Wikifolio 2015 Rückblick

Das Jahr geht zu Ende und wie immer hier im Blog will ich zurück blicken auf das Geschehene, auf die Aktionen – die richtigen und die falschen und ein kleines Lessons Learned durchführen. Natürlich nicht ohne einen Ausblick auf 2016.

Mein Wikifolio ist dieses Jahr einen nächsten Schritt nach vorne gekommen. Ich beende das Jahr am AllTimeHigh, während der DAX gute 14% von seinem Hoch vom April entfernt ist. Man könnte schlussfolgern alles wunderbar, es läuft! Doch die Wahrheit ist etwas komplexer, auch wenn ich den DAX dieses Jahr ganz knapp im Schlussspurt geschlagen habe.

Meine Fehler aus dem ersten Quartal diesen Jahres verhinderten eine außergewöhnliche Performance. Es war viiiiiieeel mehr drin dieses Jahr. Ich bin bei ca. 10-15% Jahresrendie –  es wären weit über 50% drin gewesen. Kurzum. Es wurden Fehler gemacht, es mussten Korrekturen vorgenommen werden und weitere müssen noch zusätzlich dazu kommen. Ich habe hier und hier schon über Maßnahmen berichtet, aber es muss nach Auswertung des Jahres nochmal leicht nachgeschliffen werden, dazu gleich mehr.

Natürlich. Viele, viele Dinge sind auch richtig gemacht worden. Wenn das Depot auf Höchststand steht, ist das zwangsläufig so. Es war beispielsweise absolut richtig im Sommer extrem zurückhaltend zu agieren, ich schrieb darüber bereits im Post in „Zurückhaltung zahlt sich aus„. Während der DAX von 12.390 in der Spitze auf 9.325 Punkte fast 25% korrigierte, konnte ich mein Depot sehr erfolgreich vor dem Fall schützen. Wohlgemerkt, obwohl ich überwiegend mit gehebelten ETFs agiere. Der 2x gehebelte ETF, den ich hauptsächlich handle, ist von 345 Punkten auf knapp über 190 gecrasht.

Ohne die Interaktionen zur Drawdown-Minimierung hätte ich mir bis zu -45% (!) eingehandelt. Oder anders ausgedrückt: Am Top gekauft hätte ich mein Depot halbiert. Statt damals 140 Punkten, hätte es einen Wert von 80. Real habe ich in dieser mehrmonatigen DAX-Korrekturphase aber nur dank der Eingriffe milde -15% einstecken müssen. Damit kann ich im großen und ganzen sehr zufrieden sein. Die Hauptaufgabe das Depot vor Risiken zu schützen und das Kapital zu erhalten wurde erfüllt. Es macht mich froh zu sehen, wie die Maßnahmen greifen und wie man Jahr für Jahr besser und stabiler wird. Hier ein Chart zum Vergleich der Depotperformance im Vergleich zum DAX (rote Linie).

2015_12m

Bild1, Quelle: boerse.de

In 2016 muss der nächste Schritt folgen

Mit den Jahren an der Börse stelle ich immer wieder und immer deutlicher fest: Es geht gar nicht in erster Linie um das Geldverdienen. Es geht um den Lernprozess des Tradings. Wenn der Lernprozess, d.h. Reflexion und Aktion stimmt – stimmt im Sinne von diszipliniert und kontinuierlich durchgeführt – ist das Geldverdienen eine logische Folge.

Eine wichtige Maßnahme aus 2014 war beispielsweise der Schritt zur Distanz. Es ist gar nicht wichtig ständig da zu sein wenn man mittelfristig orientiert handelt. Das ist als würde der Fußballspieler anstatt zu spielen ständig auf die Anzeigetafel schauen. Die kleinsten, unrelevantesten Zuckungen des Marktes können zu verfrühten Ausstiegen führen. Der Zug fuhr dann oft in der Vergangenheit ohne mich weiter und ein Wiederaufspringen mit vernünftigem Chance-Risiko ist dann oft nicht mehr möglich. Ab Q2 diesen Jahres konnte ich hier Maßnahmen in meinen Handel einbauen, die alle samt messbare Wirkung zeigten. Die durchschnittliche Haltedauer meiner Positionen stieg um über 200% trotz geringerem Drawdown. Gut war es auch in den saisonal schwachen Monaten auch nach Aktien Ausschau zu halten und die mit relativer Stärke mit ins Depot aufzunehmen. Es ist bemerkenswert wie stabil gute Aktien Marktrückgängen trotzen und förmlich explodieren wenn der Markt wieder nach oben dreht. Ein wichtiges Lessons Learned aus 2015. Ich werde wohl mein Leben lang bei dieser Strategie immer an meine GFT Aktie denken, die innerhalb von 3-4 Monaten mittlerweile fast 50% zugelegt hat seit ich sie in genau dieser schwachen saisonalen Phase gekauft habe, weil sie in dieser Phase einfach nicht fallen wollte. Dazu auch noch perfekt pyramidisiert, d.h. aufgestockt habe und einen Großteil des Anstiegs mit über 30% Depotanteil mitgemacht habe. Das war sicher einer der technisch besten Aktientrades der letzten 3 Jahre von mir.

Ich hake folgende Themen in meiner Entwicklung dieses Jahr ab

  • „Fokussierung auf Verlustminimierung“. Insgesamt einen großen weiteren Schritt voran gekommen. Alle zusätzlichen Maßnahmen haben gewirkt. Ich bin 2015 besser als 2014 und 2013 gewesen. Aber es ist eine Nachjustierung notwendig, da ich durch die starke Sommerkorrektur die Depotperformance negativ war.
  • „Cut the losses“. Erkennen von fehlerhaften Positionen sowie die sofortige Handlung, d.h. Schließung. Die zweit wichtigste Grundvoraussetzung für erfolgreiches Bestehen an der Börse.
  • „Positionsgrößenmanagement“. Wichtigstes Element in meinen Augen. Zu wissen wieviel Risiko eingegangen werden darf abhängig der Marktbedingungen, der psychologischen inneren Verfassung und der Auswirkung auf die Gesamtperformance im Depot. Oder anders: Im Nebel rase ich auch nicht mit über 200 auf der Bahn. Und schon gar nicht wenn ich Kopfschmerzen habe, keine Versicherung und das Auto neu und wichtig ist.

