Der Plan B – TradingKnowHow

Posted by Lukas On August 25, 2015 Kommentare deaktiviert für Der Plan B – TradingKnowHow

Erstaunlich. Immer wenn die Kurse runter rauschen, steigen die Zugriffszahlen auf meinen Blog. Mich würde wirklich mal interessieren wie deutlich sich das bei den größeren deutschen Börsenforen verhält.

Ich möchte es gar nicht abwertend kommentiern, im Gegenteil. Viele Leute wurden bei einem starken Rückgang „auf dem falschen Fuß erwischt“ und ich hoffe, dass der folgende Beitrag für jemanden der erwischt wurde, einen Mehrwert generiert.

Es lohnt sich wirklich mal kurz über den genannten Satz nachzudenken. „Ich wurde mit meinem Investment auf dem falschen Fuß erwischt.“ Wie kann das sein? Wie konnte es soweit kommen, dass ich überhaupt auf dem falschen Fuß erwischt werden konnte?“ Meine Erfahrungen dazu:

Ich würde sagen 9 von 10 Anlegern (reines Bauchgefühl) kaufen aufgrund von Überzeugungen. Teils wurden „heiße Tipps“ gekauft, teils konservativ Dividendenaktien, teils Überzeugungen von neuen Trends, z.B. 3D-Technik-Aktien, Elektroautoaktien usw. Oder es fanden „Investments“ statt als echte Wetten. Aktuell beispielsweise lese ich immer wieder über Öl-Wetten. Öl ist schon soweit gefallen, weiter geht es ja nicht mehr. Und man kauft ohne sich der Tatsache wirklich bewusst zu sein ins fallende Messer. Weil man gehört hat es wäre klug nicht mit der Masse zu schwimmen.

Der Durchschnittsanleger bildet sich eine Meinung, ein Plan A, z.B. „Öl muss jetzt steigen“, und kauft daraufhin Öltitel. Jetzt sinkt Öl aber weiter und auch die Aktienmärkte und wenn das massiv passiert, wie letzte Woche, merken dann viele: „Hoppla, ich hatte nur einen Plan A.“ Es gibt auch sicherliche so einige, die nicht einmal zu dieser einfachen Feststellung kommen, weil sie nicht in der Lage sind zu refletieren. Und dann werden Gründe gesucht. Z.B. in Foren. Oder in Blogs. Oder es werden gleich andere verteufelt.

Aus psychologischen Gründen müssen die Menschen als erstes die Ursachen des Abstiegs verstehen. Die Suche des Schuldigen beginnt. „Warum ist es letzte Woche gefallen?“.

Ich frage zurück: Braucht ihr diese Begründung wirklich? Wie hilft sie weiter? Aktuell wird China als „Ursache“ angeführt. Jetzt versteht der Durchschnittsanleger, ok gut, China hat den Fall letzte Woche ausgelöst. Die eigenen Aktien sind aber immer noch 30% rot im Depot. Also Frage ich zurück: Was hilft es die Ursache für den Rückgang zu kennen? Was bedeutet das für die Entwicklung des Depots für morgen, übermorgen, nächste Woche, nächsten Monat und nächstes Jahr?

Statt der Frage nachzugehen wodurch ein Ereignis hervorgebracht wurde, macht es mehr Sinn sich zu fragen was sich stattdessen hätte ereignen können. Der Drang zu kausalen Denken macht uns anfällig für die richtige Beurteilung von Zufallsereignissen und nichts anderes fand letzte Woche statt. Heute Nacht hat die chinesische Zentralbank den Leitzins gesenkt. Der Dax reagiert mit +4 (!) Prozent. Auch das ist ein Zufallsereignis.

Merke: An der Börse werden keine Gründe gehandelt sondern Preise. Nur der Preis zählt und nichts anderes. Die Suche nach Ursachen ist unendlich und hilft überhaupt nicht weiter! Kümmere dich um den Preis, nicht um die Ursache des Preises.

Manch ein Hobbybörsianer ohne Konzept und ohne Plan B wird jetzt wahrscheinlich wie verrückt nachkaufen. Es heißt ja, dass es Sinn macht in Rücksetzer zu kaufen. Ja, das macht es sehr oft. Aber was wenn diesmal nicht? Was in den nächsten Wochen geschehen wird, sind wieder Zufallsereignisse. Alle mit gewissen Wahrscheinlichkeiten behaftet, aber unterm Strich Zufälle. Daher lohnt es sich zurück zu treten und sich zu fragen: „Was mache ich wenn es anders kommt? Wann ist meine Handelsidee dahin? Wie viel darf mich das kosten?“

Aus meiner Erfahrungskiste will ich folgendes zu bedenken geben:

Wer die kausale Schiene fährt und meint die Welt wäre mit Chinas Leitzinssenkung gut, alle Ursachen für den Rückgang (lol!) wären beseitigt, schaue sich bitte mal an wann in jüngerer Vergangenheit Leitzinsen gesenkt wurden und erinnere sich wie sich die Aktienmäkte in den 2-3 Jahren darauf entwickelen. 2000 und 2007 fanden das letzte mal solche Aktionen statt, siehe Chart (Quelle: finanzen.net)

leitzins

Ich finde es auch höchst bemerkenswert, dass plötzlich alle über einen Crash sprechen. Die Aktienmärkte haben gerade mal 10 Prozent korrigiet. Das ist kein Crash sondern völlig normal. Es ist aber scheinbar so, dass sich jeder an ständig steigende Kurse gewöhnt hat und nun überrascht, weil ohne Plan B, da steht.

