Ausblick auf den Dezember

Heute möchte ich mal meinen Schwung mal nutzen und ein nächstes Update zur aktuellen Marktlage mit euch teilen. Genauer gesagt möchte ich so transparent wie möglich die Situation meiner aktuellen Markt-Positionen darstellen sowie die Strategie für die kommenden Wochen.

Fangen wir mit dem Dax an. Hier hat sich in der letzten Woche aus charttechnischer Sicht etwas durchaus Wichtiges ereignet. Es gab einen Durchbruch der Diagonalen (gelb im Chart). Der Weg in Richtung 10.750 ist damit frei gelegt worden. Ich gehe davon aus, dass diese Marke noch im Dezember erreicht werden dürfte – natürlich falls nichts außergewöhnliches passiert.

dax

Ich habe auch meinen long-Einstieg vom 5.10. gekennzeichnet. Nicht nur weil er gut war und man es dann natürlich gerne einträgt. Nein, auch weil es wichtig ist für zukünftige Trades sich zu erinnern, dass es auch in Zukunft lohnt erneut den Mut aufzuweisen Long-Signale trotz monatelangem Down-Trend mutig umzusetzen. Auch, dass es richtig ist die Positionen in der saisonal starken Phase einfach laufen zu lassen. Auch wenn es massiv Widerstände im Chat gibt und auch die Stimmung im Markt lange noch negativ bleibt – denn die Stimmung hellt sich wie immer erst auf, wenn der Push-up schon fast vorbei ist.

Insofern bin ich dieses Jahr sehr zufrieden was den Handel des letzten saisonal starken Teils des Jahres betrifft. Die Hausaufgaben wurden erledigt und konnten auch umgesetzt werden. Nun ist die Situation wirklich sehr entspannt. Die zwei waagerechten Linien im Chart zeigen die starken Unterstützungslinien. Einschließlich der gelben Diagonalen bildet sich hier eine nette Kreuzunterstützung bei 10.700 Punkten. Bis dort hin können wir den DAX in den nächsten Wochen frei „atmen“ lassen bei der Jagd auf das alte Hoch vom April diesen Jahres. Ideal wäre, wenn wir das Hoch bis zum April des kommenden Jahres raus nehmen könnten.

Ich habe mir im Wikifolio durch die Reduzierung der GFT Position etwas Cash beschafft um bei einem Rückgang weitere 2x Long ETFs nachlegen zu können. Vermutlich werde ich mich diesmal auch mal  ETFs auf den S&P500 bedienen . Hierzu warte ich die erste negative Woche im Dezember ab. Dass sie kommt ist äußerst wahrscheinlich. Dass eine rote Dezemberwoche mit gutem Chance-Risiko-Verhältnis für eine Santa-Rallye kaufbar ist, zeigt der Blick auf die vergangenen Jahre:

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Natürlich muss man aufpassen. So gab es beispielsweise in 2010 keinen Rückgang, so dass man ich evlt. auch gar nicht in Positionen gekommen wäre. In 2014 zeigte sich auch ein untypisches Verhalten. Da wurde die starke Rallye direkt nach dem Weihnachtsfest innerhalb weniger Tage komplett (!) abverkauft. Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, denn ich blieb blöder Weise in meiner Position. Trotz Verkaufssignalen. Daraus habe ich gelernt. Die Santa-Rallye ist und bleibt ein tolles Fest für jeden Trader, doch wenn die Musik aus geht, heißt es die Party zu verlassen. Dieses Jahr werde ich jedenfalls nicht mehr der letzte sein, der das Licht ausmacht.

Also kurzum: Saisonal typisch wären starke 2-3 erste Handelstage im Dezember, dann eine Korrektur bis ca. 14. oder 15.12., dann die berühmte Santa-Rallye. Ich habe nun etwas Cash, um diese gehebelt mitzunehmen.

Noch 2 Worte zum S&P 500

Im S&P ist die Situation sehr viel bullisher. Trotz der eher langweiligen letzten Woche, in der wir nichts anderes als eine Konsolidierung sahen, scheinen alle Vorzeichen auf einen Ausbruch nach oben zu deuten. So endete die Korrekturbewegung Mitte November ziemlich genau am 61% Retracement. Die starke bullishe Reaktionsbewegung öffnet nun technische Ziele im Bereich von 2.180, was ein neues All-Time-High bedeuten würde.

Vorher gilt es allerdings noch einige harte charttechnische Hürden zu nehmen, beispielsweise die gelbe Abwärtsdiagonale oder der gesamte Bereich um 2.130, an dem der Index das gesamte Jahr über (!!) gescheitert ist. Vorsichtig werden muss man unterhalb von 2.050 Punkten.

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Viel Erfolg und gutes Gelingen in den nächsten Tagen und Wochen!

Zurückhaltung zahlt sich aus

Ich bin zufrieden. Die defensiv passive Strategie zahlt sich aus. Wahrscheinlich könnte ich aber auch sagen, dass man mit den Jahren an der Börse und den tausenden von gemachten Fehlern dann doch Stück für Stück besser wird. Ich habe im Oktober einen perfekten Einstieg erwischt, bewusst die Position laufen lassen und auch ganz bewusst alle Aktien behalten, die während der Korrektur im Sommer eine außergewöhnliche relative Stärke bewiesen haben, d.h. weitaus weniger korrigierten als der Markt.

Es kann für Aktien keinen besseren „Tell“ geben. Wenn Aktien bei einem schwachen Markt stark bleiben und kein Verkaufsdruck aufkommen will, dann steckt „value“, echter Wert dahinter und häufig sind es dann die Highflyer von morgen. Und so war es auch.

Wenn mich jemand fragen würde wie er am einfachsten gute Aktien finden könnte, dann würde ich ihn auf jeden Fall antworten, dass er sich vor allem anschauen soll wie sie sich verhalten oder verhalten haben wenn der Markt schwach war. Das ist eigentlich jeden Sommer der Fall. Gibt es Aktien, die in den Sommermonaten nicht nachgeben wollen, dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass bei Marktstärke diese Titel außerordentlich zulegen werden.