Am letzten Punkt „Positionsgrößenmanagement“ muss man meinen Erfahrungen nach kontinuierlich feilen. Warum? Weil sich der verwaltete Betrag ändert und dieser einen massiven Einfluss auf die Psyche ausübt. Bei einem Vermögen von sagen wir mal 100.000€ macht es einen großen psychologischen Unterschied ob ich 1.000€ oder 10.000€ risikiere. 100.000€, also den fiktiven Jahresverdienst werden nur wenige bereit sein ins Risiko zu nehmen. Ich merke gerade, dass dieser Punkt einen weiteren Blogeintrag verdient, weil er essentiell ist und wie ich finde extrem interessant ist… Dazu schreibe ich hier mal bei gegebener Zeit etwas.

2016 –

Ich werde für 2016 zwei Dinge ändern. Erstens, ich werde in den saisonal starken Monaten mich noch stärker auf bullishe Signale konzentrieren, d.h. ich werde jedes bullishe Signal kaufen und laufen lassen. Bei anstehenden Marktkorrekturen werde ich dagegen nicht mehr komplett aussteigen, sondern einen Restanteil behalten. Zweitens, ich werde in 2016 in der saisonal schwachen Phase auch shorts handeln. Hierzu habe ich über die Weihnachsphase ein Paar Backtests durchrechnen lassen und auf Basis dessen ein Konzept entwickelt.

Was Punkt 1 – den Handel der saisonal starken Phase betrifft, so muss ich nach dem verpassten Ritt des Bullen in Q1 2015 weiter an meiner größten Baustelle voran kommen, die Trades laufen zu lassen, ohne ein (zu) großes Drawdown zu riskieren. Das ist die meiner Meinung nach schwierigste Herausforderung im mittel- bzw. langfristigen Handel. Trendphasen mitzunehmen bedeutet nämlich auch Korrekturphasen mitzunehmen. Das schwierige dabei ist, dass ein Marktumschwung am Anfang stets aussieht wie eine kleine Korrektur und man das Risiko hat den richtigen Absprung zu verpassen. Das richtige Timing braucht daher Kompromisse. Größeren Trends müssen große Drawdowns zugestanden werden und hier kommt die persönliche Risikoneigung ins Spiel, denn nicht jeder verkraftet einen 30%igen Rückgang seiner Anlagen. Ich bin nicht nur deshalb der festen Meinung, dass der mittel- und langfristige Handel daher zu den schwierigsten Disziplinen an der Börse gehört. Viel schwieriger beispielsweise als Daytrading auf Minutenbasis, in der man sein Drawdown von vornherein kennt und limitiert.

Punkt zwei. Ich will in 2016 auch shorts handeln, weil es sich in 2015 gezeigt hat, dass man mit einer Strategie der Minimierung von long-Positionen in Martrückgangsphasen zwar die Auswirkungen auf das Depot erheblich reduzieren aber eben nicht beseitigen kann. Die Minus 15% in den 5 Sommermonaten diesen Jahren hätten auch +30 sein können mit dem Handel von short-Positionen. Dieses Jahr habe ich ganz bewusst keine shorts gehandelt, da es sich um einen klaren Bullenmarkt handelte. Nach genauerer Analyse aber stelle ich fest, dass es mit Einschränkungen Sinn macht – und zwar wenn man nach wenigen Tagen die Shorts wieder einstreicht. Mit dieser Strategie wäre meinen Backtets nach auch der super bullishe Sommermarkt in 2014 erfolgreich geritten worden.

Die Verbesserungen der Strategie sind also beschlossen und warten darauf umgesetzt zu werden. Kurz zusammengefasst: In der saisonal bullishen Phase werde ich jedes long-Signal kaufen, bei bärischen Signalen oder bei Stopps wieder verkaufen, allerdings einen Restanteil drin lassen. Ab der saisonal schwierigen Phase werde ich kurzfristiger handeln und auch short-Signale vorsichtig mitnehmen, hierbei allerdings nicht laufen lassen, sondern per Limit oder händisch nach wenigen Handelstagen wieder raus gehen. An der Maxime das Depot vor großen Drawdowns zu schützen ändert sich nichts.

Ich bin sehr zuversichtlich, dass auch diese Maßnahmen Wirkung zeigen werden, wenngleich es heißt, dass das Depot etwas offensiver gehandelt wird. Ich bin mit im Schnitt +10 bis +15% per Anno Performance seit Ausgabe bei 22% max. Drawdown und einer sharpe-ratio von lediglich 0,5 eher unzufrieden als zufrieden. Das muss besser gehen. Wenn ich mir aber das letzte halbe Jahr anschaue, kann ich immerhin sagen dass ich erhebliche Verbesserungen erzielen konnte:

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Bild2, Quelle: boerse.de

Bis Mitte des Jahres ist mir der DAX performancemäßig um schlappe 25% (!) weg gelaufen (Bild1) was mich zu Maßnahmen zwang. Seit dem habe ich ihn nicht nur eingeholt sondern auch überholt und mit etwas Glück kann ich immerhin auch dieses Jahr für mich mit dem Prädikat „DAX geschlagen“ verbuchen.

Gutes 2016 Euch allen. Ich freue mich drauf!

 

Der Bär hat’s schwääär

Ein Bild sagt oft mehr als 1000 Worte, deshalb halte ich mich kurz.

Die Auswertung unten (Bildquelle: bloomberg.com) zeigt weshalb es nicht sinnvoll ist auf Korrekturen zu setzen. Sie zeigt auch, dass man durchaus Rückgänge bei Positionen auf Aktienindizes auch mal „aussitzen“ kann. Oder um es in Wahrscheinlichkeiten auszudrücken: Natürlich kann ich bei einem Bundelsigatippspiel jedes Mal gegen die Bayern tippen und mich auch als großer Experte fühlen wenn es mal geklappt hat, nur Tippspiele werde ich so nie gewinnen können.

Genug der Worte: Hier die Misserfolgswahrscheinlichkeiten von Long-Positionen auf Basis der Auswertung der letzten 90 Jahre Börsenhandel. In anderen Worten: Tippe im Zweifel immer auf Bullen.

longrisk

Ausblick auf den Dezember

Heute möchte ich mal meinen Schwung mal nutzen und ein nächstes Update zur aktuellen Marktlage mit euch teilen. Genauer gesagt möchte ich so transparent wie möglich die Situation meiner aktuellen Markt-Positionen darstellen sowie die Strategie für die kommenden Wochen.

