgrund Ihrer Positionsgrößen rechtzeitig raus kommen. Diese Bewegung hat meiner Ansicht nach auch deshalb noch weiteres Down-Potential in den nächsten Wochen, weil sie überraschend kam. Anders als viele Korrekturen in den letzten 3-4 Jahren

2016 und der ewige Bullenmarkt?

In alter Tradition will ich auch dieses Jahr noch vorn auf das neue Jahr blicken. Genau wie 2015, 2014, 2013 oder 2012  hier im Blog. Nein, auch dieses Jahr wird es von mir keine Prognosen geben. Und wenn, dann würde ich wahrscheinlich folgendes antworten: Die Börse steigt im Durchschnitt mit ca. +7% per anno. Die Standardabweichung ist in etwa Plusminus 20%. D.h., dass wir mit großer Wahrscheinlichkeit irgendwo zwischen 8.000 und 12.000 Punkten landen könnten mit dem DAX. Hilft das weiter? Nein? Seht ihr, genau deshalb gibt es keine Prognosen von mir. Hier im Beitrag bin ich auch etwas tiefer in die Thematik Prognosen eingetaucht.

Ich möchte viel lieber mal los werden was mir derzeit im Kopf herumschwirrt. Und das ist bärisch. Aber es ist mit solchen Gedanken auch immer viel Vorsicht geboten wenn der Börsenbär in mir erwacht. Ich habe hier gezeigt, dass es grundsätzlich vorteilhaft ist bullish zu sein. Dennoch – an der Börse bin ich häufiger Bär als Bulle. Das ist grundsätzlich eher schädlich für die Performance, obgleich es einem durchaus hilft bei der Vermeidung von großen Verlusten. In den letzten Jahren hat es mich unterm Strich aber deutlich mehr Geld gekostet als es gebracht hat, gerade zu Anfang 2015, daher habe ich mir angewöhnt, den Bären in mir im Zaum zu halten und stets meine Gedanken kritisch zu hinterfragen. Ich habe mich vor ca. 2 Jahren auch gänzlich davon verabschiedet nach Prognosen zu handeln. Sie sind schlicht und einfach nichts wert und stehen im Weg. Das habe ich schon zig fach am eigenen Leib schmerzhaft bewiesen.

Einzig der Blick auf die Faktenlage ist hilfreich. Diese ist natürlich in gewissen Teilen auch immer ein Stück weit interpretierbar und genau an dieser Stelle greift dann die Voreingenommenheit – Bulle oder Bär – auch bei der Auswahl der Fakten, übrigens. Als Bär sucht man sich eher die schlechten Nachrichten als die Guten. Diesen psychologischen Grundsatz kann man sich nur schwer entziehen, aber ich denke für mich habe ich diesbezüglich einen guten Kompromiss geschlossen, der wie folgt lautet; Schaue auf den Moving Average 200. Wo steht der Kurs? Drunter oder drüber? Schaue auf die Saison. Befinden wir uns in der günstigen Phase? Wichtig vor allem ist auch folgendes: Wenn du bärische Gedanken hast, suche gezielt auch unbedingt bullische Fakten. Lasse es auch unbedingt zu falsch zu liegen, denn Timing und Fakten sind selten kongruent.

Zu der Faktenlage für 2016. Oder: Warum bin ich für dieses Jahr skeptisch?