Das Gute an einem geteilten Portfolio, so wie ich es derzeit fahre ist dann auch dass die guten Aktien auch kurzfristige Rückgänge des Marktes abfangen, d.h. die Depotperformance glätten, weil sie stabil bleiben während der Markt leicht korrigiert. Das werde ich von nun an die kommenden Jahre genau so fahren.

Wie ist nun der Plan für die kommenden Wochen und Monate? Ganz einfach: Weiter auf den Händen sitzen und fleißig die Stopps nachziehen. Wir sind im Bullenmarkt und haben einen intakten Trend. Die Chancen für einen weiteren Anstieg sind viel größer als für einen Abstieg. Prognosen aufzustellen lohnt nicht, der Markt macht sowieso was er will und das Ziel muss nach wie vor sein, bei schlechten Tagen nichts zu tun (denn der Stopp weiß wie weit es zurück kommen darf) und darauf zu achten, dass man dabei ist wenn es große Plustage gibt. Wie heute oder wie gestern. Darauf kommt es an. Gutes Market Timing benötigt auch eine große Time in Market.

Ich habe auch in diesem Jahr Lehren gezogen aus meinem auch in diesem Sommer nicht zufriedenstellenden Handelsverlauf. Es gab zwar eine deutliche Verbesserung dieses Jahr im Vergleich zum letzten Sommer, dennoch habe ich in Performance eingebüßt und ab Juni bis Oktober alle 3 Monate negativ abgeschlossen. Die richtige Stellschraube lautet in diesen Monaten dann doch short-ETFs im Depot zu handeln und diese durchaus auch laufen zu lassen in den kritischen Monaten. Die Regel, die mir verbeitet im short-ETFs in Bullenmärkten zu handeln wird also verändert. In den 3 besagten Monaten darf ich es.

Auch wenn erst noch der Winter vor der Tür steht, ich kann die schwierigen Sommermonate kaum erwarten, denn da gibt es ein paar Dinge, die ich zu verbessern habe.

 

Kleines Update

Ich würde gerne – auch weil ich soo lange nichts mehr gepostet habe, wenigstens mal ein kleines Update loswerden wollen. Zunächst einmal ein Blick auf das große Bild:

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Wie man unschwer erkennen kann, ist das Börsenjahr 2015 nicht einfach. Zumindest verläuft es nicht so „trendy“ wie in den vergangenen 3 Jahren. Dann der große Rückgang im August und die wilden Nachwehen in den Wochen darauf, die allerdings normal sind. Ein Test des Lows bei 1870 war zu erwarten. Es war eine Frage der Zeit.

Meine Strategie im Wiki war, mich im Sommer raus zu halten. Das ging nicht ganz so gut aus wie erhofft, denn ich machte den Fehler die Zwischenrallyes long zu handeln. Einfacher wäre gewesen in dieser saisonal anfälligen Phase sich auf shorts zu konzentrieren. Wenn der Markt so wild ist wie im August und September, dann können falsche Entscheidungen innerhalb weniger Stunden eine Jahresperformance vernichten.

Bei meinen Aktionen im Sommer waren leider einige Fehlsignale dabei, die Performance kosteten. Der Verlust war trotz des Drawdowns mit mehreren Verlusttrades in Folge verkraftbar aber trotzdem schmerzvoll mit -15% seit All-Time-High im Juni.

Nun ist die saisonal schwierige Phase vorbei und ich bin nahezu perfekt in mittelfristig angedachte long-Positionen in den DAX geschlüpft. Mittlerweile 10% Buchgewinn auf den 2xETF. Komplettiert wird das aktuelle Depot von 4 Aktientiteln. GFT und Dassault laufen hervorragend, Mevis und Datagroup befinden sich noch im Tiefschlaf und bewegen sich nicht. Hier warte ich noch die kommenden Quartalsberichte ab. Sollten diese enttäuschen werde ich beide Titel verkaufen und in bessere Werte umschichten. Ich glaube an beide Firmen. Sie wachsen rasant und haben für das Jahr 2016 volle Auftragsbücher. Das sind meiner Einschätzung nach Verdopplerkandidaten auf Sicht von 2-3 Jahren, der Markt muss es allerdings auch genau so bewerten, was derzeit nicht der Fall ist. Abwarten, geduldig bleiben heißt es.

Ich hoffe, dass ich bis April 2016 nicht an der aktuellen Depotzusammensetzung im Wiki ändern muss. Ich bin aktuell aufgrund des guten Zeitpunktes zum Einstieg in einer sehr komfortablen Lage nur noch die Stopps verwalten zu müssen. Der Anstieg hat nach klassischen Intermarket-Gesichtpspunkten her alle Merkmale einer großen Rallye, die vielleicht gerade erst in den Anfangsschuhen steckt. Technisch betrachtet gleicht er dem Breakout Anfang 2013 oder Mitte 2011. Ich gehe Stand heute von neuen All-Time-Highs bis April 2016 aus. Sowohl im DAX als auch im SPX.

Habt eine entspannte Zeit da draußen. Mein Ziel ist diese saisonal super Phase mit möglichst viel Zeit im Markt, d.h. vollinvestiert zu verbringen. Wenig rein- und raus. Weite Stopps setzen um die großen Plustage mitzunehmen.

Viel Erfolg!

 

Der Plan B – TradingKnowHow

Erstaunlich. Immer wenn die Kurse runter rauschen, steigen die Zugriffszahlen auf meinen Blog. Mich würde wirklich mal interessieren wie deutlich sich das bei den größeren deutschen Börsenforen verhält.

Ich möchte es gar nicht abwertend kommentiern, im Gegenteil. Viele Leute wurden bei einem starken Rückgang „auf dem falschen Fuß erwischt“ und ich hoffe, dass der folgende Beitrag für jemanden der erwischt wurde, einen Mehrwert generiert.

