Gedanken zu KW37

Der Start in den September konnte aus Bullensicht kaum besser sein. Mehr als 6% konnten die wichtigsten Indizes schon zulegen. Das drittbeste Ergebnis der Geschichte, wie auch u.a. Bespoke in einem äußerst interessanten Artikel berichtet. Leider konnte ich an dieser rückwirkend betrachtet relativ unkomplizierten Bewegung viel zu wenig partizipieren. Trotz klarer Long-Signale habe ich zu lange auf eine kleinere Korrektur gehofft, bis mir die Kurse schließlich weg liefen. Ein short war dann zwar erfolgreich ( von 1002-1094), aber auch diese kurze 1-Tages-Korrektur habe ich falsch eingeschätzt, denn ich wettete auf ein ABC, d.h. einen zweiten Move down bis in den Bereich von 1080. Das Ärgerliche dabei ist, dass ich vorher schon die Widerstände genannt hatte 1088 und 1078 und nicht danach handelte, denn genau am oberen Widerstand bei 1088 drehten die Kurse. Glückwunsch an dieser Stelle nochmal an den fleißigen Leser Kosmotrade, der fehlerfrei seine Ideen umsetzte. Ich dagegen sitze immer noch auf einer doppelten Short-Position seit 1092, die 177 Pips oder 278 Euro im Minus liegt. Die Position wird an dieser überkauften Stelle nicht aufgelöst und weiter unten will ich erläutern warum.

Zu allem Überfluss schloss ich die Woche im Projekt hier das erste mal mit Verlust, den mir vor allem ein misslungener Longversuch in Öl bescherte. Aber auch das eigentliche Tradingprinzip – das Sammeln von kleinen Steinchen in TRENDRICHTUNG wurde nicht befolgt und so ist die Folge eigentlich nur logisch. Ich werde die nächsten 2 Wochen wieder mehr Zeit haben – haben müssen. Denn es muss eindeutig wieder konzentrierter und disziplinierter gearbeitet werden. Spitzenleistungen kommen nicht nebenbei.

Wie könnte es die nächsten Tage weiter gehen? Hier die Bestandsaufnahme:

  1. Der Anstieg der letzten 3 Tage war nicht mehr explosiv und wurde begleitet von fallenden Volumen -> negativ.
  2. Der DowJones30-Index schloss am Freitag das erste mal wieder über MA200 -> positiv
  3. Der MA200 im S&P500 liegt nur 5 Punkte entfernt -> neutral bis bärisch (schlechtes CRV)
  4. Die bereits angespchene schwarte Kerze im NDX bekommt namhafte Gesellschaft: QQQQ (=ETF auf Dow30) und SPY (=ETF auf S&P500)
  5. Die bereits angesprochenen zahlreichen Gaps, die auf Schließung warten -> negativ

Insgesamt muss man resümieren, dass der Weg nach oben immer zäher wird, das zeigt auch der Blick auf den MACD, wobei natürlich der Trend absolut intakt ist und alles was nach unten passiert zunächst einmal korrektiv einzustufen sein wird. Dadurch, dass die Indizes nahezu alle nahe Wochenhoch schließen konnten ist auch davon auszugehen, dass es Anfangs auch noch leicht aufwärts gehen könnte. Mindestens ein Peak, zumal sich aufsteigende Dreiecke (oder Keile = „wedges“) bilden.

Die Bollinger

Hier eine – zugegeben etwas oberflächliche – Beobachtung rund um die Bollinger: Immer wenn Kurse vom unteren direkt und ohne Korrektur zum oberen Bollinger wanderten, waren Chancen nach oben stets begrenzt. Innerhalb weniger Handelstage setzt nach Erreichen des oberen Bollinger eine Korrektur ein, die das Ziel des mittleren Bandes hat (MA20). Wenn aber das obere Bollinger erreicht wird, NACHDEM zum mittleren Band korrigiert wurde, ist ein short an dieser Stelle mit Selbstmord gleichzusetzen. Im März und Dezember konnte man das ganz gut sehen. Hier der Chart dazu:

In dieser Woche erwartet uns am Freitag der große Hexensabbat. Wir können also wieder davon ausgehen, dass spätestens ab Mittwoch abend kontrollierende Bewegungen einsetzen, d.h. große Institutionen, die genügend Spielgeld haben um bestimmte Optionen verfallen zu lassen, werden die Kurse in die Richtung der eigenen Interessen treiben. Deshalb denke ich, dass spätestens ab Donnerstag das Risiko wieder reduziert werden sollte.

Ansonsten habe ich hier für heute nicht mehr allzuviel zu erzählen. Meine 3 Marktmodelle sind klar bullish, es sind aber mittelfristig orientierte „Trendfinder“, die keine Hilfe bei der Bestimmung kurzfristiger Bewegungen sind. Daher bleibt meine Strategie immer noch: Buy the Dips. Fehlen nur noch die Dips ;-)

In diesem Sinne, eine supererfolgreiche nächste Woche euch allen!!