  1. China: Die Konjunktur schwächelt. Nachdem ein erheblicher Fall eines chin. Einkaufsmanagerindex öffentlich wurde, kam es heute sogar schon zu Tumulten und einer vorzeitigen Schließung. Hier ein Link dazu bei Spiegel Online
  2. Zahlreiche Früh-Warnindikatoren schlagen an. Einen halte ich für sehr wertvoll, auch wenn es kein „echter“ oder klassischer ist und manch einer wird vielleicht lachen, dass ich es für einen Frühindikator halte… Es ist die Aktie Berkshire, das Unternehmen von Warren Buffet. Das Unternehmen hält v.a. Anteile an Versicherungen, Banken und Industriewerten, also eher klassische Investments und diese führten in 2015 zu einer neg. Performance von ca. 15%. Im Manager Magazin findet sich ein interessanter Artikel dazu. Es ist schon beachtenswert wie gut Berkshire große Marktkorrekturen ankündigt. Neben 2008 hat BRK auch in 2000 die Baisse angekündigt.
  3. Die Highflyer, die dazu führten, dass die US-Indizes in etwa Plusminus null schließen konnten in 2015 waren die Big Four. Google, Netflix, Amazon und Facebook. Allesamt natürlich super gute Unternehmen, aber ein Blick auf die Börsenkennzahlen verrät. Sie sind horrend hoch bewertet. Muss das was heißen? Nein. Natürlich nicht. Aber auch nur wenn die zukünftige Gewinnerwartung der Unternehmen im gleichen Tempo steigt die nächste Zeit. Tut sie das nicht, werden diese Schwergewichte auch gewichtig die Indizes korrigieren.
  4. Der Aktienmarkt erinnert mich irgendwie an 2008. Sowohl der Dezemberverlauf, das kräftige Hin und Her, als auch die Eröffnung des Marktes heute im neuen Jahr.
  5. Last, not least die Zinsen am langen Arm. Für mich der Hauptindikator. Da wäre zum einen die Umlaufrendite (Chart 1 unten), die seit Mitte des letzten Jahres steigt, aber auch die 30-Jahre Zinsen in den USA (Chart 2 TYX) sowie die 10 Jährigen (Chart 3 TNX). Alle drei haben gedreht und steigen. Das sind sehr wichtige Wegweiser in meinen Augen.
  6. Die Charts der US-Börsen. Mit dem Fall heute hat sich der 200er Moving Average als Widerstand erwiesen. Die Abwärtsrichtung scheint vorgezeichnet. Ich bin nicht nur deshalb dieses Jahr bereit auch mit größeren Positionsgrößen shorts zu handeln. Der Bullenmarkt ist markt- bzw. charttechnisch erst einmal beendet. Vielleicht ist er nur unterbrochen, das wird sich erst in ein paar Wochen heraus stellen. Siehe Chart 4. Mich würde nicht wundern, wenn wir dieses Jahr auch mal den MA200 des Wochencharts erreichen.

Chart 1: Umlaufrendite (Quelle: onvista.de)

umlaufrendite

Chart2: 10-Jahre Renditen (Quelle: Stockcharts.com)

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Chart3: 30-Jahre Renditen (Quelle: Stockcharts.com)

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Chart 4: langfr. Verlauf des S&P500 auf Wochenbasis:

spx

 

Was ist positiv? Im Sinne der Findung von bullishen Fakten als Gegenpol für meine bärische Sichtweise fallen mir folgende Dinge ein:

  1. Die allgemeine Wirtschaftslage (China ausgenommen) erholt sich. Sowohl in den USA als auch in Europa. Zu messen beispielsweise am Automarkt, hier hat beispielsweise Frankreich stark zugelegt im letzten Jahr, USA ebenfalls. Ein wichtiges Zeichen sind auch die angezogenen Zinsen der US-Leitbank. Das tat sie in der Vergangenheit immer dann wenn die Wirtschaft auf dem Erfolgs- bzw. Erholungskurs war. So gingen mit ansteigenden Zinsen auch sehr oft steigende Aktienmärkte einher. Im Wellenreiter war im Dezember eine interessante Analyse zu lesen.
  2. Ölpreisverfall. Er ist zumindest positiv auf die Konjunktur, da die Menschen weniger Tankausgaben haben und damit mehr Geld für Konsum da ist. Allerdings bin ich mir nicht sicher wie die langfristigen Folgen für die Ölindustrienationen insgesamt sind, die bei Kursen unter 40$ bis auf die Saudis wohl so ziemlich alle mit dem Rücken an der Wand stehen dürften, weil aktuell der Ertrag geringer ist als die Kosten der Förderung. Im Focus findet sich ein guter Artikel dazu

 

Was bedeutet das alles für die kommenden Tradingentscheidungen? Eigentlich nichts. Allerdings ist das oben erwähnte auch keine völlige Zeitverschwendung, denn ich werde anders als im letzten Jahr völlig offen sein sowohl für bullishe als auch für bärische Signale. Anders als im letzten Jahr werde ich in schwachen Phasen diesmal auch wieder vorsichtig short Signale handeln. Mit Handbremse. An der Herangehensweise für longs ändert sich nichts.