Es lohnt sich wirklich mal kurz über den genannten Satz nachzudenken. „Ich wurde mit meinem Investment auf dem falschen Fuß erwischt.“ Wie kann das sein? Wie konnte es soweit kommen, dass ich überhaupt auf dem falschen Fuß erwischt werden konnte?“ Meine Erfahrungen dazu:

Ich würde sagen 9 von 10 Anlegern (reines Bauchgefühl) kaufen aufgrund von Überzeugungen. Teils wurden „heiße Tipps“ gekauft, teils konservativ Dividendenaktien, teils Überzeugungen von neuen Trends, z.B. 3D-Technik-Aktien, Elektroautoaktien usw. Oder es fanden „Investments“ statt als echte Wetten. Aktuell beispielsweise lese ich immer wieder über Öl-Wetten. Öl ist schon soweit gefallen, weiter geht es ja nicht mehr. Und man kauft ohne sich der Tatsache wirklich bewusst zu sein ins fallende Messer. Weil man gehört hat es wäre klug nicht mit der Masse zu schwimmen.

Der Durchschnittsanleger bildet sich eine Meinung, ein Plan A, z.B. „Öl muss jetzt steigen“, und kauft daraufhin Öltitel. Jetzt sinkt Öl aber weiter und auch die Aktienmärkte und wenn das massiv passiert, wie letzte Woche, merken dann viele: „Hoppla, ich hatte nur einen Plan A.“ Es gibt auch sicherliche so einige, die nicht einmal zu dieser einfachen Feststellung kommen, weil sie nicht in der Lage sind zu refletieren. Und dann werden Gründe gesucht. Z.B. in Foren. Oder in Blogs. Oder es werden gleich andere verteufelt.

Aus psychologischen Gründen müssen die Menschen als erstes die Ursachen des Abstiegs verstehen. Die Suche des Schuldigen beginnt. „Warum ist es letzte Woche gefallen?“.

Ich frage zurück: Braucht ihr diese Begründung wirklich? Wie hilft sie weiter? Aktuell wird China als „Ursache“ angeführt. Jetzt versteht der Durchschnittsanleger, ok gut, China hat den Fall letzte Woche ausgelöst. Die eigenen Aktien sind aber immer noch 30% rot im Depot. Also Frage ich zurück: Was hilft es die Ursache für den Rückgang zu kennen? Was bedeutet das für die Entwicklung des Depots für morgen, übermorgen, nächste Woche, nächsten Monat und nächstes Jahr?

Statt der Frage nachzugehen wodurch ein Ereignis hervorgebracht wurde, macht es mehr Sinn sich zu fragen was sich stattdessen hätte ereignen können. Der Drang zu kausalen Denken macht uns anfällig für die richtige Beurteilung von Zufallsereignissen und nichts anderes fand letzte Woche statt. Heute Nacht hat die chinesische Zentralbank den Leitzins gesenkt. Der Dax reagiert mit +4 (!) Prozent. Auch das ist ein Zufallsereignis.

Merke: An der Börse werden keine Gründe gehandelt sondern Preise. Nur der Preis zählt und nichts anderes. Die Suche nach Ursachen ist unendlich und hilft überhaupt nicht weiter! Kümmere dich um den Preis, nicht um die Ursache des Preises.

Manch ein Hobbybörsianer ohne Konzept und ohne Plan B wird jetzt wahrscheinlich wie verrückt nachkaufen. Es heißt ja, dass es Sinn macht in Rücksetzer zu kaufen. Ja, das macht es sehr oft. Aber was wenn diesmal nicht? Was in den nächsten Wochen geschehen wird, sind wieder Zufallsereignisse. Alle mit gewissen Wahrscheinlichkeiten behaftet, aber unterm Strich Zufälle. Daher lohnt es sich zurück zu treten und sich zu fragen: „Was mache ich wenn es anders kommt? Wann ist meine Handelsidee dahin? Wie viel darf mich das kosten?“

Aus meiner Erfahrungskiste will ich folgendes zu bedenken geben:

Wer die kausale Schiene fährt und meint die Welt wäre mit Chinas Leitzinssenkung gut, alle Ursachen für den Rückgang (lol!) wären beseitigt, schaue sich bitte mal an wann in jüngerer Vergangenheit Leitzinsen gesenkt wurden und erinnere sich wie sich die Aktienmäkte in den 2-3 Jahren darauf entwickelen. 2000 und 2007 fanden das letzte mal solche Aktionen statt, siehe Chart (Quelle: finanzen.net)

leitzins

Ich finde es auch höchst bemerkenswert, dass plötzlich alle über einen Crash sprechen. Die Aktienmärkte haben gerade mal 10 Prozent korrigiet. Das ist kein Crash sondern völlig normal. Es ist aber scheinbar so, dass sich jeder an ständig steigende Kurse gewöhnt hat und nun überrascht, weil ohne Plan B, da steht.

Wenn ich eine Weisheit über den Wertpapierhandel nennen dürfte, dann wäre es diese hier:

THERE IS NO FREE LUNCH!

Für den Erfolg braucht ein klares Tradingkonzept, einen Plan oder wie auch immer man es nennen will, welcher diese Zufallsereignisse berücksichtigt und klare Anweisungen generiert. Wenn sich jemand ertappt fühlt und merkt, dass er auf diesen normalen Rückschlag nicht vorbereitet war, dem kann ich nur empfehlen genau jetzt die Hausaufgaben fürs nächste Mal zu erledigen und nochmal genau hinterfragen wie das Gesamtkonzept des Tradings, welches u.a. dem Anspruch der Reproduzierbarkeit genügen muss, aussieht.

Viele Zocker lachen oft über strategische Langzeitanleger, die sich mit 5-30% Rendite per anno zufrieden geben. In Wahrheit sind diese den Zockern allerdings weit voraus. Wer beispielsweise den DAX immer am gleichen Tag eines jeden Jahres kauft und zwar völlig unabhängig wie die Kurse gerade stehen, ist dem Zocker, der Tipps hinterher jagt (am besten noch mit KO-Zertifikaten) und keinen Plan B hat, um Welten vorraus. Einfach weil er unabhängig von Emotionen agiert. Ein Waren Buffett tut dies übrigens ebenso unabhäng. Der Zocker hat nach solchen schnellen Rückgängen ein blaues Auge mit -30% im Depot und in der hochvolatilen Findungsphase, die uns jetzt bevor steht, verzockt er weitere 50% des Depots und wendet sich i.d.R. dann ab.