Fangen wir mit dem Dax an. Hier hat sich in der letzten Woche aus charttechnischer Sicht etwas durchaus Wichtiges ereignet. Es gab einen Durchbruch der Diagonalen (gelb im Chart). Der Weg in Richtung 10.750 ist damit frei gelegt worden. Ich gehe davon aus, dass diese Marke noch im Dezember erreicht werden dürfte – natürlich falls nichts außergewöhnliches passiert.

dax

Ich habe auch meinen long-Einstieg vom 5.10. gekennzeichnet. Nicht nur weil er gut war und man es dann natürlich gerne einträgt. Nein, auch weil es wichtig ist für zukünftige Trades sich zu erinnern, dass es auch in Zukunft lohnt erneut den Mut aufzuweisen Long-Signale trotz monatelangem Down-Trend mutig umzusetzen. Auch, dass es richtig ist die Positionen in der saisonal starken Phase einfach laufen zu lassen. Auch wenn es massiv Widerstände im Chat gibt und auch die Stimmung im Markt lange noch negativ bleibt – denn die Stimmung hellt sich wie immer erst auf, wenn der Push-up schon fast vorbei ist.

Insofern bin ich dieses Jahr sehr zufrieden was den Handel des letzten saisonal starken Teils des Jahres betrifft. Die Hausaufgaben wurden erledigt und konnten auch umgesetzt werden. Nun ist die Situation wirklich sehr entspannt. Die zwei waagerechten Linien im Chart zeigen die starken Unterstützungslinien. Einschließlich der gelben Diagonalen bildet sich hier eine nette Kreuzunterstützung bei 10.700 Punkten. Bis dort hin können wir den DAX in den nächsten Wochen frei „atmen“ lassen bei der Jagd auf das alte Hoch vom April diesen Jahres. Ideal wäre, wenn wir das Hoch bis zum April des kommenden Jahres raus nehmen könnten.

Ich habe mir im Wikifolio durch die Reduzierung der GFT Position etwas Cash beschafft um bei einem Rückgang weitere 2x Long ETFs nachlegen zu können. Vermutlich werde ich mich diesmal auch mal  ETFs auf den S&P500 bedienen . Hierzu warte ich die erste negative Woche im Dezember ab. Dass sie kommt ist äußerst wahrscheinlich. Dass eine rote Dezemberwoche mit gutem Chance-Risiko-Verhältnis für eine Santa-Rallye kaufbar ist, zeigt der Blick auf die vergangenen Jahre:

spx_dez

Natürlich muss man aufpassen. So gab es beispielsweise in 2010 keinen Rückgang, so dass man ich evlt. auch gar nicht in Positionen gekommen wäre. In 2014 zeigte sich auch ein untypisches Verhalten. Da wurde die starke Rallye direkt nach dem Weihnachtsfest innerhalb weniger Tage komplett (!) abverkauft. Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, denn ich blieb blöder Weise in meiner Position. Trotz Verkaufssignalen. Daraus habe ich gelernt. Die Santa-Rallye ist und bleibt ein tolles Fest für jeden Trader, doch wenn die Musik aus geht, heißt es die Party zu verlassen. Dieses Jahr werde ich jedenfalls nicht mehr der letzte sein, der das Licht ausmacht.

Also kurzum: Saisonal typisch wären starke 2-3 erste Handelstage im Dezember, dann eine Korrektur bis ca. 14. oder 15.12., dann die berühmte Santa-Rallye. Ich habe nun etwas Cash, um diese gehebelt mitzunehmen.

Noch 2 Worte zum S&P 500

Im S&P ist die Situation sehr viel bullisher. Trotz der eher langweiligen letzten Woche, in der wir nichts anderes als eine Konsolidierung sahen, scheinen alle Vorzeichen auf einen Ausbruch nach oben zu deuten. So endete die Korrekturbewegung Mitte November ziemlich genau am 61% Retracement. Die starke bullishe Reaktionsbewegung öffnet nun technische Ziele im Bereich von 2.180, was ein neues All-Time-High bedeuten würde.

Vorher gilt es allerdings noch einige harte charttechnische Hürden zu nehmen, beispielsweise die gelbe Abwärtsdiagonale oder der gesamte Bereich um 2.130, an dem der Index das gesamte Jahr über (!!) gescheitert ist. Vorsichtig werden muss man unterhalb von 2.050 Punkten.

spx

 

Viel Erfolg und gutes Gelingen in den nächsten Tagen und Wochen!

Zurückhaltung zahlt sich aus

Ich bin zufrieden. Die defensiv passive Strategie zahlt sich aus. Wahrscheinlich könnte ich aber auch sagen, dass man mit den Jahren an der Börse und den tausenden von gemachten Fehlern dann doch Stück für Stück besser wird. Ich habe im Oktober einen perfekten Einstieg erwischt, bewusst die Position laufen lassen und auch ganz bewusst alle Aktien behalten, die während der Korrektur im Sommer eine außergewöhnliche relative Stärke bewiesen haben, d.h. weitaus weniger korrigierten als der Markt.

Es kann für Aktien keinen besseren „Tell“ geben. Wenn Aktien bei einem schwachen Markt stark bleiben und kein Verkaufsdruck aufkommen will, dann steckt „value“, echter Wert dahinter und häufig sind es dann die Highflyer von morgen. Und so war es auch.

Wenn mich jemand fragen würde wie er am einfachsten gute Aktien finden könnte, dann würde ich ihn auf jeden Fall antworten, dass er sich vor allem anschauen soll wie sie sich verhalten oder verhalten haben wenn der Markt schwach war. Das ist eigentlich jeden Sommer der Fall. Gibt es Aktien, die in den Sommermonaten nicht nachgeben wollen, dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass bei Marktstärke diese Titel außerordentlich zulegen werden.

Das Gute an einem geteilten Portfolio, so wie ich es derzeit fahre ist dann auch dass die guten Aktien auch kurzfristige Rückgänge des Marktes abfangen, d.h. die Depotperformance glätten, weil sie stabil bleiben während der Markt leicht korrigiert. Das werde ich von nun an die kommenden Jahre genau so fahren.

Wie ist nun der Plan für die kommenden Wochen und Monate? Ganz einfach: Weiter auf den Händen sitzen und fleißig die Stopps nachziehen. Wir sind im Bullenmarkt und haben einen intakten Trend. Die Chancen für einen weiteren Anstieg sind viel größer als für einen Abstieg. Prognosen aufzustellen lohnt nicht, der Markt macht sowieso was er will und das Ziel muss nach wie vor sein, bei schlechten Tagen nichts zu tun (denn der Stopp weiß wie weit es zurück kommen darf) und darauf zu achten, dass man dabei ist wenn es große Plustage gibt. Wie heute oder wie gestern. Darauf kommt es an. Gutes Market Timing benötigt auch eine große Time in Market.

