Heiße Phase

Es ist wieder höchste Zeit für ein Update. Wir haben eine wie ich finde äußerst interessante Situation an den Märkten vor uns, die – egal in welche Richtung – mit größeren Kursschüben aufgelöst wird in den nächsten 10 Handelstagen. Da bin ich sicher. Auch mit der Gefahr, dass ich den Ausdruck schon oft benutzt habe, wir stehen an einem Bull&Bear Punkt. Was in den nächsten zwei Wochen passieren wird, ist absolut entscheidend. Warum und wieso will ich gern erläutern zunächst einmal mit diesen Chart, den sicherlich >99% aller technisch orientierten Anleger vor sich haben werden:

spx_daily

Man sieht, der MA50 (gelbe Linie) wird sowas von beachtet! Soll mir mal einer sagen, dass Charttechnik keine Relevanz hat an der Börse. Einen Rebound zu traden an dieser Stelle ist nicht nur einladend sondern auch irgendwie auch Pflicht für jeden ambitionierten Trader. Ein klassisches Buy-The-Dip Setup. Trotzdem habe ich am Freitag zum Handelsschluss meine Longs geschlossen. Schlicht, weil in meinen Augen die Verunsicherung durch den shutdown zu groß ist im Moment.

Sollte am heutigen Sonntag eine Lösung herbeigeführt werden können, werden die Futures mit einem Kursfeuerwerk reagieren, da bin ich sicher. Sollte keine Lösung kommen, wäre auch eine Verkaufswelle als Ausdruck der Enttäuschung möglich. Dann wird jeder Trader, der in den letzten Tagen am MA50 eingestiegen ist, knapp unterhalb der Linie seinen Stopp haben. Jedes „Durchtauchen“ mit neunen Lows könnte verheerende Folgen haben wenn die Stopps ausgelöst werden.

Mit den Jahren bin ich etwas vorsichtiger geworden und halte mich aus solchen Patt-Situationen zurück. Eine Münze kann ich besser im Casino werfen… Ich will dennoch nicht verheimlichen, dass ich Stand heute eher bärisch bin. Das liegt vor allem an der Tatsache, dass pünktlich wie immer der Markt am großen Verfallstag gedreht hat. Immerhin wurden seit diesem Zeitpunkt im DowJones schon schlappe 700 Punkte abgegeben. Das ist eine Menge Holz. Mit Verkaufsstart fand auch eine Rede von Beranke statt. Seit dem geht es wie gesagt abwärts. Ich bin nicht sicher was von dem Zeug, was da erzählt wurde, so negativ aufgefasst werden konnte, aber die Reaktion ist nun einmal da. Für mich sieht es nach einem ganz entscheidenden Punkt aus. Jesse Livermore nannte diese Gesamtmarktverändernden Punkte „Pivotal Points“. So einen vermute ich aktuell, aber ob das wirklich der Fall ist, werden die nächsten Tage und Wochen noch zeigen müssen.

Das Überraschungspotential nach unten ist meiner Meinung nach einfach größer. Ich hatte es in der Vergangenheit schon einmal angeführt: Dieses Jahr gab es noch keinen Rückgang zum MA200. Das muss erst einmal nichts heißen, aber wenn man daran denkt, dass nur knapp 10% aller Börsenjahre in jüngster Vergangenheit einen solchen Rückgang NICHT durchliefen, sollte man als Bulle für die nächsten 1-2 Montate den Kissback MA200 auf der Indizes besser in seine Risiko-Liste notieren. Wie gesagt, v.a. weil unter dem MA50 viele, viele Stopps liegen werden und ein Durchtauchen eine Kapitulation auslösen wird.

Mir gefällt auch überhaupt nicht, dass Large-Caps deutlich schwächer sind als Mid- und Small-Caps; Der Dow ist sehr schwadow_bigpicch:

 

Hier näher betrachtet im 4h Fenster und der Retracements:

dow_4h

 

Die eigentliche Aufkaufzone für Rückläufe wurde verpasst. Das halte ich für unbedingt erwähnenswert. Auch im SPX ist die Zone verpasst worden, im Dow allerdings sehr viel „schlimmer“, wenngleich es am letzten verbleibenden Retracement jetzt endlich hält. Ich würde die Schwäche der Lage-Caps so interpretieren wollen, dass institutionelle Anleger ihre Bestände reduzieren. Es ist Vorsicht geboten!

Das Jahr ist bisher auch mehr als gut verlaufen. Der Oktober ist in der Vergangenheit auch berühmt geworden für seine Crashes und großen Rückgänge. 1929 werden die wenigsten von uns miterlebt haben. Vielleicht aber das Ende der 70ger, 1978 und 1979, der Crash in 1987 oder der deftige Abverkauf 1997. Man muss aber auch gar nicht so weit zurück blicken und werfe einen Blick auf 2008. Gut, da war schon Bärenmarkt werden viele Denken, keine Frage. Nur der Vollständigkeit halber will ich es erwähnt haben. Ich bin jedenfalls nicht zuletzt aufgrund der Historie im Oktober lieber eine Spur zu vorsichtig als zu optimistisch.

Auf der anderen Seite haben Bullen sicherlich auch sehr gute und griffige Argumente für eine Fortsetzung der Rallye. Zum einen der wie bereits erwähnt deutlich wahrnehmbare Abprall am MA50, zum anderen spricht für eine neue Rallye einfach die Tatsache, dass das letzte Quartal nun gestartet wurde und Geld einfließen dürfte. Die vergangenen kleineren Rücksetzer hatten stets ein klares „Verunsicherngsthema“. Auch diesmal ist es der Fall und daher denke ich, dass jede Entscheidung der Politik, die ein Ende des Shutdowns oder er Schuldensituation des US-Haushaltes mit sich brint, wieder eine neue große Rallye auslösen wird.

Bis dahin ist Abwarten angesagt – allein deshalb will ich mich nicht unbedingt zu weit aus dem Fenster lehnen.

Gute Woche!

PS: Auch diesmal gibt es natürlich einen Lesetipp. Thema 3D-Drucker als kommende industrielle Revolution.

http://www.welt.de/wirtschaft/article120474302/3-D-Drucker-lehren-die-Logistiker-das-Fuerchten.html