Wie schon gesagt, genau diese Marktphasen sind für die persönliche Entwicklung der Skills unendlich wichtig. Skill Nr. 1, Nr. 2 und Nr. 3 lautet: Schütze dein Depot!

Wie geht es weiter? Mein Marktkommentar

Aktuell haben wir einen Rückgang, der ähnliche Strukturen aufweist wie der aus 2011. Bedeutet, dass, wie schon erwähnt, nun eine Findungsphase beginnt. Sie zeichnet sich mit extremer Volatiltät aus. Nach oben und nach unten, siehe VIX in 2011:

vix_2011

In 2011 habe ich den Fehler gemacht, dass ich die zwei Monate nach dem starken Rückgang meine Positionsgrößen nicht reduziert habe. Ein großer Fehler, der viel Lehrgeld kostete. Daher: Hinweis Nr.1: Positionsgrößen überprüfen auf neue Schwankungsbreite der Märkte. Wenn’s nebelig ist auf der Autobahn fahre ich auch nicht 250.

Hinweis 2: Es ist möglich, dass alles vorbei ist und die Kurse wieder nach der Findungsphase anfangen zu steigen. Es ist aber auch möglich, dass es noch weiter runter geht. Es gehört ein Plan A und ein Plan B in den Werkzeugkoffer einschließlich der passenden Antworten. (Was mache ich wenn..)

Hinweis 3: Ein echter Boden wird sehr oft getestet. Bisher steht der Markt auf nur einem Bein, das zweite dürfte nochmal ausgebildet werden. Vorzugsweise am 50% Retracement könnte ein erneuter Angriff auf das Low starten.

Hinweis 4: Mir hilft es zurück zu treten und in aller Ruhe zuzusehen, wie der Markt anfängt neue Setups auszubilden. Derzeit weiß ich nur: Der langfristige Trend ist gebrochen. Hier ist keine Eile geboten. Die Charts müssen „heilen“ und dazu braucht es Zeit. Mein Bauchgefühl sagt: Bis mindestens Oktober.

Hinweis 5: Die Kurse sind unterhalb MA 200. Dies ist kein Bullenmarkt mehr. Dies ist ein Markt für Value Investoren und Kurzfrist-Trader.

Hinweis 6: Die nächste fundamental wichtige Entscheidung ist die der amerikanischen Notenbank. Bis dahin werden die Märkte sehr wahrscheinlich volatil bleiben.

Hinweis 7: Mir gibt es zu denken wenn die Politik die Börse thematisiert. Bundeskanzlerin Merkel hat am Sonntag die Aktienmarktentwicklung kommentiert. Das ist kein gutes Zeichen – sagt mein Bauch. Die chinesische Regierung versucht es mit Mindeshaltefristen. Solche Geschichten gehen zu 100% nach hinten los. Jeglicher Verusch den Markt zu beeinflussen rächt sich. Beispiele gibt es dazu geüngend. Kürzlich die Schweizer, die den Franken stützen wollten. Dagegen zu wetten ist und bleibt sehr lukrativ mit ein weing Sitzfleisch.

Hinweis 8: Niemals vergessen: Wenn der DAX 10% einbricht, dann nicht weil es mehr Verkäufer als Käufer gibt. Zu jedem Kurs gibt ein Käufer-/Verkäufer-Pärchen. Es heißt nur, dass viele bereit waren bei niedrigen Kursen ein Tauschgeschäft der Wertpapiere einzugehen. Das hat nix damit zu tun, dasss „alle raus wollen aus Aktien“. Für jede verkaufte Aktie gibt es einen Käufer, für jede gekaufte einen Verkäufer.

Hinweis 9: Mir hilft: Kühlen Kopf bewahren, Abstand nehmen. Keine emotinalen Investments vornehmen. Charts heilen wieder, sie brauchen Zeit dazu. Klare Möglichkeiten kommen mit der Zeit. Kasino braucht niemand vorm Rechner – das geht eleganter mit Frack, Zylinder und Fliege.

 

In diesem Sinne!

Lukas

 

Alle Ampeln auf rot

Der Bär ist da. Und das ist gut so. Das ist deshalb gut, weil mal die überschüssige Luft aus den Märkten gelassen wird. Weil es wieder Lektionen an alle Glücksritter zu verteilen gibt. Und weil wir darauf vorbereitet waren.

Der DAX hat in der letzten Woche mehr als-10% verloren und damit die gesamten noch vorhandenen Jahresgewinne hergegeben. Es war die schwächste Wochenperformance seit über 4 Jahren! 500 Punkte fehlen noch, dann wäre auch 2014 egalisiert. Das wird viele konzeptlose Anleger wieder nervös werden lassen. Ich bin sicher, dass viele bereits schwitzen. Spätestens wenn der Marktrückgang stärker in der Presse thematisiert wird, wird aus Schweiß echte Angst.

Einige Dinge bleiben aber: Nein, die Welt geht nicht unter. Nein, es gibt keinen Crash – es wäre sehr dumm auf ein solch unwahrscheinliches Ereignis zu wetten. Aber es ist eine große Korrektur angebrochen und es gilt Entscheidungen zu treffen. Vor allem aber gilt da zu sein wenn die Märkte wieder zu Käufen einladen. Denn so eine Baisse hat einen reinigenden Charakter. Sie macht die Aktien wieder günstig und attraktiv und sie bietet wieder Nährboden für schöne, lange Trendphasen.

Doch soweit ist es noch nicht – vielleicht noch lange nicht, das weiß niemand. Die Märkte haben in der letzten Woche aus markttechnischer Sicht zunächst einmal eine klare Bestätigung einer beginnenden Baisse gezeichnet. Ich habe insgesamt 3 einfache Indikatoren dafür (weiter unten). Alle 4 sind auf rot gesprungen.