Ich habe auch in diesem Jahr Lehren gezogen aus meinem auch in diesem Sommer nicht zufriedenstellenden Handelsverlauf. Es gab zwar eine deutliche Verbesserung dieses Jahr im Vergleich zum letzten Sommer, dennoch habe ich in Performance eingebüßt und ab Juni bis Oktober alle 3 Monate negativ abgeschlossen. Die richtige Stellschraube lautet in diesen Monaten dann doch short-ETFs im Depot zu handeln und diese durchaus auch laufen zu lassen in den kritischen Monaten. Die Regel, die mir verbeitet im short-ETFs in Bullenmärkten zu handeln wird also verändert. In den 3 besagten Monaten darf ich es.

Auch wenn erst noch der Winter vor der Tür steht, ich kann die schwierigen Sommermonate kaum erwarten, denn da gibt es ein paar Dinge, die ich zu verbessern habe.

 

Kleines Update

Ich würde gerne – auch weil ich soo lange nichts mehr gepostet habe, wenigstens mal ein kleines Update loswerden wollen. Zunächst einmal ein Blick auf das große Bild:

spx

Wie man unschwer erkennen kann, ist das Börsenjahr 2015 nicht einfach. Zumindest verläuft es nicht so „trendy“ wie in den vergangenen 3 Jahren. Dann der große Rückgang im August und die wilden Nachwehen in den Wochen darauf, die allerdings normal sind. Ein Test des Lows bei 1870 war zu erwarten. Es war eine Frage der Zeit.

Meine Strategie im Wiki war, mich im Sommer raus zu halten. Das ging nicht ganz so gut aus wie erhofft, denn ich machte den Fehler die Zwischenrallyes long zu handeln. Einfacher wäre gewesen in dieser saisonal anfälligen Phase sich auf shorts zu konzentrieren. Wenn der Markt so wild ist wie im August und September, dann können falsche Entscheidungen innerhalb weniger Stunden eine Jahresperformance vernichten.

Bei meinen Aktionen im Sommer waren leider einige Fehlsignale dabei, die Performance kosteten. Der Verlust war trotz des Drawdowns mit mehreren Verlusttrades in Folge verkraftbar aber trotzdem schmerzvoll mit -15% seit All-Time-High im Juni.

Nun ist die saisonal schwierige Phase vorbei und ich bin nahezu perfekt in mittelfristig angedachte long-Positionen in den DAX geschlüpft. Mittlerweile 10% Buchgewinn auf den 2xETF. Komplettiert wird das aktuelle Depot von 4 Aktientiteln. GFT und Dassault laufen hervorragend, Mevis und Datagroup befinden sich noch im Tiefschlaf und bewegen sich nicht. Hier warte ich noch die kommenden Quartalsberichte ab. Sollten diese enttäuschen werde ich beide Titel verkaufen und in bessere Werte umschichten. Ich glaube an beide Firmen. Sie wachsen rasant und haben für das Jahr 2016 volle Auftragsbücher. Das sind meiner Einschätzung nach Verdopplerkandidaten auf Sicht von 2-3 Jahren, der Markt muss es allerdings auch genau so bewerten, was derzeit nicht der Fall ist. Abwarten, geduldig bleiben heißt es.

Ich hoffe, dass ich bis April 2016 nicht an der aktuellen Depotzusammensetzung im Wiki ändern muss. Ich bin aktuell aufgrund des guten Zeitpunktes zum Einstieg in einer sehr komfortablen Lage nur noch die Stopps verwalten zu müssen. Der Anstieg hat nach klassischen Intermarket-Gesichtpspunkten her alle Merkmale einer großen Rallye, die vielleicht gerade erst in den Anfangsschuhen steckt. Technisch betrachtet gleicht er dem Breakout Anfang 2013 oder Mitte 2011. Ich gehe Stand heute von neuen All-Time-Highs bis April 2016 aus. Sowohl im DAX als auch im SPX.

Habt eine entspannte Zeit da draußen. Mein Ziel ist diese saisonal super Phase mit möglichst viel Zeit im Markt, d.h. vollinvestiert zu verbringen. Wenig rein- und raus. Weite Stopps setzen um die großen Plustage mitzunehmen.

Viel Erfolg!

 

Der Plan B – TradingKnowHow

Erstaunlich. Immer wenn die Kurse runter rauschen, steigen die Zugriffszahlen auf meinen Blog. Mich würde wirklich mal interessieren wie deutlich sich das bei den größeren deutschen Börsenforen verhält.

Ich möchte es gar nicht abwertend kommentiern, im Gegenteil. Viele Leute wurden bei einem starken Rückgang „auf dem falschen Fuß erwischt“ und ich hoffe, dass der folgende Beitrag für jemanden der erwischt wurde, einen Mehrwert generiert.

Es lohnt sich wirklich mal kurz über den genannten Satz nachzudenken. „Ich wurde mit meinem Investment auf dem falschen Fuß erwischt.“ Wie kann das sein? Wie konnte es soweit kommen, dass ich überhaupt auf dem falschen Fuß erwischt werden konnte?“ Meine Erfahrungen dazu:

Ich würde sagen 9 von 10 Anlegern (reines Bauchgefühl) kaufen aufgrund von Überzeugungen. Teils wurden „heiße Tipps“ gekauft, teils konservativ Dividendenaktien, teils Überzeugungen von neuen Trends, z.B. 3D-Technik-Aktien, Elektroautoaktien usw. Oder es fanden „Investments“ statt als echte Wetten. Aktuell beispielsweise lese ich immer wieder über Öl-Wetten. Öl ist schon soweit gefallen, weiter geht es ja nicht mehr. Und man kauft ohne sich der Tatsache wirklich bewusst zu sein ins fallende Messer. Weil man gehört hat es wäre klug nicht mit der Masse zu schwimmen.

Der Durchschnittsanleger bildet sich eine Meinung, ein Plan A, z.B. „Öl muss jetzt steigen“, und kauft daraufhin Öltitel. Jetzt sinkt Öl aber weiter und auch die Aktienmärkte und wenn das massiv passiert, wie letzte Woche, merken dann viele: „Hoppla, ich hatte nur einen Plan A.“ Es gibt auch sicherliche so einige, die nicht einmal zu dieser einfachen Feststellung kommen, weil sie nicht in der Lage sind zu refletieren. Und dann werden Gründe gesucht. Z.B. in Foren. Oder in Blogs. Oder es werden gleich andere verteufelt.