Gutes Jahr euch allen!

Wikifolio 2015 Rückblick

Das Jahr geht zu Ende und wie immer hier im Blog will ich zurück blicken auf das Geschehene, auf die Aktionen – die richtigen und die falschen und ein kleines Lessons Learned durchführen. Natürlich nicht ohne einen Ausblick auf 2016.

Mein Wikifolio ist dieses Jahr einen nächsten Schritt nach vorne gekommen. Ich beende das Jahr am AllTimeHigh, während der DAX gute 14% von seinem Hoch vom April entfernt ist. Man könnte schlussfolgern alles wunderbar, es läuft! Doch die Wahrheit ist etwas komplexer, auch wenn ich den DAX dieses Jahr ganz knapp im Schlussspurt geschlagen habe.

Meine Fehler aus dem ersten Quartal diesen Jahres verhinderten eine außergewöhnliche Performance. Es war viiiiiieeel mehr drin dieses Jahr. Ich bin bei ca. 10-15% Jahresrendie –  es wären weit über 50% drin gewesen. Kurzum. Es wurden Fehler gemacht, es mussten Korrekturen vorgenommen werden und weitere müssen noch zusätzlich dazu kommen. Ich habe hier und hier schon über Maßnahmen berichtet, aber es muss nach Auswertung des Jahres nochmal leicht nachgeschliffen werden, dazu gleich mehr.

Natürlich. Viele, viele Dinge sind auch richtig gemacht worden. Wenn das Depot auf Höchststand steht, ist das zwangsläufig so. Es war beispielsweise absolut richtig im Sommer extrem zurückhaltend zu agieren, ich schrieb darüber bereits im Post in „Zurückhaltung zahlt sich aus„. Während der DAX von 12.390 in der Spitze auf 9.325 Punkte fast 25% korrigierte, konnte ich mein Depot sehr erfolgreich vor dem Fall schützen. Wohlgemerkt, obwohl ich überwiegend mit gehebelten ETFs agiere. Der 2x gehebelte ETF, den ich hauptsächlich handle, ist von 345 Punkten auf knapp über 190 gecrasht.

Ohne die Interaktionen zur Drawdown-Minimierung hätte ich mir bis zu -45% (!) eingehandelt. Oder anders ausgedrückt: Am Top gekauft hätte ich mein Depot halbiert. Statt damals 140 Punkten, hätte es einen Wert von 80. Real habe ich in dieser mehrmonatigen DAX-Korrekturphase aber nur dank der Eingriffe milde -15% einstecken müssen. Damit kann ich im großen und ganzen sehr zufrieden sein. Die Hauptaufgabe das Depot vor Risiken zu schützen und das Kapital zu erhalten wurde erfüllt. Es macht mich froh zu sehen, wie die Maßnahmen greifen und wie man Jahr für Jahr besser und stabiler wird. Hier ein Chart zum Vergleich der Depotperformance im Vergleich zum DAX (rote Linie).

2015_12m

Bild1, Quelle: boerse.de

In 2016 muss der nächste Schritt folgen

Mit den Jahren an der Börse stelle ich immer wieder und immer deutlicher fest: Es geht gar nicht in erster Linie um das Geldverdienen. Es geht um den Lernprozess des Tradings. Wenn der Lernprozess, d.h. Reflexion und Aktion stimmt – stimmt im Sinne von diszipliniert und kontinuierlich durchgeführt – ist das Geldverdienen eine logische Folge.