  1. EMA 13/34 weekly
ema13_34
Der Klassiker: Moving Average 50 und 200, die nächste Woche kreuzen werden
ma50_200
Bollinger Bänder in der Monatsauswertung
bollinger_monthly
Last, not least der NYAD Linie (basiert natürlich auf den US Daten, nicht auf den Deutschen Aktienmärkten):
nyad_cumulative

Es tut sich Großes! Bedenkt man den aktuellen Stand des sg. „Shiller P/E“, siehe mein Jahresausblick auf 2015, könnte aktuell ein neuer Bärenmarkt gestartet sein, der die historisch zweithöchste jemals gemessene  Aktienmarktbewertung auf ein niedrigeres, „normaleres“ Niveau bringt. Ich halte es aufgrund dieser Sachlage für nicht unwahrscheinlich, dass es in den kommenden Monaten nochmal deutlich tiefer geht. Wird sich alles zeigen müssen…

Ihr wisst, ich betreibe Market-Timing. Mit den Jahren habe ich gelernt worauf es dabei ankommt, denn Market-Timing ist einer langfristigen Buy-and-Hold Strategie in 4 von 5 Fällen unterlegen. Das zeigen auch die Performances der Fondsmanager. Tradinggebühren, Steuern und Handelsfehler müssen nun mal erst einmal egalisiert werden. Handelskosten hat eine einfache Strategie, die beispielsweise immer zum selben Datum den DAX kauft (z.B. 1x jährlich) nicht. Über die Jahre stellt sich dann ein jährliches Wachstum von ca. 7-8% ein, ohne dass man was dafür etwas tun muss. Wäre da nicht das Problem des Drawdowns und der eigenen Psyche. Denn eine Strategie, die wie oben beschrieben jährlich den DAX oder den S&P kauft, durchläuft auch Bärenmärkte und dann ist ein Depot auch plötzlich mal in einem Jahr nur noch die Hälfte wert und das wird für viele, die sich über die langfristige Auslegung nicht im Klaren sind, schnell zum Problem.

Meine Auffassung von Market-Timing ist, dass man v.a. die extrem kritischen Marktphasen, die Bärenmärkte bereits in der Entstehung erkennt und folgerichtig in der Lage ist „seine Sachen zu packen“ und Cash oder short zu gehen. Ich bin aufgrund der oben beschriebenen Indikationen der festen Überzeugung, dass wir am Anfang einer solchen Phase stehen könnten. Deshalb packe ich meine Sachen zusammen und schaue erst einmal zu, ob sich die Schwäche in den nächsten 1-2 Monaten so bestätigen wird. Worauf schaue ich da? Ganz einfach, den Moving Average 200. Wird die kommende Erholung am MA200 gestoppt und dreht wieder nach unten, dann halte ich einen neuen Bärenmarkt für bestätigt. Dann werde ich in 9 von 10 Fällen shorts handeln.

Für mein Wiki weiß ich, dass es richtig war defensiv zu agieren. Ich ärgere mich wie verrückt zu geizig gewesen zu sein für shorts – ich wollte am MA50 erst short rein, aber es drehte vorher. Aber ich habe mein Depot geschützt, zwar keine Rendite einfahren können mit dieser Bewegung, aber ich bin in Cash und kann den Dingen gelassen zu sehen.

Saisonal könnte es noch bis Ende Oktober weiter so hochvolatil zugehen wie bisher. Auch in der kommenden Woche dürfte es wieder kräftige Bewegungen im Bereich von 2% geben. Sowohl nach oben als auch nach unten. Das ist normal nach solchen Einbrüchen. Besonders im Intraday-Bereich muss die Positionsgröße darauf abgestimmt sein.

Viel Erfolg!

Wendephase.

Noch vorgestern schrieb ich, dass jetzt die besonders kritische Phase ansteht, in der es gilt die Defensive zu stärken. 2 Tage später mit einem DAX Stand, der über 5% seit dem eingebüßt hat, heißt es den Ausgang zu nehmen und das Risiko rauszunehmen. Ich habe heute die Longs auf DAX sowie die KUKA Aktie mit kleinen Verlusten geschlossen. Das Investitionsvolumen im Wiki ist damit auf knapp 30% geschrumpft. Die 3 anderen Aktien konnten drin bleiben, da sie noch von ihren Stopps entfernt sind.

Vielleicht ist gestern und heute eine größere Abwärtsbewegung gestartet. Hier zwei Charts vom DAX und S&P500 mit den letzten beiden Bullen-Unterstützungen. Wenn diese fallen, gehe ich 100% short

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Aktuell, d.h. nach über 5% in 2 Tagen und einem DAX genau an der Unsterstützung von 11.000 Punkten will ich keine shorts zulegen, hierzu muss erst einmal eine mögliche Gegenbewegung abgewartet werden. Ein mögliches Szenario wäre beispielsweise, dass der DAX wieder zurück zum MA 50 läuft (blaue Linie im Chart). Dort wird sich zeigen, ob die Bären vorn liegen. Dort sehe ich jedenfalls eine bessere Möglichkeit in short-Postionen zu springen. Hierzu muss es aber weitere Schwächesignale geben.

Untermauert wird das bärische Szenario von einer Fundamental-Nachricht aus China. Dort hat die Regierung den Yuan um weitere 1,6% abgewertet. Wenn man so will wird hier also möglicher Weise eine Konjunkturabschwächung in China gespielt. Es zeigt auch. Wahrscheinlich wird es zukünftig nicht mehr reichen nur die Wirtschaftsdaten der USA zu bewerten sondern auch der Chinesen, denn sie haben was die Wirtschaftskraft betrifft mittlerweile die Nase vorn. Eine Abschwächung des Konjunktur in China hat weltwirtschaftliche Folgen.

