“Beruhigung der Märkte”

Diese Überschrift ist das Erste was mir einfiel, weil ich es ungefähr 20 Mal am Wochenende aus dem Munde unserer kompetenten Poliker gehört habe. Wir müssen “die Märkte beruhigen”. Was ein Unsinn! Manche Leute nehmen sich einfach zu wichtig vielleicht.. Zu aller erst einmal müsste man den ein oder anderen Poliker beruhigen und auch nicht jeden Volldeppen zu jedem Thema vor die Kamera lassen. In meinem Beruf muss man sich für die Bewältigung von Aufgaben qualifizieren, in der Politik dagegen ist ein Gesundheitsminister (=Experte??) nur Wochen später Wirtschafts”experte”. Die Maßnahmen bleiben mit diesen Vorraussetzungen ähnlich intelligent. Shorts werden verboten (fallende Kurse sind ja schlecht) und in den Nachrichten hieß es “Politik sagt den Spekulanten den Kampf an!” Na denn prost!

Die Krise 2008 war bedingt durch eine Überschuldung privater Haushalte. Die Kreditausfälle haben die ohnehin schon extrem dünnen Eigenkapitaldecken der Banken -Basel Regeln sei dank- stark angefressen und sehr viele Banken (glaube es sind über 300 US-Banken mittlerweile) in den Konkurs geschickt. Mitte 2007 war im Bankenindex das erste mal zu sehen, dass irgend etwas nicht stimmt:

Der Markt – besser gesagt, die Marktteilnehmer – haben auf Verwerfungen noch VOR Ausbruch der Krise hingewiesen. Auch die Begründung dafür ist einfach, denn große Institutionen wie Fonds, Versicherungen o.ä. kennen in aller Regel die Bücher der Unternehmen sehr genau in die sie investieren . Sie kennen die Risiken (auch die Versteckten!) und als mehr oder minder “Insider” sind sie die ersten, die diese Investments beenden, was sich als Verkaufsdruck im Chart widerspiegelt. Der Markt, also die Summe der Informierten, ist nichts anderes als ein Frühindikator und er funktioniert so gut wie kein anderer. Dafür gibt es unzählige Beispiele, in 2010 z.B. habe ich z.B. auf die Expertenmeinung zu Griechenland-Bonds hingewiesen…

Und wie sieht es heute aus? Hier der Bankenindex seit Crash-Ende 2009:

Die Erholung zeigt sich bestenfalls als eine Korrekturbewegung. Sie schafft es gerade einmal 50% des ersten Abwärtsimpulses 2007-2009 aufzuholen. In den letzten Wochen wurde nun die wichtige Unterstützung bei 42 Punkten gebrochen, dazu der “death cross”. Erneut zeigt sich der Markt als Frühindikator, der andeutet, dass da was nicht stimmt in der Matrix.

Was können die Ursachen sein, dass die “Besserinformierten” 1. nicht massiv in Bankenwerte gegangen sind und 2. wieder der Verkaufsdruck auf Banken zunimmt?

Ich glaube, dass sie wissen, dass das Eigenkapital der Banken sich nicht grundlegend verbessert hat. Siehe CEPS Ergebnisse/Stresstest. Im Wesentlichen wurden doch lediglich Bilanzierungsvorschriften verändert die eine Vertuschung von Risiken erleichtern. Stille Reserven in der Bilanz sind zu stillen Risiken geworden. Zweitens: Banken stecken Hals über Kopf in Staatsanleihen, weil sie als sichere Investments galten (wohlgemerkt: galten!). Hier lauert extremes Risiko. Viele Staaten werden sich nur über Umschuldung befreien können, zu Lasten der Gläubiger (=Banken). Zudem werden ringsum Sparmaßnahmen verkündet, die in Summe erst einmal rezessiv wirken. Siehe Griechenland mit -7% (!) aktuell. Ein Default eines Staates oder mehrerer Staaten würde angesichts der immer noch mauen Eigenkapitalausstattung kaum aufgefangen werden können und ich glaube, dass es das ist, was der Chart da oben verraten will.

Langfristig also, d.h. auf Sicht von 12-36 Monaten, bin ich sehr skeptisch, da mir zum einen die Politik nicht den Eindruck vermittelt sich der ersten Lage bewusst zu sein und auch die richtigen Führungskräfte zur Bewältigung der strukturellen Probleme an Board zu haben und zum anderen sind es die weiter zu geringen Eigenkapitalreserven der Banken, die zwar geringfügig aufgebessert wurden, aber für einen Staatsbankrott grenzwertig sind.

