Die Welt dreht sich

und es ist definitiv besser mitzudrehen – will man an der Börse nicht abgehängt werden. Der Tag gestern z.B. war in vielerlei Hinsicht bemerkenswert. Nicht nur, dass es ein roter Handelstag zwischen Weihnachten und Neujahr war (gab es in den letzten 2 Dekaden nur ‘ne Hand voll davon) aber auch die Art und Weise und die interne Struktur bestätigten mich erneut in der Annahme, dass sich das gesamte Marktverhalten in den letzten Jahren doch sehr, sehr stark verändert hat. Gestern war erneut ein 9:1 Down-Volumen Tag, ein völliger Abverkauf.

Während vor einigen Jahren sowas alle Alarmglocken läuten ließ, scheint das in der heutigen Zeit fast schon normal zu sein, hier mal eine Statistik der extremen Tage mit 9:1 Volumen:

Jahr
Up
Down
Total
2003
3
2
5
2004
2
1
3
2005
0
1
1
2006
4
1
5
2007
9
14
23
2008
9
26
35
2009
14
19
33
2010
20
19
39
2011
7
19
25

Erstaunlich oder? Was könnte der Grund dafür sein, dass ausgerechnet ab 2007 sich der Markt so fundamental von seiner Gangart ändert? HFT werden viele schreien, aber das ist es nicht, denn HFT kam nicht von heute auf morgen und meiner bescheidenen Meinung nach hat HFT nur im Sekundenhandel Auswirkungen.

Es ist die Abschaffung der “Up-Tick-Rule” der SEC, nach der ein Leerverkauf von Aktien nur dann gestattet war wenn sie im höheren (oder gleichen) Kurs stattfand – im sg. Up-Tick. Seit der Abschaffung kann auch in fallende Titel leerverkauft werden und wie man sieht wird das auch fleißig praktiziert.

Die Folge ist natürlich auch ein Anstieg der Up-Volume Tage, da dies sehr häufig short-squeeze Tage sind, d.h. shorties decken “um jeden Preis”. Nicht selten sind das Starts von großen Trends. Zu sehen u.a. auch in KW50 dieses Jahres zum Start dieser wunderbaren Rallye.

Auch intern haben diese Tage sehr häufig die selbe Struktur. Werfen wir mal einen Blick auf den 2-Min Chart von gestern:

Die Gemeinsamkeiten sind meist: Sofortiger Abverkauf seit Handelsstart bis zum Mittagessen (12Uhr NewYork-Zeit, 18 Uhr Berlin-Zeit), ab 19 Uhr Versuch einer Gegenreaktion wenn die dicken Amis vom Essen wieder kommen, da selten jemand zum Essen positioniert geht (daher auch die Deckungen um 18Uhr). Diese Gegebewegung dauert ca. 60-90 min und bietet Möglichkeiten wieder in den (Tages-)Haupttrend zu kommen. Es folgt der Abverkauf bis zum Handelsende in den letzten 90-120 Handelsminuten, allerdings ist der große Teil der Bewegung da schon gelaufen. Nicht desto trotz kann man mit wenigen Punkten auch hier eine Menge Geld machen…

Wenn man nicht VOR einem solchen Tag auf der richtigen Handelsseite stand, bieten sich mit diesem Bild zahlreiche Trading-Möglichkeiten auch auf größerer Zeitebene. Eine meiner Liebsten ist der short-Einsiteg zum Handelsschluss, denn in gut 3/4 der Fälle folgt am nächsten Tag ein lower low, allerding gibt es auch Ausnahmen so wie gestern, als ich direkt long bin zum Handelsschluss. Grund ist z.B. ein extremer TRIN oder das Setting ggü. Moving-Averages.

Wie auch immer, es zeigt, dass mit der Regeländerung der Up-Tick Rule der Handel deutlich kurzfristiger, geradliniger und deutlich volatiler geworden ist. Ein Wochengewinn kann innerhalb von 4 Handelsstunden komplett aufgesagt werden und so bin auch ich kaum länger als 3-4 Tage im Markt da für mich nichts schlimmer ist, als einen Buchgewinn wieder abgeben zu müssen. Ich kann so langsam auch verstehen, warum viele nicht kontinuierlich mit einem System bis ins hohe Alter traden können, denn sobald sich das Umfeld ändert, muss man es ebenfalls tun. Man muss vor allem in der Lage zu sein um zu begreifen, dass sich das Umfeld ändert. Oder man schaut hier im Blog vorbei, da kriegt man es erklärt…

In diesem Sinne! Einen guten Rutsch wünsche ich. Rutsch darf diesmal auch long verstanden werden

2 Gedanken zu „Die Welt dreht sich

  1. und kaum schreibe ich, stimmt die Tabelle mit dem Tagesschlusskurs von heute wieder nicht mehr. Das war also dann der achte Up-Volume Tag dieses Jahr, wie oben beschrieben aufgrund des short-squeeze nach dem gestrigen “überraschenden” Abverkauf. Morgen wird es rot. Nicht stark aber rot. Für mich gilt nach wie vor: buy the dips.

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