Möglicher Weise erleben wir gerade den Start einer großen Korrektur der Aktienmärkte. Das „Gezappel“ im S&P seit Februar würde dann perfekt in ein Gesamtbild einer großen Top-Formation passen. Spannend, auch für den weiteren Verlauf des Wiki-Depots, in dem es nun gilt mit den Qualitäten der Verteidigung zu überzeugen. Eine mögliche 10-20% Korrektur am DAX würde ohne Eingriffe eine 20-40% Korrektur im Depot bedeuten. Derzeit, mit 131 von 145 bin ich mit rund 10% drawdown nicht unzufrieden. Wie schon gesagt, wir haben hier eine Marktphase, die keine großen Sprünge nach oben zulässt. In diesem Markt muss man verteidigen und nicht angreifen.

 

 

 

August-September Oktober – Play Great Defense

Play Great Defense! Ich kann es gar nicht oft genug wiederholen wie wichtig dieser Leitspruch fürs Trading ist. Auch im Sport hört man oft: Die Offensive gewinnt Spiele, die Defensive gewinnt die Meisterschaften. Dies lässt sich uneingeschränkt fürs Trading übernehmen. Wer zu offensiv agiert, der landet vielleicht einige gute Erfolge, doch geht es mal schief, wird gleich das gesamte Depot bedroht. Insbesondere bei der Positionsgröße und dem Invest gilt es aufzupassen. Die meiner Meinung nach wichtigste Schlüsselgröße ist hierbei die Positionsgröße, bzw. das eingegangene Gesamtrisiko mit der Position. Eine zu große Position ist immer ein Anzeichen dafür, dass man zu schnell reich werden will. Dass man bei der Investitionsentscheidung eigentlich nur den möglichen Gewinn im Kopf hat und dabei vergisst andere Szenarien durchzuspielen und durchzudenken. Wenn dann noch der Markt „tricky“ wird wie aktuell, ist das Depot schneller vor die Wand gefahren als man schauen kann.

Letztes Wochenende bin ich diesbezüglich, d.h. der Frage nachgegangen wann das Thema Defensive besonders wichtig ist. Ich habe versucht herauszufinden wann eigentlich schwierige Marktbedingungen vorherrschen, also wann man der „Play Great Defense“ Regel eine extrem große Aufmerksamkeit widmen muss. Denn ich gebe zu, hin und wieder macht die Offensive auch sehr viel Spaß und immer nur Defense, das will man irgendwie auch nicht. Um es vorweg zu nehmen. Man muss wie zu erwarten war, konstant Defense spielen. Man kann aber durchaus die Offence stärken. Nur eben nicht im Sommer.

Meine Vermutung, dass die meisten größeren Korrekturen, vor allem im Sommer statt finden, wurde bestätigt. Am sichtbarsten wird es, wenn man sich den $NYLOW anschaut. Dieser Chart gibt die Anzahl der Aktien, die an der New York Stock Exchange gelistet sind wider, die ein neues 52-Wochen-Tief generieren:

nylow

Quelle: stockcharts.com

Es ist wie ich finde sehr auffällig, dass sehr viele 52-Wochen-Lows (hier ab dem Jahr 99 abgebildet) gleich nach dem April generiert werden, viele im Oktober und Teils im November. Auch der Juli ist auffällig.

Aktuell ist August. Der Oktober und November stehen noch bevor, da gilt es besonders aufzupassen. Ganz anders sieht es im ersten Quartal eines jeden Jahres aus. Nur in Bärenmärkten werden auch da Lows generiert (2008, 2009, 2000, 2001, 2003). In Bullenmärkten kann ich in diesen Zeiträumen aber auch meine Offence walten lassen (natürlich ohne die Defence zu stark zu vernachlässigen..!)

Insgesamt, das zeigt dieser Chart auch, können die Peaks im NYLOW auch natürlich ein guter Indikator für einen nachhalten Aktienmarkt-Boden sein. Aktuell z.B. könnte das der Fall sein, zumal der S&P gerade an seiner 200-Linie angekommen ist:

spx_setup

In der Vergangenheit war an diesen Stellen ein gutes bullishes Setup zu finden mit einem sehr guten Risk-Reward.

Das heißt für mich, dass sich hier Käufe durchaus Sinn ergeben, dass aber gleichzeitig bei weiteren Kursverlusten bedingungslos die Reißleine zu ziehen ist, denn sollte der 200-Tage Moving-Average auf Tagesschlussbasis fallen, könnte die Ausgangstür für viele Marktteilnehmer sehr eng werden. Aktuell schreibe ich dem bullishen Szenario eine größere Wahrscheinlichkeit zu, denn die Presselandschaft ist relativ ruhig. Sobald das Thema Griechenland oder China wieder Fahrt aufnimmt, bin ich extremst vorsichtig. Zwischen Bulle und Bär entscheidet wie so oft der MA 200.

Viel Beachtung wird sicherlich in den nächsten Tagen der „Death-Cross“ im Dow Jones finden. (50er Moving Average schneidet von oben den 200er)

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Sollte die Presse dieses Ereignis aufgreifen, wäre auch hier Potential für eine Wende der Marktstimmung. Ich gebe allerdings zu bedenken. Die Backtests dieses Signals sind überwiegend bullish!

Gute Woche!

Trading in einer Range

Zunächst einmal ein Blick auf die letzten 2 Wochen, denn es ging wieder auf und ab. Zischenzeitlich ist das Depot dem All-Time-High wieder nahe gekommen, doch nach dem Kurssturz der Märkte Ende der vorletzten und Anfang letzter Woche (Thema: China), habe ich sämtliche Buchgewinne wieder abgegeben und wurde mit meinem ETF auf den DAX ausgestoppt und konnte dadurch wieder nur einen kleinen Gewinn daraus mitnehmen. Aber immerhin. Gewinn wohlgemerkt.

Die Frage ist nun: Wäre es richtig gewesen die Buchgewinne mitzunehmen Mitte letzter Woche?