Aus psychologischen Gründen müssen die Menschen als erstes die Ursachen des Abstiegs verstehen. Die Suche des Schuldigen beginnt. „Warum ist es letzte Woche gefallen?“.

Ich frage zurück: Braucht ihr diese Begründung wirklich? Wie hilft sie weiter? Aktuell wird China als „Ursache“ angeführt. Jetzt versteht der Durchschnittsanleger, ok gut, China hat den Fall letzte Woche ausgelöst. Die eigenen Aktien sind aber immer noch 30% rot im Depot. Also Frage ich zurück: Was hilft es die Ursache für den Rückgang zu kennen? Was bedeutet das für die Entwicklung des Depots für morgen, übermorgen, nächste Woche, nächsten Monat und nächstes Jahr?

Statt der Frage nachzugehen wodurch ein Ereignis hervorgebracht wurde, macht es mehr Sinn sich zu fragen was sich stattdessen hätte ereignen können. Der Drang zu kausalen Denken macht uns anfällig für die richtige Beurteilung von Zufallsereignissen und nichts anderes fand letzte Woche statt. Heute Nacht hat die chinesische Zentralbank den Leitzins gesenkt. Der Dax reagiert mit +4 (!) Prozent. Auch das ist ein Zufallsereignis.

Merke: An der Börse werden keine Gründe gehandelt sondern Preise. Nur der Preis zählt und nichts anderes. Die Suche nach Ursachen ist unendlich und hilft überhaupt nicht weiter! Kümmere dich um den Preis, nicht um die Ursache des Preises.

Manch ein Hobbybörsianer ohne Konzept und ohne Plan B wird jetzt wahrscheinlich wie verrückt nachkaufen. Es heißt ja, dass es Sinn macht in Rücksetzer zu kaufen. Ja, das macht es sehr oft. Aber was wenn diesmal nicht? Was in den nächsten Wochen geschehen wird, sind wieder Zufallsereignisse. Alle mit gewissen Wahrscheinlichkeiten behaftet, aber unterm Strich Zufälle. Daher lohnt es sich zurück zu treten und sich zu fragen: „Was mache ich wenn es anders kommt? Wann ist meine Handelsidee dahin? Wie viel darf mich das kosten?“

Aus meiner Erfahrungskiste will ich folgendes zu bedenken geben:

Wer die kausale Schiene fährt und meint die Welt wäre mit Chinas Leitzinssenkung gut, alle Ursachen für den Rückgang (lol!) wären beseitigt, schaue sich bitte mal an wann in jüngerer Vergangenheit Leitzinsen gesenkt wurden und erinnere sich wie sich die Aktienmäkte in den 2-3 Jahren darauf entwickelen. 2000 und 2007 fanden das letzte mal solche Aktionen statt, siehe Chart (Quelle: finanzen.net)

leitzins

Ich finde es auch höchst bemerkenswert, dass plötzlich alle über einen Crash sprechen. Die Aktienmärkte haben gerade mal 10 Prozent korrigiet. Das ist kein Crash sondern völlig normal. Es ist aber scheinbar so, dass sich jeder an ständig steigende Kurse gewöhnt hat und nun überrascht, weil ohne Plan B, da steht.

Wenn ich eine Weisheit über den Wertpapierhandel nennen dürfte, dann wäre es diese hier:

THERE IS NO FREE LUNCH!

Für den Erfolg braucht ein klares Tradingkonzept, einen Plan oder wie auch immer man es nennen will, welcher diese Zufallsereignisse berücksichtigt und klare Anweisungen generiert. Wenn sich jemand ertappt fühlt und merkt, dass er auf diesen normalen Rückschlag nicht vorbereitet war, dem kann ich nur empfehlen genau jetzt die Hausaufgaben fürs nächste Mal zu erledigen und nochmal genau hinterfragen wie das Gesamtkonzept des Tradings, welches u.a. dem Anspruch der Reproduzierbarkeit genügen muss, aussieht.

Viele Zocker lachen oft über strategische Langzeitanleger, die sich mit 5-30% Rendite per anno zufrieden geben. In Wahrheit sind diese den Zockern allerdings weit voraus. Wer beispielsweise den DAX immer am gleichen Tag eines jeden Jahres kauft und zwar völlig unabhängig wie die Kurse gerade stehen, ist dem Zocker, der Tipps hinterher jagt (am besten noch mit KO-Zertifikaten) und keinen Plan B hat, um Welten vorraus. Einfach weil er unabhängig von Emotionen agiert. Ein Waren Buffett tut dies übrigens ebenso unabhäng. Der Zocker hat nach solchen schnellen Rückgängen ein blaues Auge mit -30% im Depot und in der hochvolatilen Findungsphase, die uns jetzt bevor steht, verzockt er weitere 50% des Depots und wendet sich i.d.R. dann ab.

Wie schon gesagt, genau diese Marktphasen sind für die persönliche Entwicklung der Skills unendlich wichtig. Skill Nr. 1, Nr. 2 und Nr. 3 lautet: Schütze dein Depot!

Wie geht es weiter? Mein Marktkommentar

Aktuell haben wir einen Rückgang, der ähnliche Strukturen aufweist wie der aus 2011. Bedeutet, dass, wie schon erwähnt, nun eine Findungsphase beginnt. Sie zeichnet sich mit extremer Volatiltät aus. Nach oben und nach unten, siehe VIX in 2011:

vix_2011

In 2011 habe ich den Fehler gemacht, dass ich die zwei Monate nach dem starken Rückgang meine Positionsgrößen nicht reduziert habe. Ein großer Fehler, der viel Lehrgeld kostete. Daher: Hinweis Nr.1: Positionsgrößen überprüfen auf neue Schwankungsbreite der Märkte. Wenn’s nebelig ist auf der Autobahn fahre ich auch nicht 250.

Hinweis 2: Es ist möglich, dass alles vorbei ist und die Kurse wieder nach der Findungsphase anfangen zu steigen. Es ist aber auch möglich, dass es noch weiter runter geht. Es gehört ein Plan A und ein Plan B in den Werkzeugkoffer einschließlich der passenden Antworten. (Was mache ich wenn..)

Hinweis 3: Ein echter Boden wird sehr oft getestet. Bisher steht der Markt auf nur einem Bein, das zweite dürfte nochmal ausgebildet werden. Vorzugsweise am 50% Retracement könnte ein erneuter Angriff auf das Low starten.