10 Gedanken zu „Gedanken zu KW37

  1. natürlich könnte auch Basel 3 eine Rolle spielen Anfangs der Woche. Ich hab keine Ahnung ob die Erhöhung der Eigenkapitalquote der Banken eine Auswirkung auf die Preisfindungen bei Aktien haben können, deshalb hab ich den Teil bewusst weg gelassen weiter oben.
    Möglicherweise werden die Banken aber gezwungen sein an frisches Kapital zu kommen, immerhin müssen sie jetzt statt 4% nun 6%, also 50% mehr an Eigenkapital vorweisen. Entweder werden mehr Banken wie z.B. die DB dies durch Ausgabe neuer Aktien (=Kursverwässerung) erledigen oder durch Kürzung von Dividenden und anderen Ausschüttungen. Es wäre alles nicht unbedingt im Sinne der Anleger, deshalb bin ich für den Bankensektor nun eher bärisch.

  2. Beruhigend zu wissen, das auch in der Bundesliga solche ‚Fehler‘ passieren.(Ich erinnere den Post, wo du schriebst versemmelte Trades gehören konsequent geschlossen).
    Ich (Kreisklasse) hatte neulich einen ähnlichen Rohrkrepierer in meinem Depot (DAX Long bei 6227), dann kam das Down. Aus Traderstolz und verletztem EGO habe ich die Position einfach gehalten und am Donnerstag gerade so im Plus geschlossen.

    Eine mögliche Strategie wäre, an dem Punkt, wo man sich eigentlich ausstoppen hätte lassen sollen, einen Hedge in Gegenrichtung einzugehen.
    Was gewinnt man bei steigendem Kurs? Guten Schlaf und die Verluste steigen nicht weiter an. Das Loss bleibt natürlich im Depot!
    Was verliert man bei sinkendem Kurs? Die ‚Versicherungsprämie‘ des Hedges und gewinnt die Erkenntnis, dass man doch recht hatte.

    Was meinst Du?

    Übrigens sehe ich gerade, das mein Einstieg am 18.08. genau dem oben beschriebenen Bollinger Szenario (Daily) entspricht.

    Das der Markt heute so euphorisch auf Basel3 reagiert, sind die Unwägbarkeiten, die letztendlich niemand vorhersehen kann. Ich könnte jede Menge Argumente aufzählen, die eine Reaktion nach unten erklären würden.
    Ist aber nicht so!

  3. Hallo,

    Der Markt feiert die nächste Übernahme von HP und natürlich den Aufwärtstrend und auch sonst kommen heute keine weitere Störfeuer, wie Konjunturdaten. Und auch typisch ist wie so oftmals, das Montagsgap! Denke jedoch , dass dieses heute geschlossen wird , wenn der Ami den Handel aufnimmt, wenn nicht vielleicht um 16:00, typische Uhrzeit für Intradaywendepunkte! Müsst ihr mal beobachten. SPX hat seinen Widerstand bei 1110 ausserboerslich überwunden und 1120 und 1130 stellen die nächsten resist dar.
    Und finde, dass Du heutee sehr gut den markt analysiert hast@Lukas, das mit den Bollinger ist sehr zutreffend, auch meine Erfahrung. Weiter so und habe Behaarlichkeit bei der Umsetzung der Disziplin und Tradingplan, es ist die menschliche Psyche , die ja manchmal soooo schwach ist

  4. Nun war zwar nicht 16:00, etwas spaeter, aber die 1920 , nach 1750 rum als Tief, was gleich +10% im NDX Index entspricht, war short fällig. 1890-1880 als Ziel, da die commercials strong bullish in den Futures unterwegs sind, sollte man sich danach bei diesen Kursen wieder mit Longs eindecken, sofern die so Tief gehen.
    USDJPY dürfte demnächst für Long interessant werden, zunächst noch eine Bodenbildung abwarten, nicht , dass er die 80 noch ansteuert, die ja das Tief im USDJPY darstellen. Support von 1995. Und möglicherweise bildet sich dort eine Wolfe-Welle auf Monatssicht aus, die ein Kursziel von mind. 97.50 zur Folge hat. Insofern ein recht guter CRV-Trade

  5. Hi Klewe,
    das sind so die Klassiker, die immer wieder passieren. Bundesliganiveau ist das noch lange nicht, aber wir sind ja hier um voneinander zu lernen. Hoffe du siehst das genau so!

    Meine beliebtesten Böcke der letzten Jahre:
    – ein Paar schlechte Trades in Folge, Depot rot. Die Psyche will es wieder aufholen also wird statt einem kleineren Risiko ein Größeres gefahren.
    – Trendausbruch verpasst. Longs scheinen aus irgendwelchen Gründen zu gefährlich (das Gegenteil ist aber der Fall!) und so shortet man Signale, die oft keine sind oder ein schlechtes CRV haben. Das ist mein Beliebtester Fehler, den ich auch diesmal wieder gemacht habe.
    – Diesmal, und das ist wirklich aufarbeitungswürdig – habe ich das Risiko nicht reduziert obwohl ich wusste falsch zu liegen. Ich bin dennoch sicher, aus der Position glimpflich raus zu kommen, wenn auch nicht mehr Verlustfrei. Das Problem an der Sache ist nur, dass die mentale Belastung da ist und du nicht frei denken kannst mit einer offenen Position. Heißt, du verschließt Dich für neue Möglichkeiten und so ist der eigentliche Verlust viel Größer.
    – auch nett bei mir: Trends traden wollen, die noch nicht existieren. So halte ich dann eine Position viel zu lange, respektiere Marktwiderstände nicht und eine gute Position läuft wieder ins Minus.

