Lang ist’s her

Fast schon unangenehm sich nach so einer langen Zeit wieder zu melden..!

Ich hab’ ein Paar interessante Monate hinter mir. Die Erinnerungen, die mit der Börse verknüpft sind, sind aber alles andere als positiv. Immerhin bin ich um die Erkenntnis bestätigt, dass ich nach wie vor Bullenmärkte nicht traden kann. In mir gilt es noch den Bären zu besiegen. Ein Kampf, der schon gute 2 Jahre dauert. Der Weihnachtsurlaub beginnt dieses Jahr etwas früher für mich und eine Woche davon werde ich der Aufarbeitung der Fehler widmen müssen. Ich bin extrem unzufrieden dieses Jahr. Ich kann es kaum glauben, dass ich insgesamt in einem Jahr mit 30% Plus (SPX mit 34% derzeit) eine rote Zahl vor dem Komma stehen habe. 8% bin ich im Minus derzeit seit Januar.

Eine der Erkenntnisse, die ich schon gezogen habe, ist, dass Erfolg direkt mit Arbeit verbunden ist. Aber nicht nur das. Reine Arbeit steckt der durchschnittliche Börsianer auch in den Markt. Wenn man zu den 10 oder 20% der Überdurchschnittlichen gehören möchte, dann muss man Passion ja fast Obsession ins Rennen werfen. Durchschnittlicher Arbeitseinsatz liefert maximal durchschnittliche Resultate. Die Lektion gilt es zu lernen dieses Jahr.

Die nächste Lektion, die ich ziehen darf ist, wäre die saubere Dokumentation. Ich habe im vergangenen Jahr z.B. sehr intensiv an meinem Tradingbook gearbeitet. Dieses Jahr war ich besonders in diesem Bereich echt undiszipliniert. Insgesamt konnte ich das bewusste Runterfahren meiner Tradingsaktivitäten über den Sommer nicht wirklich wieder auf das alte Niveau wieder zurück fahren. Das gilt vor allem für die Arbeit rund um die Tradingbook-Analysen.

Das Ganze soll hier nicht in einem Selbstgeheule enden, sondern hat eine Botschaft. Denn ich sehe zwischen dem extrem erfolgreichen letzten und dem ebenfalls sehr erfolgreichen vorletzten Jahr im Vergleich mit diesem hier vor allem diese zwei Unterschiede: Passion was den Arbeitseinsatz betrifft und Disziplin bei der Abarbeitung der Hausaufgaben. Rückblickend betrachtet sind diese beiden Faktoren nun klar diejenigen, die den Unterschied ausmachen zwischen Erfolg und Misserfolg wenn ihr mich fragt. Gerade wenn ich mir den November anschaue, den ich nach drei vorherigen Minusmonaten positiv schließen konnte, scheinen diese Schlussfolgerungen zumindest nicht ganz falsch, denn die Performance hat endlich wieder gepasst und die Marktbedingungen waren ähnlich. Der Arbeitseinsatz war auch gefühlt Faktor 10 höher… Der Bruch kam klar mit der Sommerpause, die keine echte Pause war, sondern ein auf 20% heruntergefahrener Arbeitseinsatz. Das werde ich nächstes Jahr anders machen. 2 Wochen null Trading und danach wieder 100%. Halbe Sachen gibt es nicht mehr.

Kommen wir zum Markt, da tut sich nämlich wieder einiges. Zunächst einmal: Nein, ich rufe nicht das Top aus. Das Top erwarte ich im Januar wenn die Diskussionen rund um den Haushalt der US-Kommunen wieder entfachen werden. Bislang habe ich seit der letzten Vertagungsentscheidung keinerlei Bewegung hin zu einer endgültigen Lösung bei den US-Komikern ähh .. Politikern sehen können. Die Märkte interessiert das aber noch nicht und wenn es keinen Grund für eine Massenumstimmung gibt, gibt es auch keinen Grund auf ein Drehen des Marktes zu spekulieren. Fertig aus. Was durchaus möglich ist, wäre aber ein leichter Rückgang bis in den 1760er Bereich. Dazu braucht es einen roten Montag. Wenn Freitag und Montag rot sind, sind das sehr gute Indikatoren für eine anstehende Korrektur. Auf der anderen Seite ist Monatsanfang und daher haben die Bullen auch ein Wörtchen mitzureden am morgigen 2.12.

Der letzte rote erste Handelstag beim S&P war im Mai (!!) – die letzten sechs also alle grün. Soll mal einer sagen, dass man mit der First-Trading-Day Strategie kein Geld machen kann. Ich halte mich morgen raus und bin erst zum Handelsschluss am Start. Bei einem roten Montag springe ich in Shorts. Ein Schluss unter 1800 wäre auch psychologisch ein Seitenhieb für Bullen. Wie auch immer, die Message hier soll sein: Selbst wenn der Markt die Woche dreht, ins Bodenlose stürzt er sicher nicht. Spätestens Mitte Dezember werden Bullen auf eine Year-End Rallye wetten und ich oute mich: Jedes Jahr warte ich auf diese extrem lukrativen letzten Handelstage. Ich liebe es sie zu handeln!

2013_emas

Wichtige Erkenntnis dieses Jahr ist auch. Wir haben eine 99’er Börse. Da interessieren keine Saisonalitäten, keine Überkauft-Indikatoren, keine Sentimentanalysen, keine Volatilitätstiefstwerte. Es steigt einfach. Die siebte Woche in Folge übrigens. (die Chancen auf eine 8. Woche liegen bei unter 5% übrigens, aber dem Markt ist alles zuzutrauen…). Gemessen seit Low im März 09 ist dieser Bulle hier bereits der dritt größte der Geschichte!

Dann mal eine Gute Woche euch allen!

 

3 Gedanken zu „Lang ist’s her

  1. Entscheidung heute: Keine Position. Shorts hier an der Stelle (am S2 Pivot) viel zu riskant. Zudem haben im DOW die 16.000 und im S&P die 1800 gehalten im ersten Anlauf.
    Ein bärischer Swing beginnt im Dow bei unter 15.900 Punkten. Alles dazwischen ist Geplänkel und ohne jeden Vorteil für mich. Weder Long noch short

  2. Hallo Lukas,
    toller Artikel. Es tut mir zwar ehrlich leid zu Lesen, dass Du eine negative Performance aufzuweisen hast, aber Deine Selbstreflexion ehrt Dich. Die wenigsten sind mMn dazu in der Lage und Schluss ist erst, wenn das Depot bei 0€ steht.
    Allerdings möchte ich Dir in einem Punkt widersprechen : Die Börse belohnt den Fleiß Deiner Arbeit leider nicht. Du kannst noch so sorgsam sein,stundenlang analysieren und dann doch vom Markr überrascht werden.
    Disziplin gehört meiner Meinung nach deshalb zu der Tugend, die über Erfolg oder Misserfolg entscheidet.
    Gruss
    Christian

  3. Hallo Christina,

    ich glaube wir meinen das gleiche. Was ich sagen will, ist, dass es nichts geschenkt gibt an der Börse. Der eine nennt seinen Einsatz “Fleiß” der andere “Disziplin”. Ich glaube gemeint ist das selbe.

    Für mich bedeutet das die Trades, die man durchführt genaustens durchzuplanen und abzuwägen, auf vorteilslose Geschäfte zu verzichten und nicht das große Rad drehen zu wollen.

    Grüße, Lukas

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