Ausblick auf 2015

Nein keine Angst. Auch dieses Jahr gibt es von mir keine Vorhersagen wo der DAX oder der Dow Jones am Ende des Jahres stehen werden. Auch nicht ob eher höher oder eher tiefer. Denn “Argumente” gibt es wie immer zu hauf. Sowohl für den Bullen als auch für den Bären in uns.

Werfen wir zunächst einmal auf meine Ergüsse aus dem Dezember 2013:

http://www.depotblog.de/2013/12/ein-blick-auf-2014/

Grob zusammengefasst habe ich tendenziell einen Seitwärtsmarkt vermutet mit negativem Schluss. Bei den Rohstoffen eine dicke Rallye. Weder das eine noch das andere war richtig. Wenn man beide Augen zu drückt, kann man vielleicht den Seitwärtsmarkt aufgrund des DAX Verlaufes noch gelten lassen. Blickt man auf die US-Märkte trifft es allerdings alles andere als zu.

Was ich damit sagen will: Diese Prognosen sind allerhöchstens Spinnerei. Sie bringen nicht weiter, sie locken vielleicht sogar nur auf eine falsche Fährte. Man betreibt “Priming” an sich selbst. Völlig unnötig und am Ende wohlmöglich noch teuer.

Es hat auch nichts Intelektuelles wenn man ins Blaue hinein vermeindliche “Prognosen” aufstellt. Auch nicht wenn man sie “begründen” oder herleiten kann. Wer hat denn Anfang des Jahres eine Halbierung des Ölpreises oder des Rubels auf dem Schirm gehabt? Nein, ich glaube es geht darum auf neue Gegebenheiten richtig zu reagieren. Sanktionen gegen Russland beispielsweise waren ein klarer Hinweis darauf, dass der Rubel Schaden nehmen wird. Schlicht, weil wirtschaftliche Folgen das Ziel der Sanktionen waren.

Und das ist es was das Trading ausmacht. Neue Fundamentalbedingungen führen zu Neubewertungen. Die resultierende Anpassung des Preises kann sehr wohl genutzt werden weil sie dauert. Hier kommt erst der Börsianer ins Spiel. Der Verfall des Euro gegenüber dem US-Dollar ist auch so ein Beispiel. Gewollt von den EZB, langsam und beständig bestätigt durch die Preisanpassung.

Es ist völlige Zeitverschwendung eine Prognose für 2015 auszusprechen. Es ist bewiesene Zeitverschwendung sogar. Wichtig ist, dass man als Börsianer mit offenen Augen durch die Welt rennt, wichtige Änderungen der fundamentalen Bedingungen erkennt, diese Veränderungen akzeptiert und die richtigen Schlussfolgerungen zieht. Trading ist viel mehr Reaktion als Aktion.

“Der Markt ist überteuert” liest man häufig. Für den Beleg müssen wissenschaftlich belegte Bewertungsmethoden her halten, wie z.B. dem Shiller P/E, s.u.

shiller

Quelle: multpl.com/shiller-pe/

Aber was bedeutet “überteuert” eigentlich wenn sich bei jedem Kurs stets ein Käufer und ein Verkäufer treffen? Heißt das, dass der Käufer zu viel bezahlt hat? War es der Verkäufer?! Ich sage darauf: Erst der Letzte macht das Licht aus.

Was bedeutet diese scheinbare Überbewertung fürs Trading eigentlich? Nichts. Nichts für das kurzfristige Trading und nichts für das langfristige Trading, denn wer auf einen Verfall der Märkte setzen will, braucht die richtigen Instrumente, richtig Schotter und das Sitzfleisch eines Elefanten.

Wer aufgrund eines Indikators wie beispielsweise des Shiller P/E meint sich auf die Bärenseite zu legen, dem kann ich nur sagen, dass ein ähnliches Niveau Mitte der 90er Jahre auch schon erreicht war und die satte Rallye stand da erst bevor. Eine Ralle bis zum Jahr 2000 als Bär mitzumachen muss sich vermutlich wie eine Folterkammer angefühlt haben. Ja, die Märkte sind vielleicht sehr ambitioniert bewertet aber nahezu exkat die selben Bedingungen waren vor einem Jahr genau so vorhanden. Und um alle Missverständissen vorzubeugen: Ich bin weder Bulle noch Bär was 2015 betrifft. Alles was ich sage ist, wer erfolgreich traden will braucht andere Mittel.

Guten Rutsch und ein frohes Neues 2015!

Lukas