Kurzfristig sollte es eine volatile Gegenreaktion geben in Form eines typischen Rücklaufs zum MA50. Ab da muss man wieder weiter schauen. Der VIX zeigt jedenfalls etwas Erholung und kommt zurück. Ich bin gespannt was weiter passiert, die Ähnlichkeiten mit dem Start der Bankenkrise sind jedenfalls verblüffend. Damals startete es Bear Stearns, es folgte der Crash über Lehman Brothers. Heute lässt sich das ummünzen auf Start mit Griechenland hin zu USA Abstufung und der Crash über? Wir dürfen gespannt sein. Augen auf!

5 Gedanken zu „“Beruhigung der Märkte”

  1. Schön beschrieben@Lukas1

    Die Charts sehen weiterhin nicht gut aus und wenn ich durch die Bank lese, Kaufkurse, ausser vielleicht eine Handvoll die das Gegenteil sagen, dann wird mir etwas mulmig, was da noch auf uns zukommen könnte.
    Ich gehe in der Tendenz von einer volatilen Seitwärtsbewegung bis Anfang/Mitte Okt. aus, mit eher fallender Tendenz und ab Okt. dann mit steigenden Kursen bis ins Frühjahr 2012. Der Markt wird Notenbanker wohl zum QE3 zwingen und mehr, man sieht es ja schon an der Schweiz was Phase läuft, Kopplung des Franken an den Euro und dazu noch die gesellschaftlichen Veränderungen in den islamischen Ländern und wenn ich noch an die hohe Jugendarbeitslosigkeit in USA und EU denke, da ist noch reichlich Konfliktpotential, welches sich auch auf die Märkte auswirken werden.
    Weiterhin spannende Zeiten stehen vor der Tür.

    Zum Schluss die Amis und Dax bilden in ihren Charts schöne Keile, werden die Tageshochs heut nicht pulveresiert oder spätestens Morgen, dann dürfte es diese Woche nochmal zu neuen Tiefs kommen.

    Good Trades

  2. Kaufkurse. Ja warum nicht. Der Zeithorizont macht’s doch. Auf Sicht von Monaten sind das hier unten sicher keine Kaufkurse meiner Meinung nach, aber auf Sicht von 1 bis x wenigen Wochen spricht z.B. das Sentiment für eine Erholung. Ich glaube wie gesagt, dass es nochmal einen Touch des MA50 geben wird, bevor die nächste große Abwärtswelle startet. Der MA ist noch weit entfernt.

    hier der link zum Sentimentchart:
    http://www.ariva.de/aaii_a429877
    auch bullish für diese Woche: Seasonality
    http://lh6.ggpht.com/-_6-ID3AQyfw/TkRqmDnpz5I/AAAAAAAALac/pIQXhZ8myt8/s1600-h/Seasonality%25255B2%25255D.png

    Viel Erfolg. Meine Wochengewinne sind bereits eingefahren mit dem Ausburch vorhin. Trades geschlossen, nun wird abgewartet ob es nochmal zurück kommt bis 1290 und ob es da als Unterstützung wirkt.

  3. Schön geschrieben und mal ehrlich wenn Politiker sich äussern ist es eh nicht ernst zu nehmen. Was sollte es den Markt kümmern was da irgendein, rethorisch zwar geschulter aber ansonsten von Fachwissen vollkommen befreiter Volksverteter von sich gibt. Klar müssen sich die Märkte beruhigen, aber das werden sie eh. Also für alle die nun auch nicht mehr shorten wollen und klugerweise den Einstieg auch nicht übers Knie brechen, ist es doch eine tolle Zeit: Zurücklehnen, Tee trinken und sich das Tohuwabohu in Ruhe mit angucken.

  4. Danke und schöne Seite, MACDalchow!

    Bin heute Nacht aus den longs ausgestoppt worden. Ärgerlich, weil ich gestern gezögert habe die Buchgewinne mitzunehmen. Habe lediglich nach Regeln die Stopps auf Einstand gezogen, trotzdem waren zwei Positionen mit insg. 160Pips vorn, die nun weg sind. Das ärgert und hat heute Arbeit verursacht.
    Bin long bei 1185 und habe bei 1194 bei Gap-Close-Versuch vorhin wieder gegeben.
    Ich glaube, dass gestern das A (nach Elliott) markiert wurde. Sollte etwas korrigieren bis morgen vielleicht. Kurse über 1180 bleiben aus meiner Sicht denoch bullish, darunter werde ich shorten für ein Paar wenige Punkte. Ich glaube, dass die Marktvola aktuell die schnelle Rein-Raus-Nummer erfordert. Hätte es eigentlich schon gestern wissen müssen. Total überkauft kurzfristig

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