Rückblickend betrachtet lautet die Antwort: „Mit Sicherheit ja!“. Im Augenblick des Handels letzter Woche allerdings meine ich, dass ich als Trader fast alles richtig gemacht habe und eigentlich recht zufrieden sein kann mit den Trades, d.h. dass ich alle Regeln eingehalten habe. Damit sind es gute Trades.

Ich erkläre auch gerne auch warum bzw. warum ich mich letzte Woche Donnerstag entschlossen habe NICHT im Gewinn zu schließen, sondern die Gewinner laufen zu lassen. Kurzum, um es auf den Punkt zu bringen: Die Trades waren alle soweit im Gewinn, dass die Möglichkeit bestand die Stopp-Loss Marken auf Einstandskurs bzw. darüber setzen zu können. Alle Trades waren also soweit abgesichert, dass sie dem Depot keine Schaden anrichten konnten (abgesehen von möglichen Gap-Down Eröffnungen, die ein Slippage zur Folge haben). Klar hätte ich die Positionen bei den ersten Anzeichen von Schwäche (sie waren wie gesagt da..!) aber!

Welchen Grund habe ich als Trader meine Gewinner zu schließen und damit zu schneiden? Keinen. Eigentlich. Wäre da nicht die Saison. Wie viele von Euch wissen, bin ich enger Verfechter des saisonalen Tradings. In den Monaten November bis April entstehen oft die großen Trends, in den Monaten Mai bis Oktober oftmals Korrekturen, bzw. „Trading-Ranges“, d.h. eher ein „Gezappel“. Es ist daher oftmals nicht klug in diesen Monaten auf einen Trendausbruch zu setzen, was ich tat.

Das Problem ist, dass sich der Markt, besser gesagt das Marktverhalten jährlich ändert. In diesem Jahr, das zeigt auch der Chart unten war es die richtige Wahl nur kurze, d.h. 2-5 Tage andauernde Swings mitzunehmen und zu schließen. Im Grunde hat sich der S&P nicht bewegt in den letzten 6 Monaten.

spx

Das Blöde ist auch: Nur weil es richtig war in den letzten 6 Monaten ständig mitzunehmen, muss es noch lange nicht heißen, dass die nächsten 6 Monate genau so ablaufen werden.

Sehr ermüdend. Zum Teil auch frustrierend, vor allem wenn man wie ich Anfang des Jahres den Fehler gemacht hat die Rallye in Q1 vorzeitig zu schließen.Sie lief weitestgehend ohne mich. Mein Wikifolio wäre +40% (!) höher heute. Das tut weh, das soll auch nicht nochmal passieren. Diesen Fehler zu vermeiden ist von da an klar mein Fokus. Aber ich werde wohl noch den ein oder anderen Backtest durchführen müssen, weil ich das Gefühl habe, dass es besser ist im Sommer bei neuen Hochs Gewinne mitzunehmen.

Was bei mir allerdings hängen geblieben ist, war 2013, wer dort im Sommer bei neuen Hochs seine Gewinne mitnahm, hat einen Großteil der Rallye verpasst.

 

2013

Fazit.

Wichtig ist meiner Ansicht nach vor allem eins: Wenn man ein bewährtes System hat, welches ausreichend „backgetestet“ wurde und positive Ergebnisse aufweist, ist es ohne Wenn und Aber zu befolgen. Es wäre sicherlich ein großer Fehler dieses über Board zu werfen, nur weil es gerade keine großen Erträge abwirft.

Meine Tradingprinzipien sind. Signal kaufen, Stopp so schnell es geht nachziehen, und LAUFEN LASSEN. Nur die großen Gewinner führen auch zu großen Sprüngen. Es gilt die Verlierer zu schneiden und die Gewinner laufen zu lassen.

Gute Woche!

Über Prognosen

Vermutlich werden die meisten von Euch hier reinschauen, weil eine zweite (oder dritte) Meinung zum Aktienmarkt gesucht wird. Vielleicht sogar eine erste. Ich finde man muss damit sehr vorsichtig sein. Ich habe es hier die letzten Monate immer öfter angesprochen, dass die Meinung, die man sich bildet – völlig unabhängig auf welcher Basis sie zu stande kam und wie das Ergebnis aussieht – für die Zukunft in aller Regel kontraproduktiv ist. Erst Recht wenn man sich eine Meinung über die Zukunft bildet. ;-)

Das Problem, mit dem man von da an konfrontiert ist nennt sich „Priming“, d.h. Voreingenommenheit.

Dinge, die von da an passieren, werden von unseren Hirnen nicht mehr rational verarbeitet. Warnsignale werden möglicherweise übersehen wenn man bullish ist, im umgekehrten Fall werden Kaufsignale missachtet. Das Ego kommt in Spiel als enorme Störgröße mit dazu. Grundsätzlich nimmt man dann Dinge, die nicht zur Meinung passen entweder gar nicht mehr wahr oder stellt sie in Frage oder missachtet sie gar bewusst, weil sie das Ego verletzen.

Marktprognosen im klassischen Sinne aufzustellen ist daher der erste Schritt zum schlechten Trading. Das gilt sowohl für den Handel von Aktien als auch von Märkten und wohlmöglich von allen anderen Dingen auch.

Sorry, dass ich Euch enttäuschen muss. Ich habe hier jahrelang nichts anderes gemacht als Marktprognosen aufzustellen. Unglücklicherweise waren einige davon auch noch sehr zutreffend, andere wieder nicht. Die zutreffenden bleiben natürlich hängen ;-) Und so bleibt natürlich auch das Gefühl hängen, dass man unbedingt Prognosen aufstellen muss um überhaupt erfolgreich sein zu können.

Es lohnt daher vielleicht den Begriff Prognose zu definieren, schließlich ist mit jeder Aktion, die wir vornehmen ja eine Grundlage der Entscheidung vorliegend und wir möchten – und ich behaupte auch mal wir MÜSSEN – die Gedanken, die wir bei den Entscheidungen, die wir am Aktienmarkt treffen, dokumentieren. Einfach als wichtige Vorraussetzung für eine spätere Fehleranalyse, ein lessons-learned.