Hinweis 4: Mir hilft es zurück zu treten und in aller Ruhe zuzusehen, wie der Markt anfängt neue Setups auszubilden. Derzeit weiß ich nur: Der langfristige Trend ist gebrochen. Hier ist keine Eile geboten. Die Charts müssen „heilen“ und dazu braucht es Zeit. Mein Bauchgefühl sagt: Bis mindestens Oktober.

Hinweis 5: Die Kurse sind unterhalb MA 200. Dies ist kein Bullenmarkt mehr. Dies ist ein Markt für Value Investoren und Kurzfrist-Trader.

Hinweis 6: Die nächste fundamental wichtige Entscheidung ist die der amerikanischen Notenbank. Bis dahin werden die Märkte sehr wahrscheinlich volatil bleiben.

Hinweis 7: Mir gibt es zu denken wenn die Politik die Börse thematisiert. Bundeskanzlerin Merkel hat am Sonntag die Aktienmarktentwicklung kommentiert. Das ist kein gutes Zeichen – sagt mein Bauch. Die chinesische Regierung versucht es mit Mindeshaltefristen. Solche Geschichten gehen zu 100% nach hinten los. Jeglicher Verusch den Markt zu beeinflussen rächt sich. Beispiele gibt es dazu geüngend. Kürzlich die Schweizer, die den Franken stützen wollten. Dagegen zu wetten ist und bleibt sehr lukrativ mit ein weing Sitzfleisch.

Hinweis 8: Niemals vergessen: Wenn der DAX 10% einbricht, dann nicht weil es mehr Verkäufer als Käufer gibt. Zu jedem Kurs gibt ein Käufer-/Verkäufer-Pärchen. Es heißt nur, dass viele bereit waren bei niedrigen Kursen ein Tauschgeschäft der Wertpapiere einzugehen. Das hat nix damit zu tun, dasss „alle raus wollen aus Aktien“. Für jede verkaufte Aktie gibt es einen Käufer, für jede gekaufte einen Verkäufer.

Hinweis 9: Mir hilft: Kühlen Kopf bewahren, Abstand nehmen. Keine emotinalen Investments vornehmen. Charts heilen wieder, sie brauchen Zeit dazu. Klare Möglichkeiten kommen mit der Zeit. Kasino braucht niemand vorm Rechner – das geht eleganter mit Frack, Zylinder und Fliege.

 

In diesem Sinne!

Lukas

 

Alle Ampeln auf rot

Der Bär ist da. Und das ist gut so. Das ist deshalb gut, weil mal die überschüssige Luft aus den Märkten gelassen wird. Weil es wieder Lektionen an alle Glücksritter zu verteilen gibt. Und weil wir darauf vorbereitet waren.

Der DAX hat in der letzten Woche mehr als-10% verloren und damit die gesamten noch vorhandenen Jahresgewinne hergegeben. Es war die schwächste Wochenperformance seit über 4 Jahren! 500 Punkte fehlen noch, dann wäre auch 2014 egalisiert. Das wird viele konzeptlose Anleger wieder nervös werden lassen. Ich bin sicher, dass viele bereits schwitzen. Spätestens wenn der Marktrückgang stärker in der Presse thematisiert wird, wird aus Schweiß echte Angst.

Einige Dinge bleiben aber: Nein, die Welt geht nicht unter. Nein, es gibt keinen Crash – es wäre sehr dumm auf ein solch unwahrscheinliches Ereignis zu wetten. Aber es ist eine große Korrektur angebrochen und es gilt Entscheidungen zu treffen. Vor allem aber gilt da zu sein wenn die Märkte wieder zu Käufen einladen. Denn so eine Baisse hat einen reinigenden Charakter. Sie macht die Aktien wieder günstig und attraktiv und sie bietet wieder Nährboden für schöne, lange Trendphasen.

Doch soweit ist es noch nicht – vielleicht noch lange nicht, das weiß niemand. Die Märkte haben in der letzten Woche aus markttechnischer Sicht zunächst einmal eine klare Bestätigung einer beginnenden Baisse gezeichnet. Ich habe insgesamt 3 einfache Indikatoren dafür (weiter unten). Alle 4 sind auf rot gesprungen.

  1. EMA 13/34 weekly
ema13_34
Der Klassiker: Moving Average 50 und 200, die nächste Woche kreuzen werden
ma50_200
Bollinger Bänder in der Monatsauswertung
bollinger_monthly
Last, not least der NYAD Linie (basiert natürlich auf den US Daten, nicht auf den Deutschen Aktienmärkten):
nyad_cumulative

Es tut sich Großes! Bedenkt man den aktuellen Stand des sg. „Shiller P/E“, siehe mein Jahresausblick auf 2015, könnte aktuell ein neuer Bärenmarkt gestartet sein, der die historisch zweithöchste jemals gemessene  Aktienmarktbewertung auf ein niedrigeres, „normaleres“ Niveau bringt. Ich halte es aufgrund dieser Sachlage für nicht unwahrscheinlich, dass es in den kommenden Monaten nochmal deutlich tiefer geht. Wird sich alles zeigen müssen…

Ihr wisst, ich betreibe Market-Timing. Mit den Jahren habe ich gelernt worauf es dabei ankommt, denn Market-Timing ist einer langfristigen Buy-and-Hold Strategie in 4 von 5 Fällen unterlegen. Das zeigen auch die Performances der Fondsmanager. Tradinggebühren, Steuern und Handelsfehler müssen nun mal erst einmal egalisiert werden. Handelskosten hat eine einfache Strategie, die beispielsweise immer zum selben Datum den DAX kauft (z.B. 1x jährlich) nicht. Über die Jahre stellt sich dann ein jährliches Wachstum von ca. 7-8% ein, ohne dass man was dafür etwas tun muss. Wäre da nicht das Problem des Drawdowns und der eigenen Psyche. Denn eine Strategie, die wie oben beschrieben jährlich den DAX oder den S&P kauft, durchläuft auch Bärenmärkte und dann ist ein Depot auch plötzlich mal in einem Jahr nur noch die Hälfte wert und das wird für viele, die sich über die langfristige Auslegung nicht im Klaren sind, schnell zum Problem.

