Alle Ampeln auf rot

Der Bär ist da. Und das ist gut so. Das ist deshalb gut, weil mal die überschüssige Luft aus den Märkten gelassen wird. Weil es wieder Lektionen an alle Glücksritter zu verteilen gibt. Und weil wir darauf vorbereitet waren.

Der DAX hat in der letzten Woche mehr als-10% verloren und damit die gesamten noch vorhandenen Jahresgewinne hergegeben. Es war die schwächste Wochenperformance seit über 4 Jahren! 500 Punkte fehlen noch, dann wäre auch 2014 egalisiert. Das wird viele konzeptlose Anleger wieder nervös werden lassen. Ich bin sicher, dass viele bereits schwitzen. Spätestens wenn der Marktrückgang stärker in der Presse thematisiert wird, wird aus Schweiß echte Angst.

Einige Dinge bleiben aber: Nein, die Welt geht nicht unter. Nein, es gibt keinen Crash – es wäre sehr dumm auf ein solch unwahrscheinliches Ereignis zu wetten. Aber es ist eine große Korrektur angebrochen und es gilt Entscheidungen zu treffen. Vor allem aber gilt da zu sein wenn die Märkte wieder zu Käufen einladen. Denn so eine Baisse hat einen reinigenden Charakter. Sie macht die Aktien wieder günstig und attraktiv und sie bietet wieder Nährboden für schöne, lange Trendphasen.

Doch soweit ist es noch nicht – vielleicht noch lange nicht, das weiß niemand. Die Märkte haben in der letzten Woche aus markttechnischer Sicht zunächst einmal eine klare Bestätigung einer beginnenden Baisse gezeichnet. Ich habe insgesamt 3 einfache Indikatoren dafür (weiter unten). Alle 4 sind auf rot gesprungen.

  1. EMA 13/34 weekly
ema13_34
Der Klassiker: Moving Average 50 und 200, die nächste Woche kreuzen werden
ma50_200
Bollinger Bänder in der Monatsauswertung
bollinger_monthly
Last, not least der NYAD Linie (basiert natürlich auf den US Daten, nicht auf den Deutschen Aktienmärkten):
nyad_cumulative

Es tut sich Großes! Bedenkt man den aktuellen Stand des sg. “Shiller P/E”, siehe mein Jahresausblick auf 2015, könnte aktuell ein neuer Bärenmarkt gestartet sein, der die historisch zweithöchste jemals gemessene  Aktienmarktbewertung auf ein niedrigeres, “normaleres” Niveau bringt. Ich halte es aufgrund dieser Sachlage für nicht unwahrscheinlich, dass es in den kommenden Monaten nochmal deutlich tiefer geht. Wird sich alles zeigen müssen…

Ihr wisst, ich betreibe Market-Timing. Mit den Jahren habe ich gelernt worauf es dabei ankommt, denn Market-Timing ist einer langfristigen Buy-and-Hold Strategie in 4 von 5 Fällen unterlegen. Das zeigen auch die Performances der Fondsmanager. Tradinggebühren, Steuern und Handelsfehler müssen nun mal erst einmal egalisiert werden. Handelskosten hat eine einfache Strategie, die beispielsweise immer zum selben Datum den DAX kauft (z.B. 1x jährlich) nicht. Über die Jahre stellt sich dann ein jährliches Wachstum von ca. 7-8% ein, ohne dass man was dafür etwas tun muss. Wäre da nicht das Problem des Drawdowns und der eigenen Psyche. Denn eine Strategie, die wie oben beschrieben jährlich den DAX oder den S&P kauft, durchläuft auch Bärenmärkte und dann ist ein Depot auch plötzlich mal in einem Jahr nur noch die Hälfte wert und das wird für viele, die sich über die langfristige Auslegung nicht im Klaren sind, schnell zum Problem.

Meine Auffassung von Market-Timing ist, dass man v.a. die extrem kritischen Marktphasen, die Bärenmärkte bereits in der Entstehung erkennt und folgerichtig in der Lage ist “seine Sachen zu packen” und Cash oder short zu gehen. Ich bin aufgrund der oben beschriebenen Indikationen der festen Überzeugung, dass wir am Anfang einer solchen Phase stehen könnten. Deshalb packe ich meine Sachen zusammen und schaue erst einmal zu, ob sich die Schwäche in den nächsten 1-2 Monaten so bestätigen wird. Worauf schaue ich da? Ganz einfach, den Moving Average 200. Wird die kommende Erholung am MA200 gestoppt und dreht wieder nach unten, dann halte ich einen neuen Bärenmarkt für bestätigt. Dann werde ich in 9 von 10 Fällen shorts handeln.

Für mein Wiki weiß ich, dass es richtig war defensiv zu agieren. Ich ärgere mich wie verrückt zu geizig gewesen zu sein für shorts – ich wollte am MA50 erst short rein, aber es drehte vorher. Aber ich habe mein Depot geschützt, zwar keine Rendite einfahren können mit dieser Bewegung, aber ich bin in Cash und kann den Dingen gelassen zu sehen.

Saisonal könnte es noch bis Ende Oktober weiter so hochvolatil zugehen wie bisher. Auch in der kommenden Woche dürfte es wieder kräftige Bewegungen im Bereich von 2% geben. Sowohl nach oben als auch nach unten. Das ist normal nach solchen Einbrüchen. Besonders im Intraday-Bereich muss die Positionsgröße darauf abgestimmt sein.

Viel Erfolg!