Ich möchte den Begriff Prognose klar genug ein- bzw. abgrenzen. Sonst müsste ich ja den Blog hier dicht machen, wie gesagt.

Die „Prognosen“, die ich hier aufstelle und niederschreibe sind nichts anderes als die Dokumentation der Ursachen meiner Handelsentscheidungen. Meine Signale. Zu jeder „Prognose“ gehört von daher auch der Punkt ab wann sie falsch ist – idealer Weise gleichzusetzen mit dem Stop-Loss. Nicht nur das. Auch das eingesetzte Geld, das dann verloren ist, gehört zur Prognose. Darüber werde ich mich allerdings hier wie gewohnt nie äußern.

Meine Marktprognose ist die Beschreibung eines Handelsignals mit dem Vorteil einer unlimitierten Geweinnmöglichkeit sowie dem Vorteil einer limitierten Schadensauswirkung für den Fall dass es falsch ist.

Auch der Begriff „Trading“ war für mich vor einigen Jahren anders definiert. Mit einigen Tausend Euro Lehrgeld würde ich diesen gern wie folgt definieren:

Beim Trading geht es darum ein exakt definiertes und begrenztes Risiko auf eine Wette einzgehen, von der man zwar den Ausgang nicht kennt dafür aber die Eintrittswahrscheinlichkeit. Der Vorteil des Tradens ist dann gegeben wenn nur „die guten Karten“ gespielt werden und die Auswirkungen des Verlierens eng limitiert sind.

Streng genommen sollten diese 5 Dinge beachtet werden und zwar genau in dieser Reihenfolge:

1. Es braucht einen durchdachten, durchgespielten und VERINNERLICHTEN Plan für das Risiko, welches man eingehen will und mit den anderen Positionen bereits eingegangen ist. Ein Trade darf niemals negativ überraschen. Die Folgen müssen limitiert werden. Und zwar im Vorfeld. Bevor eine Position eingenommen werden kann, muss das Risiko errechnet worden sein.

2. Es braucht einen Plan B wenn sich die Idee für den Trade nicht entwickeln will. Flexibilität im Kopf ist notwendig, damit man sich selbst nicht im Weg steht wenn es darum geht Aktionen ggf. unter mentalen Stress durzuführen. Der Punkt, an dem man widerlegt wird muss 1. vorher bestimmt sein 2. darf nicht mehr in Frage gestellt werden und 3. muss von der finanziellen Tragweite her klar limitiert sein und zwar so exakt, dass der Zustand niemals überraschen kann.

3. Das Risiko, das sich aus der Anzahl aller aktuell im Depot befindlichen offenen Positionen ergibt muss jederzeit bekannt und limitiert sein, siehe 1.

4. Die Handelsrichtung ist in 9 von 10 Fällen long. Auch in Bärenmärkten.

5. Das Geld wird mit Trades in Trendrichtung (Trend = Moving Average) verdient. Trades zum Moving-Average müssen limitiert sein (Limit Exit am Moving Average), Trades über dem MA unlimitiert.

Man könnte auch folgendes daraus ableiten: Der Ruin des Depots hat in den seltensten Fällen eine falsche Einschätzung der Handelsidee zu grunde sondern immer eine fehlende Risikobegrenzung und eine daraus resultierende mentale Schockstarre.

Daher nochmal: Long-Möglichkeiten suchen. Risiken bestimmen. Entscheidung treffen, flexibel reagieren.

Gute Woche!

 

 

vor dem Wochenende

Der Handelstag nähert sich dem Ende, eine interessante Woche geht zu Ende ein noch spannenderes Wochenende steht bevor.

Fassen wir die Woche zusammen. Das Tief wurde am Montag morgen im Panikverkauf generiert und mehrmals angegriffen. Was sich erneut in solchen Märkten bestätigte: Die erste bullishe Gegenbewegung wird nach Handelsstart der US-Börsen wieder verkauft. Dieses Verhalten ist typisch, ich habe es schon so oft beobachten können. Vermutlich stecken große Fonds dahinter, die Verkäufe durchführen müssen und weil sie Ausstiege ihrer Kunden handeln müssen. In Korrekturen starten die US-Märkte sehr oft mit Overnight-GapUps, die über den gesamten Tagesverlauf verkauft werden und z.T. wie in dieser Woche zum Handelsende neue Lows generieren aus den besagten Gründen. Das gilt es mitzunehmen aus dieser Woche. Darüber hinaus die Tatsache, dass Panik-Tiefs so gut wie immer erneut angegriffen werden. In diesem Fall hat sich im S&P Future ein handelbarer Doppelboden gebildet, doch die starken Anschlusskäufe blieben aus.

Wir haben nicht nur deshalb ein überwiegend bärisches Marktverhalten. Im Fokus der Anleger liegt klar das Referendum am Sonntag, das kann man seit Donnerstag förmlich spüren – es tut sich nichts mehr im DAX. Alle warten. Auch die Frage ob das Referendum überhaupt stattfinden kann ist unbeantwortet. Da will das gr. Verfassungsgericht noch am heutigen Freitag entscheiden. Ich halte gerade dieses Urteil für entscheidend was die künftige Richtung betrifft. Bei einem negativen Urteil könnte es wieder Massenverkäufe geben. Es wird aber meines Wissens nach erst nach Börsenschluss gefällt, was bedeutet, dass man wieder ein zusätzliches Risiko übers WE aufgebrummt bekommt. Ich habe vor allem deshalb meine DAX Long Position auf die Hälfte minimiert.

Rein technisch sieht die Sache eigentlich gar nicht mal so übel aus:

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Das oben ist der S&P500 Future. Es wird deutlich: Die rote Diagonale ist schon verlassen, wurde getestet, es fehlt jetzt aber die entscheidene Initialzündung. Vielleicht passiert etwas wenn die 2080 fallen, aktuell aber gilt es eher zurückhaltend zu sein. Das Marktverhalten ist bislang nicht bullish, vielleicht nach dem Wochenende, ansosnten bin ich gezwungen alle verbleibenden longs sofort zu schließen.