Eine wichtige Maßnahme aus 2014 war beispielsweise der Schritt zur Distanz. Es ist gar nicht wichtig ständig da zu sein wenn man mittelfristig orientiert handelt. Das ist als würde der Fußballspieler anstatt zu spielen ständig auf die Anzeigetafel schauen. Die kleinsten, unrelevantesten Zuckungen des Marktes können zu verfrühten Ausstiegen führen. Der Zug fuhr dann oft in der Vergangenheit ohne mich weiter und ein Wiederaufspringen mit vernünftigem Chance-Risiko ist dann oft nicht mehr möglich. Ab Q2 diesen Jahres konnte ich hier Maßnahmen in meinen Handel einbauen, die alle samt messbare Wirkung zeigten. Die durchschnittliche Haltedauer meiner Positionen stieg um über 200% trotz geringerem Drawdown. Gut war es auch in den saisonal schwachen Monaten auch nach Aktien Ausschau zu halten und die mit relativer Stärke mit ins Depot aufzunehmen. Es ist bemerkenswert wie stabil gute Aktien Marktrückgängen trotzen und förmlich explodieren wenn der Markt wieder nach oben dreht. Ein wichtiges Lessons Learned aus 2015. Ich werde wohl mein Leben lang bei dieser Strategie immer an meine GFT Aktie denken, die innerhalb von 3-4 Monaten mittlerweile fast 50% zugelegt hat seit ich sie in genau dieser schwachen saisonalen Phase gekauft habe, weil sie in dieser Phase einfach nicht fallen wollte. Dazu auch noch perfekt pyramidisiert, d.h. aufgestockt habe und einen Großteil des Anstiegs mit über 30% Depotanteil mitgemacht habe. Das war sicher einer der technisch besten Aktientrades der letzten 3 Jahre von mir.

Ich hake folgende Themen in meiner Entwicklung dieses Jahr ab

  • „Fokussierung auf Verlustminimierung“. Insgesamt einen großen weiteren Schritt voran gekommen. Alle zusätzlichen Maßnahmen haben gewirkt. Ich bin 2015 besser als 2014 und 2013 gewesen. Aber es ist eine Nachjustierung notwendig, da ich durch die starke Sommerkorrektur die Depotperformance negativ war.
  • „Cut the losses“. Erkennen von fehlerhaften Positionen sowie die sofortige Handlung, d.h. Schließung. Die zweit wichtigste Grundvoraussetzung für erfolgreiches Bestehen an der Börse.
  • „Positionsgrößenmanagement“. Wichtigstes Element in meinen Augen. Zu wissen wieviel Risiko eingegangen werden darf abhängig der Marktbedingungen, der psychologischen inneren Verfassung und der Auswirkung auf die Gesamtperformance im Depot. Oder anders: Im Nebel rase ich auch nicht mit über 200 auf der Bahn. Und schon gar nicht wenn ich Kopfschmerzen habe, keine Versicherung und das Auto neu und wichtig ist.

Am letzten Punkt „Positionsgrößenmanagement“ muss man meinen Erfahrungen nach kontinuierlich feilen. Warum? Weil sich der verwaltete Betrag ändert und dieser einen massiven Einfluss auf die Psyche ausübt. Bei einem Vermögen von sagen wir mal 100.000€ macht es einen großen psychologischen Unterschied ob ich 1.000€ oder 10.000€ risikiere. 100.000€, also den fiktiven Jahresverdienst werden nur wenige bereit sein ins Risiko zu nehmen. Ich merke gerade, dass dieser Punkt einen weiteren Blogeintrag verdient, weil er essentiell ist und wie ich finde extrem interessant ist… Dazu schreibe ich hier mal bei gegebener Zeit etwas.

2016 –

Ich werde für 2016 zwei Dinge ändern. Erstens, ich werde in den saisonal starken Monaten mich noch stärker auf bullishe Signale konzentrieren, d.h. ich werde jedes bullishe Signal kaufen und laufen lassen. Bei anstehenden Marktkorrekturen werde ich dagegen nicht mehr komplett aussteigen, sondern einen Restanteil behalten. Zweitens, ich werde in 2016 in der saisonal schwachen Phase auch shorts handeln. Hierzu habe ich über die Weihnachsphase ein Paar Backtests durchrechnen lassen und auf Basis dessen ein Konzept entwickelt.