Meine Auffassung von Market-Timing ist, dass man v.a. die extrem kritischen Marktphasen, die Bärenmärkte bereits in der Entstehung erkennt und folgerichtig in der Lage ist „seine Sachen zu packen“ und Cash oder short zu gehen. Ich bin aufgrund der oben beschriebenen Indikationen der festen Überzeugung, dass wir am Anfang einer solchen Phase stehen könnten. Deshalb packe ich meine Sachen zusammen und schaue erst einmal zu, ob sich die Schwäche in den nächsten 1-2 Monaten so bestätigen wird. Worauf schaue ich da? Ganz einfach, den Moving Average 200. Wird die kommende Erholung am MA200 gestoppt und dreht wieder nach unten, dann halte ich einen neuen Bärenmarkt für bestätigt. Dann werde ich in 9 von 10 Fällen shorts handeln.

Für mein Wiki weiß ich, dass es richtig war defensiv zu agieren. Ich ärgere mich wie verrückt zu geizig gewesen zu sein für shorts – ich wollte am MA50 erst short rein, aber es drehte vorher. Aber ich habe mein Depot geschützt, zwar keine Rendite einfahren können mit dieser Bewegung, aber ich bin in Cash und kann den Dingen gelassen zu sehen.

Saisonal könnte es noch bis Ende Oktober weiter so hochvolatil zugehen wie bisher. Auch in der kommenden Woche dürfte es wieder kräftige Bewegungen im Bereich von 2% geben. Sowohl nach oben als auch nach unten. Das ist normal nach solchen Einbrüchen. Besonders im Intraday-Bereich muss die Positionsgröße darauf abgestimmt sein.

Viel Erfolg!

Wendephase.

Noch vorgestern schrieb ich, dass jetzt die besonders kritische Phase ansteht, in der es gilt die Defensive zu stärken. 2 Tage später mit einem DAX Stand, der über 5% seit dem eingebüßt hat, heißt es den Ausgang zu nehmen und das Risiko rauszunehmen. Ich habe heute die Longs auf DAX sowie die KUKA Aktie mit kleinen Verlusten geschlossen. Das Investitionsvolumen im Wiki ist damit auf knapp 30% geschrumpft. Die 3 anderen Aktien konnten drin bleiben, da sie noch von ihren Stopps entfernt sind.

Vielleicht ist gestern und heute eine größere Abwärtsbewegung gestartet. Hier zwei Charts vom DAX und S&P500 mit den letzten beiden Bullen-Unterstützungen. Wenn diese fallen, gehe ich 100% short

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Aktuell, d.h. nach über 5% in 2 Tagen und einem DAX genau an der Unsterstützung von 11.000 Punkten will ich keine shorts zulegen, hierzu muss erst einmal eine mögliche Gegenbewegung abgewartet werden. Ein mögliches Szenario wäre beispielsweise, dass der DAX wieder zurück zum MA 50 läuft (blaue Linie im Chart). Dort wird sich zeigen, ob die Bären vorn liegen. Dort sehe ich jedenfalls eine bessere Möglichkeit in short-Postionen zu springen. Hierzu muss es aber weitere Schwächesignale geben.

Untermauert wird das bärische Szenario von einer Fundamental-Nachricht aus China. Dort hat die Regierung den Yuan um weitere 1,6% abgewertet. Wenn man so will wird hier also möglicher Weise eine Konjunkturabschwächung in China gespielt. Es zeigt auch. Wahrscheinlich wird es zukünftig nicht mehr reichen nur die Wirtschaftsdaten der USA zu bewerten sondern auch der Chinesen, denn sie haben was die Wirtschaftskraft betrifft mittlerweile die Nase vorn. Eine Abschwächung des Konjunktur in China hat weltwirtschaftliche Folgen.

Möglicher Weise erleben wir gerade den Start einer großen Korrektur der Aktienmärkte. Das „Gezappel“ im S&P seit Februar würde dann perfekt in ein Gesamtbild einer großen Top-Formation passen. Spannend, auch für den weiteren Verlauf des Wiki-Depots, in dem es nun gilt mit den Qualitäten der Verteidigung zu überzeugen. Eine mögliche 10-20% Korrektur am DAX würde ohne Eingriffe eine 20-40% Korrektur im Depot bedeuten. Derzeit, mit 131 von 145 bin ich mit rund 10% drawdown nicht unzufrieden. Wie schon gesagt, wir haben hier eine Marktphase, die keine großen Sprünge nach oben zulässt. In diesem Markt muss man verteidigen und nicht angreifen.

 

 

 

August-September Oktober – Play Great Defense

Play Great Defense! Ich kann es gar nicht oft genug wiederholen wie wichtig dieser Leitspruch fürs Trading ist. Auch im Sport hört man oft: Die Offensive gewinnt Spiele, die Defensive gewinnt die Meisterschaften. Dies lässt sich uneingeschränkt fürs Trading übernehmen. Wer zu offensiv agiert, der landet vielleicht einige gute Erfolge, doch geht es mal schief, wird gleich das gesamte Depot bedroht. Insbesondere bei der Positionsgröße und dem Invest gilt es aufzupassen. Die meiner Meinung nach wichtigste Schlüsselgröße ist hierbei die Positionsgröße, bzw. das eingegangene Gesamtrisiko mit der Position. Eine zu große Position ist immer ein Anzeichen dafür, dass man zu schnell reich werden will. Dass man bei der Investitionsentscheidung eigentlich nur den möglichen Gewinn im Kopf hat und dabei vergisst andere Szenarien durchzuspielen und durchzudenken. Wenn dann noch der Markt „tricky“ wird wie aktuell, ist das Depot schneller vor die Wand gefahren als man schauen kann.

Letztes Wochenende bin ich diesbezüglich, d.h. der Frage nachgegangen wann das Thema Defensive besonders wichtig ist. Ich habe versucht herauszufinden wann eigentlich schwierige Marktbedingungen vorherrschen, also wann man der „Play Great Defense“ Regel eine extrem große Aufmerksamkeit widmen muss. Denn ich gebe zu, hin und wieder macht die Offensive auch sehr viel Spaß und immer nur Defense, das will man irgendwie auch nicht. Um es vorweg zu nehmen. Man muss wie zu erwarten war, konstant Defense spielen. Man kann aber durchaus die Offence stärken. Nur eben nicht im Sommer.

Meine Vermutung, dass die meisten größeren Korrekturen, vor allem im Sommer statt finden, wurde bestätigt. Am sichtbarsten wird es, wenn man sich den $NYLOW anschaut. Dieser Chart gibt die Anzahl der Aktien, die an der New York Stock Exchange gelistet sind wider, die ein neues 52-Wochen-Tief generieren:

nylow

Quelle: stockcharts.com

Es ist wie ich finde sehr auffällig, dass sehr viele 52-Wochen-Lows (hier ab dem Jahr 99 abgebildet) gleich nach dem April generiert werden, viele im Oktober und Teils im November. Auch der Juli ist auffällig.