    Das war mein beliebtester, den habe ich durch 2-3 Methoden langsam im Griff. Die ersten beiden noch lange nicht, aber deswegen sind wir ja hier.

    Find das übrigens als einen der besten und herausforderndsten Punkte beim Handel. Man braucht absolute Selbstkontrolle, ständiges Hinterfragen der eigenen Handlungen und tut man es hin und wieder nicht, wird man gnadenlos abgestraft und muss wieder zurück zu Los. Jeden Tag bist Du gefordert und das ist wenn du mich fragst geil!

  6. um auf Deine Frage zu den Hedges zu antworten:
    Geschmackssache, aber ich halte pers. nicht viel davon. Weil du damit nur den Broker glücklich machst. Du weißt auch nie welche Position du schließen sollst und wenn es blöd läuft ärgerst du dich doppelt. Richtig ist es wenn die neue Position nix mit der alten zu tun hat, mMn. Dein Argument zur Psyche ist zwar richtig und wichtig, aber man bekommt die Ruhigstellung billiger durch Schließung.

    Für meinen Teil sehe ich es so: Ich bin Swing-Trader. Ein davon gelaufener Kurs kommt wieder, denn nach meiner Philosophie schwingen die Märkte in Wellen, auf und ab. Mal länger auf und kürzer ab und mal umgekehrt. Die Analyse der Bollinger oben ist streng genommen nix anderes als eine Selbstberuhigung für mich, denn es ist eine Erklärung (oder besser gesagt Hoffnung), dass die Aufwärtsbewegung seit 1040 größer korrigiert gehört falls es ein dicker Trend werden will.

  7. Thema Niveau: für die Güte Deiner Posts nehmen andere Menschen 29.90 € pro Monat, und Du bist mit nem Klick auf einem Werbebanner zufrieden.

    Meine ‚Dampfplauderei‘ mit dem Hedge scheint hier niemanden überzeugt zu haben. (Ich habe sie, während der Trade noch lief, schlußendlich auch nicht umgesetzt.) also ab in die Mülltonne.

    @Kosmo, Bodenbildung im USDJPY sehe ich noch lange nicht -> bis es soweit ist, kannst du (mir) bitte mal erklären, was eine Wolfe-Welle ist.

  8. Na da hast Du es schon gefunden @Klewe. „Zunächst eine Bodenbildung abwarten“, das hatte ich geschrieben, denn eine Bodenbildung liegt ja noch nicht vor. Ich schau auch was die commercials machen und die positionieren sich stetig im Yen Short und d.h. dann auch bald dürfte dieses Währungspaar steigen, zugunsten des Dollars natürlich und mit dieser Wolfe-Welle ist beträchtliches möglich. Natürlich kann auch das schief gehen, aber CRV passt und es gibt ja auch Optionen und dann kaufe ich mir einfach die notwendige Zeit. Ich veranschlage hier 1-2 Jahre fuer den USDJPY um das Kursziel von nahe 100 zu erreichen und wer weiss, manchmal gehen die Dinge auch schneller als gedacht. Aus diesem Grund kauf ich Optionen mit unterschiedlicher Laufzeit und unterschiedlicher Basis. Ich werde es posten, wann ich gedenke mittelfristig bis langfristig im USDJPY long einzusteigen, schätze gegenwärtig so Ende Okt/Anfang Nov. rum. We will see. Gegenwärtig läuft noch eine Forex-Position Short mit Ziel Jahrestiefs und wer weiss tiefer???
    Wolfe-Wellen zeichnen sich dadurch aus, dass sie ein beträchtliches CRV haben. Meine Erfahrung zeigt mir , dass es aber nur in 3-4 von 10 Fällen klappt, aber aufgrund des CRV man eine Menge Kohle mit machen kann. Siehe Dow Jones, nach dem 08.06.2010 850 Punkte in 10 Tagen, als positives Beispiel.

    Zu deinem Hedge, an sich eine gute Idee, ist aber davon abhängig in welchem Zeitintervall man handelt. Ist jmd. , wie Lukas Swing-Trader, könnte er diese Positionen kurzfristig absichern, wenn der Markt eben kurzfristig zu heiss gelaufen ist. Ich tu das mit Positionen , die ich per Option eingegangen bin und diese kurzfristig mit Futures absichere oder am Geld liegenden Optionen, wenn ich sehe oder gedenke der Markt macht jetzt eine Verschnaufspause

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