Was Punkt 1 – den Handel der saisonal starken Phase betrifft, so muss ich nach dem verpassten Ritt des Bullen in Q1 2015 weiter an meiner größten Baustelle voran kommen, die Trades laufen zu lassen, ohne ein (zu) großes Drawdown zu riskieren. Das ist die meiner Meinung nach schwierigste Herausforderung im mittel- bzw. langfristigen Handel. Trendphasen mitzunehmen bedeutet nämlich auch Korrekturphasen mitzunehmen. Das schwierige dabei ist, dass ein Marktumschwung am Anfang stets aussieht wie eine kleine Korrektur und man das Risiko hat den richtigen Absprung zu verpassen. Das richtige Timing braucht daher Kompromisse. Größeren Trends müssen große Drawdowns zugestanden werden und hier kommt die persönliche Risikoneigung ins Spiel, denn nicht jeder verkraftet einen 30%igen Rückgang seiner Anlagen. Ich bin nicht nur deshalb der festen Meinung, dass der mittel- und langfristige Handel daher zu den schwierigsten Disziplinen an der Börse gehört. Viel schwieriger beispielsweise als Daytrading auf Minutenbasis, in der man sein Drawdown von vornherein kennt und limitiert.

Punkt zwei. Ich will in 2016 auch shorts handeln, weil es sich in 2015 gezeigt hat, dass man mit einer Strategie der Minimierung von long-Positionen in Martrückgangsphasen zwar die Auswirkungen auf das Depot erheblich reduzieren aber eben nicht beseitigen kann. Die Minus 15% in den 5 Sommermonaten diesen Jahren hätten auch +30 sein können mit dem Handel von short-Positionen. Dieses Jahr habe ich ganz bewusst keine shorts gehandelt, da es sich um einen klaren Bullenmarkt handelte. Nach genauerer Analyse aber stelle ich fest, dass es mit Einschränkungen Sinn macht – und zwar wenn man nach wenigen Tagen die Shorts wieder einstreicht. Mit dieser Strategie wäre meinen Backtets nach auch der super bullishe Sommermarkt in 2014 erfolgreich geritten worden.

Die Verbesserungen der Strategie sind also beschlossen und warten darauf umgesetzt zu werden. Kurz zusammengefasst: In der saisonal bullishen Phase werde ich jedes long-Signal kaufen, bei bärischen Signalen oder bei Stopps wieder verkaufen, allerdings einen Restanteil drin lassen. Ab der saisonal schwierigen Phase werde ich kurzfristiger handeln und auch short-Signale vorsichtig mitnehmen, hierbei allerdings nicht laufen lassen, sondern per Limit oder händisch nach wenigen Handelstagen wieder raus gehen. An der Maxime das Depot vor großen Drawdowns zu schützen ändert sich nichts.

Ich bin sehr zuversichtlich, dass auch diese Maßnahmen Wirkung zeigen werden, wenngleich es heißt, dass das Depot etwas offensiver gehandelt wird. Ich bin mit im Schnitt +10 bis +15% per Anno Performance seit Ausgabe bei 22% max. Drawdown und einer sharpe-ratio von lediglich 0,5 eher unzufrieden als zufrieden. Das muss besser gehen. Wenn ich mir aber das letzte halbe Jahr anschaue, kann ich immerhin sagen dass ich erhebliche Verbesserungen erzielen konnte:

2015_6m

Bild2, Quelle: boerse.de

Bis Mitte des Jahres ist mir der DAX performancemäßig um schlappe 25% (!) weg gelaufen (Bild1) was mich zu Maßnahmen zwang. Seit dem habe ich ihn nicht nur eingeholt sondern auch überholt und mit etwas Glück kann ich immerhin auch dieses Jahr für mich mit dem Prädikat „DAX geschlagen“ verbuchen.

Gutes 2016 Euch allen. Ich freue mich drauf!

 

Der Bär hat’s schwääär

Ein Bild sagt oft mehr als 1000 Worte, deshalb halte ich mich kurz.

Die Auswertung unten (Bildquelle: bloomberg.com) zeigt weshalb es nicht sinnvoll ist auf Korrekturen zu setzen. Sie zeigt auch, dass man durchaus Rückgänge bei Positionen auf Aktienindizes auch mal „aussitzen“ kann. Oder um es in Wahrscheinlichkeiten auszudrücken: Natürlich kann ich bei einem Bundelsigatippspiel jedes Mal gegen die Bayern tippen und mich auch als großer Experte fühlen wenn es mal geklappt hat, nur Tippspiele werde ich so nie gewinnen können.

Genug der Worte: Hier die Misserfolgswahrscheinlichkeiten von Long-Positionen auf Basis der Auswertung der letzten 90 Jahre Börsenhandel. In anderen Worten: Tippe im Zweifel immer auf Bullen.

longrisk