Aktuell ist August. Der Oktober und November stehen noch bevor, da gilt es besonders aufzupassen. Ganz anders sieht es im ersten Quartal eines jeden Jahres aus. Nur in Bärenmärkten werden auch da Lows generiert (2008, 2009, 2000, 2001, 2003). In Bullenmärkten kann ich in diesen Zeiträumen aber auch meine Offence walten lassen (natürlich ohne die Defence zu stark zu vernachlässigen..!)

Insgesamt, das zeigt dieser Chart auch, können die Peaks im NYLOW auch natürlich ein guter Indikator für einen nachhalten Aktienmarkt-Boden sein. Aktuell z.B. könnte das der Fall sein, zumal der S&P gerade an seiner 200-Linie angekommen ist:

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In der Vergangenheit war an diesen Stellen ein gutes bullishes Setup zu finden mit einem sehr guten Risk-Reward.

Das heißt für mich, dass sich hier Käufe durchaus Sinn ergeben, dass aber gleichzeitig bei weiteren Kursverlusten bedingungslos die Reißleine zu ziehen ist, denn sollte der 200-Tage Moving-Average auf Tagesschlussbasis fallen, könnte die Ausgangstür für viele Marktteilnehmer sehr eng werden. Aktuell schreibe ich dem bullishen Szenario eine größere Wahrscheinlichkeit zu, denn die Presselandschaft ist relativ ruhig. Sobald das Thema Griechenland oder China wieder Fahrt aufnimmt, bin ich extremst vorsichtig. Zwischen Bulle und Bär entscheidet wie so oft der MA 200.

Viel Beachtung wird sicherlich in den nächsten Tagen der „Death-Cross“ im Dow Jones finden. (50er Moving Average schneidet von oben den 200er)

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Sollte die Presse dieses Ereignis aufgreifen, wäre auch hier Potential für eine Wende der Marktstimmung. Ich gebe allerdings zu bedenken. Die Backtests dieses Signals sind überwiegend bullish!

Gute Woche!

Trading in einer Range

Zunächst einmal ein Blick auf die letzten 2 Wochen, denn es ging wieder auf und ab. Zischenzeitlich ist das Depot dem All-Time-High wieder nahe gekommen, doch nach dem Kurssturz der Märkte Ende der vorletzten und Anfang letzter Woche (Thema: China), habe ich sämtliche Buchgewinne wieder abgegeben und wurde mit meinem ETF auf den DAX ausgestoppt und konnte dadurch wieder nur einen kleinen Gewinn daraus mitnehmen. Aber immerhin. Gewinn wohlgemerkt.

Die Frage ist nun: Wäre es richtig gewesen die Buchgewinne mitzunehmen Mitte letzter Woche?

Rückblickend betrachtet lautet die Antwort: „Mit Sicherheit ja!“. Im Augenblick des Handels letzter Woche allerdings meine ich, dass ich als Trader fast alles richtig gemacht habe und eigentlich recht zufrieden sein kann mit den Trades, d.h. dass ich alle Regeln eingehalten habe. Damit sind es gute Trades.

Ich erkläre auch gerne auch warum bzw. warum ich mich letzte Woche Donnerstag entschlossen habe NICHT im Gewinn zu schließen, sondern die Gewinner laufen zu lassen. Kurzum, um es auf den Punkt zu bringen: Die Trades waren alle soweit im Gewinn, dass die Möglichkeit bestand die Stopp-Loss Marken auf Einstandskurs bzw. darüber setzen zu können. Alle Trades waren also soweit abgesichert, dass sie dem Depot keine Schaden anrichten konnten (abgesehen von möglichen Gap-Down Eröffnungen, die ein Slippage zur Folge haben). Klar hätte ich die Positionen bei den ersten Anzeichen von Schwäche (sie waren wie gesagt da..!) aber!

Welchen Grund habe ich als Trader meine Gewinner zu schließen und damit zu schneiden? Keinen. Eigentlich. Wäre da nicht die Saison. Wie viele von Euch wissen, bin ich enger Verfechter des saisonalen Tradings. In den Monaten November bis April entstehen oft die großen Trends, in den Monaten Mai bis Oktober oftmals Korrekturen, bzw. „Trading-Ranges“, d.h. eher ein „Gezappel“. Es ist daher oftmals nicht klug in diesen Monaten auf einen Trendausbruch zu setzen, was ich tat.

Das Problem ist, dass sich der Markt, besser gesagt das Marktverhalten jährlich ändert. In diesem Jahr, das zeigt auch der Chart unten war es die richtige Wahl nur kurze, d.h. 2-5 Tage andauernde Swings mitzunehmen und zu schließen. Im Grunde hat sich der S&P nicht bewegt in den letzten 6 Monaten.

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Das Blöde ist auch: Nur weil es richtig war in den letzten 6 Monaten ständig mitzunehmen, muss es noch lange nicht heißen, dass die nächsten 6 Monate genau so ablaufen werden.

Sehr ermüdend. Zum Teil auch frustrierend, vor allem wenn man wie ich Anfang des Jahres den Fehler gemacht hat die Rallye in Q1 vorzeitig zu schließen.Sie lief weitestgehend ohne mich. Mein Wikifolio wäre +40% (!) höher heute. Das tut weh, das soll auch nicht nochmal passieren. Diesen Fehler zu vermeiden ist von da an klar mein Fokus. Aber ich werde wohl noch den ein oder anderen Backtest durchführen müssen, weil ich das Gefühl habe, dass es besser ist im Sommer bei neuen Hochs Gewinne mitzunehmen.

Was bei mir allerdings hängen geblieben ist, war 2013, wer dort im Sommer bei neuen Hochs seine Gewinne mitnahm, hat einen Großteil der Rallye verpasst.

 

2013

Fazit.

Wichtig ist meiner Ansicht nach vor allem eins: Wenn man ein bewährtes System hat, welches ausreichend „backgetestet“ wurde und positive Ergebnisse aufweist, ist es ohne Wenn und Aber zu befolgen. Es wäre sicherlich ein großer Fehler dieses über Board zu werfen, nur weil es gerade keine großen Erträge abwirft.

Meine Tradingprinzipien sind. Signal kaufen, Stopp so schnell es geht nachziehen, und LAUFEN LASSEN. Nur die großen Gewinner führen auch zu großen Sprüngen. Es gilt die Verlierer zu schneiden und die Gewinner laufen zu lassen.

Gute Woche!