Wenn ich eine Weisheit über den Wertpapierhandel nennen dürfte, dann wäre es diese hier:

THERE IS NO FREE LUNCH!

Für den Erfolg braucht ein klares Tradingkonzept, einen Plan oder wie auch immer man es nennen will, welcher diese Zufallsereignisse berücksichtigt und klare Anweisungen generiert. Wenn sich jemand ertappt fühlt und merkt, dass er auf diesen normalen Rückschlag nicht vorbereitet war, dem kann ich nur empfehlen genau jetzt die Hausaufgaben fürs nächste Mal zu erledigen und nochmal genau hinterfragen wie das Gesamtkonzept des Tradings, welches u.a. dem Anspruch der Reproduzierbarkeit genügen muss, aussieht.

Viele Zocker lachen oft über strategische Langzeitanleger, die sich mit 5-30% Rendite per anno zufrieden geben. In Wahrheit sind diese den Zockern allerdings weit voraus. Wer beispielsweise den DAX immer am gleichen Tag eines jeden Jahres kauft und zwar völlig unabhängig wie die Kurse gerade stehen, ist dem Zocker, der Tipps hinterher jagt (am besten noch mit KO-Zertifikaten) und keinen Plan B hat, um Welten vorraus. Einfach weil er unabhängig von Emotionen agiert. Ein Waren Buffett tut dies übrigens ebenso unabhäng. Der Zocker hat nach solchen schnellen Rückgängen ein blaues Auge mit -30% im Depot und in der hochvolatilen Findungsphase, die uns jetzt bevor steht, verzockt er weitere 50% des Depots und wendet sich i.d.R. dann ab.

Wie schon gesagt, genau diese Marktphasen sind für die persönliche Entwicklung der Skills unendlich wichtig. Skill Nr. 1, Nr. 2 und Nr. 3 lautet: Schütze dein Depot!

Wie geht es weiter? Mein Marktkommentar

Aktuell haben wir einen Rückgang, der ähnliche Strukturen aufweist wie der aus 2011. Bedeutet, dass, wie schon erwähnt, nun eine Findungsphase beginnt. Sie zeichnet sich mit extremer Volatiltät aus. Nach oben und nach unten, siehe VIX in 2011:

vix_2011

In 2011 habe ich den Fehler gemacht, dass ich die zwei Monate nach dem starken Rückgang meine Positionsgrößen nicht reduziert habe. Ein großer Fehler, der viel Lehrgeld kostete. Daher: Hinweis Nr.1: Positionsgrößen überprüfen auf neue Schwankungsbreite der Märkte. Wenn’s nebelig ist auf der Autobahn fahre ich auch nicht 250.

Hinweis 2: Es ist möglich, dass alles vorbei ist und die Kurse wieder nach der Findungsphase anfangen zu steigen. Es ist aber auch möglich, dass es noch weiter runter geht. Es gehört ein Plan A und ein Plan B in den Werkzeugkoffer einschließlich der passenden Antworten. (Was mache ich wenn..)

Hinweis 3: Ein echter Boden wird sehr oft getestet. Bisher steht der Markt auf nur einem Bein, das zweite dürfte nochmal ausgebildet werden. Vorzugsweise am 50% Retracement könnte ein erneuter Angriff auf das Low starten.

Hinweis 4: Mir hilft es zurück zu treten und in aller Ruhe zuzusehen, wie der Markt anfängt neue Setups auszubilden. Derzeit weiß ich nur: Der langfristige Trend ist gebrochen. Hier ist keine Eile geboten. Die Charts müssen „heilen“ und dazu braucht es Zeit. Mein Bauchgefühl sagt: Bis mindestens Oktober.

Hinweis 5: Die Kurse sind unterhalb MA 200. Dies ist kein Bullenmarkt mehr. Dies ist ein Markt für Value Investoren und Kurzfrist-Trader.

Hinweis 6: Die nächste fundamental wichtige Entscheidung ist die der amerikanischen Notenbank. Bis dahin werden die Märkte sehr wahrscheinlich volatil bleiben.

Hinweis 7: Mir gibt es zu denken wenn die Politik die Börse thematisiert. Bundeskanzlerin Merkel hat am Sonntag die Aktienmarktentwicklung kommentiert. Das ist kein gutes Zeichen – sagt mein Bauch. Die chinesische Regierung versucht es mit Mindeshaltefristen. Solche Geschichten gehen zu 100% nach hinten los. Jeglicher Verusch den Markt zu beeinflussen rächt sich. Beispiele gibt es dazu geüngend. Kürzlich die Schweizer, die den Franken stützen wollten. Dagegen zu wetten ist und bleibt sehr lukrativ mit ein weing Sitzfleisch.

Hinweis 8: Niemals vergessen: Wenn der DAX 10% einbricht, dann nicht weil es mehr Verkäufer als Käufer gibt. Zu jedem Kurs gibt ein Käufer-/Verkäufer-Pärchen. Es heißt nur, dass viele bereit waren bei niedrigen Kursen ein Tauschgeschäft der Wertpapiere einzugehen. Das hat nix damit zu tun, dasss „alle raus wollen aus Aktien“. Für jede verkaufte Aktie gibt es einen Käufer, für jede gekaufte einen Verkäufer.

Hinweis 9: Mir hilft: Kühlen Kopf bewahren, Abstand nehmen. Keine emotinalen Investments vornehmen. Charts heilen wieder, sie brauchen Zeit dazu. Klare Möglichkeiten kommen mit der Zeit. Kasino braucht niemand vorm Rechner – das geht eleganter mit Frack, Zylinder und Fliege.

 

In diesem Sinne!

Lukas

 

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